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2002 Château Bahans Haut-Brion
Dienstag, 4. Mai 2010

Ok, der Name Zweitwein klingt… Naja, klingt nach 2.Wahl, nach Diesel Jeans mit Löchern, aber an der falschen Stelle. Oder, wenn wir es wohlwollend sehen, nach der zweiten Chance. Beim ersten Mal hat’s nicht funktioniert, sind wir gnädig und lassen dich noch mal ran. Immerhin.
So ähnlich kommt das hin. Ist doch der Château Bahans Haut-Brion schon eine zweite Chance, als Zweitwein. Und zwar vom, da brauchen wir nicht lange zu rätseln, Château Haut-Brion. Im folgenden, so wie auch vom Château, als “Grand Vin” bezeichnet. Bahans kommt übrigens von einer Familie, die früher einen kleinen Teil des Guts Haut-Brion besaß. Wie sie diesen Teil los wurde, ist offiziell nicht überliefert.
Zurück zum Thema: Ein Stiefbruder also?
Nicht unbedingt, eher der kleine Bruder. Er teilt sich die gleichen Parzellen, „Erziehungsmethoden“ und darf  gerne mal die Fässer vom großen Bruder auftragen.
So weit die Theorie. Keine Sorge, die Châteaus von Haut-Brion sind oft eine ganz gute Hausnummer. Im Gegensatz zu manchen Ikonen aus der Gegend doch ziemlich zuverlässig. Und davon kann auch der „Kleine“ profitieren. Auch beim 02er, kein Jahrhundertjahrgang, aber eine sichere Bank. Fein und samtig wie eine Jacke von Louis XIV, aber keinesfalls so kitschig wie Harald Glööckler. Dazu gibt es ordentlich Bordeauxfrüchte (Kirsche, Cassis) auf den Tisch. Sowie etwas Lack und Leder, aber kitschig ist er immer noch nicht.

Offiziell soll der Bahans recht jung getrunken werden. Trotzdem braucht jetzt niemand panisch in den Keller zu rennen. Der 2002er ist so frisch, dass er bestimmt noch ein paar Jährchen schafft. Bis zu seinen ersten Fältchen dürfte also noch ein paar Winter ins Land gehen.
Nein, er erfreut das Herz und erinnert dabei doch an den “Grand Vin”. Bei einem Preis von (ungefähr) zehn BigMacs, geht das Preis-Leistungsverhältnis in Ordnung. Doch, doch. Auch wenn in diesen Sphären schon eine Menge prima Erstweine herumschippern. Aber, wir erinnern uns, wir sind nicht nur im, sondern sogar in Bordeaux und da ticken die Uhren anders. Und es wird wohl nicht besser.
Da der kleine an den großen Bruder, wie der Gas- an den Ölpreis gebunden ist, zeigt die Nadel auch hier nach oben. Also werden wir wohl für den Zweitwein in nicht allzu ferner Zeit einen alten Erstweinpreis hinlegen dürfen. Schade eigentlich…

Song zum Wein:
Hole – ‘Someone Else’s Bed’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

The WC Rothschild Race: 1992 Château Mouton Rothschild vs. 2008 Bordeaux Rouge
Donnerstag, 21. Januar 2010

Mouton vs Bordeaux

Auf der einen Seite, ein 1992er Château Mouton Rothschild, der Erstwein vom gleichnamigen Weingut. Ohne sich zu weit aus dem Fenster lehnen zu müssen, sicher einer der berühmtesten Weine der Welt. Bekannt auch in weinferneren Kreisen, nicht zuletzt durch seine legendären Künstleretiketten. Dazu kommt noch der Titel Premier Cru, eine der imaginären Spitzen der Weinwelt.
Auf der anderen Seite ein 2008er, welcher zwar ebenfalls unter Baron Philippe de Rothschild gelabelt ist, aber diesmal schlicht und einfach auf den Namen Bordeaux hört und das Château höchstens als vorbeifahrende Traube vom Lastwagen aus gesehen hat.
Unter dem Namen Philippe de Rothschild ist der Mouton so etwas wie das Luxus Penthouseappartment mit Blick über die Stadt und der Bordeaux die Einzimmerstudentenbude im Souterrain.
Das macht sich selbstverständlich im Preis bemerkbar. Für den Obolus eines Mouton könnte man durchaus 50 Flaschen des Bordeaux aus dem Laden tragen. So man beide denn im Laden kauft.
Damit dürfte das Rennen eigentlich gegessen sein. Oder vielleicht doch nicht?
Fangen wir mit dem Château Mouton Rothschild an.
Natürlich die typischen Bordeaux-Tugenden. Brombeere, etwas abgestandener Tabak, mürbes Gehölz und eine kleine Schaufel Humus. Erstmal gar nicht so übel für einen 92er Jahrgang, der in der Gegend eher durchwachsen oder besser durchwässert war. Wäre da nicht auch hier das Gefühl einer gewissen Dünne, als wären die Fässer kräftig mit Wasser aus der Garonne aufgefüllt worden.
Easy to drink? Ja. Aber Komplexität? Dichte? Nada! Dazu kommt, dass er sein Alter inzwischen auch durch seinen schicken Klamotten nicht mehr ganz kaschieren kann. (Anmk.: Ja, auch ich hatte auch schon bessere Moutonjahrgänge im Glas. Viel, viel bessere. Aber auch die waren nie so gut, dass ich jubelnd um den Block gelaufen wäre.)
Da hat es der Bordeaux einfacher. Man erwartet nicht viel bis gar nix. Und diese Latte reißt er dann auch nicht. Mürbes Gehölz, etwas Cassis, eine Schaufel Alkohol, alles zusammengepresst auf die Größe einer Euromünze, umgeben mit einem zarten Nichts und fertig ist das Ganze.
Damit ist er auch in seiner Preisklasse um die fünf Euro kein Schnäppchen. Aber man braucht auch nicht vor lauter Ärger mit dem Kopf vor die Wand rennen.
Mit dem 1992er Château Mouton Rothschild und seiner Aura könnte man trotzdem leben. Wäre da nicht sein Preis. Hat man für ihn mehr als einen moderat höheren zweistelligen Betrag gezahlt, sollte man sich schon mal der nächsten Wand zuwenden.
Trotz Glamour, Marketing und Künstleretikett.

Song zu den Weinen:
Yello – ‘The Race’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2007 Montes Alpha Cabernet Sauvignon
Montag, 11. Januar 2010

Montes Alpha

Ein Wein mit einem sehr ordentlichen Preis-Leistungsverhältnis gefällig? Kein Problem, da fällt doch bestimmt jedem was ein.
Aber was, wenn es um die Verfügbarkeit geht. Und zwar an (fast) jedem Ort und vor allem: Rápido!?
Gell, da wird es schon eng!?
Und hier könnte der gute Aurelius Montes aus Chile helfen. Und zwar mit dem Montes Alpha.
Nicht der billigste, nicht der teuerste Montes, aber für knapp 14 Euro ein sehr ordentliches Stöffchen.
Und wie bei McDonalds oder Burger King bekommt man hier genau das was man erwartet: Einen Überseewein für Jungs. Mit 14, 5 Umdrehungen Alkohol, Herrenschokolade, dunkle Beeren und einer Portion Vanille, serviert auf einem harten Samtkissen. Zumindest in dieser Ausführung als Cab S.

[Gefunden bei… vielen Weinhändlern von Jacques' bis Karstadt]

Song zum Wein:
Daft Punk – ‘Around the World’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

1999 Barbaresco Asili [Bruno Giacosa]
Montag, 21. Dezember 2009

Giacosa Barbaresco

Ok, wie fängt man bei Bruno Giacosa an? Vollkommen egal ob er nun der König, Kaiser, King, Beste, Titan oder sonst was aus dem Piemont ist. Giacosa macht sehr klassische und sehr gute Weinchen. Dazu gehört auch, dass man sie ein paar Jährchen liegen lassen sollte. Dem 99er Asili hat das nicht geschadet, im Gegenteil. Er steht gerade am Beginn seiner Karriere.
Ein ziemlicher heißer Stoff ist er geworden. Keine fette Ente, die vor lauter Frucht nur noch pupsen kann. Sondern ein eleganter… ähmmm… Kranich.
Fein, elegant, kräftig und schööööön laaaang. Kandierte Früchte, ein klitzekleinwenig Tabak, dazu Ragù alla bolognese mit einer Extrabrise Thymian. Also… ist der Wein… nicht das Essen dazu. Ginge aber auch.
Bleibt natürlich die Frage nach dem Preis-Leistungsverhältnis. Auch das bleibt königlich, hier und da legt man schon einen Hunni dafür hin. Mit etwas Geschick geht es aber auch günstiger.
Trotzdem, ein Sonderangebot ist er nicht. Würde ich persönlich aber etlichen „neuen“ Prestige-Weinchen wie dem Sassicaia vorziehen…

[Gefunden bei Pinard de Picard]

Song zum Wein:
Alice in Chains – ‘Rooster’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

Muryan [Polmassick Vineyard]
Freitag, 30. Oktober 2009

Muryan

Ok, die Voraussetzungen sind nicht die besten. Der Wein kommt aus Cornwall. Das kennen die meisten Deutschen von den – sogenannten – Romanen von Rosamunde Pilcher. Das Etikett sieht aus, wie aus dem Copyshop. Der Name des Weins lautet aus der cornischen Sprache übersetzt ‘Ameise’. Dazu gibt es keine Jahrgangsangabe. Doch von mir die Info, dass es sich um einen Müller-Thurgau handelt.
Aber ich kenne Weine aus Cornwall die durchaus nicht schlecht sind, also geben wir der ‘Ameise’ eine Chance.
Und tatsächlich, ein schöner, leichter und süffiger Thurgau. Natürlich keine Fruchtbombe, aber auch kein gekelterter Scheuerlappen.
Da habe ich in Deutschland, unter dem Logo Qualitätswein, schon einige, deutlich schlechtere Müller-Thurgau im Glas gehabt.
Wenn die Pflicht des Weinmachens in Cornwall auf diesem Niveau ist, kann man sich in auf dem Kontinent so langsam auf die Kür freuen…

[Gefunden... vor Ort]

Song zum Wein:
Gossip – ‘Heavy Cross’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2008 Würtz Riesling Trocken Bag-In-Box
Montag, 24. August 2009

Würtz BiB

Wer dachte, dass der Potate! der Einsteiger von Dirk Würtz ist, der irrt. Denn damit sonnt sich der ‘Würtz Riesling’. Der ist zwar circa doppelt so teuer, kommt aber als 3 Liter Bag-in-Box (BiB). Damit stimmt die Rechung dann wieder.
Die Aufmachung ist schlicht und einfach im edlen Schwarz gehalten. Was sich nicht nur auf der Terrasse gut macht.
Auch der Inhalt richtet sich nach meinen Erwartungen. Wer den Potate! kennt, der wird auch hier kein Fruchtkörbchenriesling erwarten. Nein, er schmeckt ordentlich nach den runden und eckigen Steinen (manche nennen so was mineralisch) auf denen er gewachsen ist, dazu gibt es noch eine ordentliche Portion Zitrusfrische.
Aber bitte nicht vergessen: Hier haben wir einen Basisriesling und keinen Gran Cru im Karton!
Nachdem man den ‘Zapfhahn’ bauartbedingt frisch herausgefummelt hat, zeigt der Riesling sich doch etwas ruppig im Mund. Das ist zwar nicht weiter schlimm, aber spürbar.
Möglich, dass auch der Wein im Beutel seine – zumindest virtuelle – Luft braucht, denn nach ein bis Tagen ist diese Kratzbürstigkeit verschwunden. Übrigens eine Erfahrung die ich schon mit anderen BiB’s gemacht habe.
Dass es diesen ‘Würtz’ (fast) nur bei ‘der Metro’ gibt, hat einen Vor- und einen Nachteil.
Der Vorteil: Man bekommt ihn praktisch überall.
Der Nachteil: Dirk Würtz hat mich freundlicherweise noch mal daran erinnert, dass BiB’s nur ca. sieben Monate frisch bleiben. Dass bedeutet, sollten die Dinger dort zu lange rumgestanden haben, könnte man bei Kauf aufs Näschen fallen.
Darum ein Tipp für den BiB: So es denn möglich ist, einfach einen Tag vorher öffnen. Dies erleichtert das Kennenlernen, denn der Riesling bekommt seine ‘Luft’ und man selbst auf der Party keinen Ärger, wenn der Wein perdu ist.

[Gefunden bei… Metro C&C, Dresden]

Song zum Wein:
ZZ Top – ‘Sharp Dressed Man’
Hier kurz reinhören (via iTunes)

2003 Château Mansenoble ‘Cuvée Marie-Annick’
Samstag, 1. August 2009

C. Mansenoble

Wenn ein Belgier wie Guido Jansegers in Südfrankreich Wein macht, ist das heutzutage so ungewöhnlich ja nicht. Wenn man weiss, das er mal Weinjournalist war, schon eher.
Wenn Robert Parker das Weingut als eines der besten der Welt bezeichnet, werden manche jubeln, andere kritisch die Stirn runzeln.
Doch keine Sorge, ich kann Entwarnung geben. Zumindest beim ‘Cuvée Marie-Annick’.
Die Cuvée aus Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan ist wahrlich ein feines Stöffchen. Opulent, fruchtig, aber keinesfalls die fette, träge Ente die mancher erwartet hätte. Das Barrique ist, wie man immer so sagt, gut eingebunden. Nur, dass es hier tatsächlich so ist. Dazu gibt es als Give Away noch ein paar mediterrane Kräuter auf den Tisch gelegt.
Marcel Reich-Ranicki würde wohl sagen: ‘Ein guter Wein!’

[Gefunden bei… Pinard de Picard]

Song zum Wein:
Sébastien Tellier  – ‘Sexual sportweare’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2008 Campo del Benaco Bardolino Chiaretto D.O.C.
Samstag, 18. Juli 2009

Campo del Benaco

Ich geb’ es ja zu, ich bin kein besonderer Freund von Weinen der Spezies Rosé. Obwohl ich durchaus schon den einen oder anderen netten Rosé hatte, kann ich mich damit nicht wirklich anfreunden.
Trotzdem, man soll ja offen für alles sein.
Dieser Campo del Benaco wurde mir (‘Weil ich mich ja für Wein…’) zugesteckt, kommt mal wieder aus dem Hause bofrost und… ich mache es kurz: Schmeckt und riecht nach rein gar nichts, wenn man von etwas Alkohol mal absieht. Jedenfalls wenn er gut gekühlt ist, wie es sich für einen Sommerwein gehört. Von ‘Herrlich frisch mit dem Aroma von Kirschen und Erdbeeren’, merke ich jedenfalls nichts…
Und warm möchte ich das Zeug gar nicht erst probieren. Und dafür auch noch knapp sechs Euro zu verlangen… Ach, lassen wir es einfach damit gut sein. Ecco fatto!

[Gefunden bei… Bofrost]

Song zum Wein:
Mando Diao – ‘You Got Nothing On Me’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2006 Dernauer Pfarrwingert Spätburgunder GG [Meyer-Näkel]
Dienstag, 14. Juli 2009

Dernauer PW

Zugegeben, ‘Dernauer Pfarrwingert’ für eine Lage klingt etwas doof, ist aber ganz einfach zu übersetzen. Dernau ist ein Dörfchen an der Ahr. Und Wingert steht für den Weingarten, der früher einmal der katholischen Pfarrkirche in Dernau gehört hatte. Also könnte die Lage auch ‘Ehemaliger Weingarten der Pfarrkirche von Dernau’ heißen. Somit klingt Dernauer Pfarrwingert dann doch gar nicht mehr so doof.
Und einen Anteil an dieser Lage hat das Weingut Meyer-Näkel u.a. mit eben diesen Dernauer Pfarrwingert Spätburgunder Großes Gewächs (GG). Dass der 2005er bei den Decanter World Wine Awards (DWWA) den ersten Platz unter allen Pinot-N’s sei der Statistik halber nur am Rande erwähnt.
Auf jeden Fall ist dieser Meyer-Näkel ein reifes, saftig-wummiges Rotkäppchen, welches von Oma… oder sollten wir hier Opa sagen… noch Schokolade und Vanille ins (Barrique-)Körbchen mitgegeben wurde. Was jedoch gänzlich fehlt ist das von Hern K. so gehasste Spreewaldgurken-Aroma, welches manche Spätburgunder vor sich hertragen.
Das ganze ist so nah an einem klasse Burgunder-Franzosen, dass man sich noch fragt warum man für solche auch noch mehr als das doppelte ausgeben soll.
Auch wenn jetzt mancher ‘Kopie!’ schreien möge: Egal, mir hat er geschmeckt. Sehr sogar.

[Gefunden bei… Kaufhof, Leipzig]

Song zum Wein:
Shane MacGowan & The Popes – ‘Danny Boy’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2007 Werderaner Wachtelberg Velvet Trocken
Sonntag, 7. Juni 2009

Velvet 07

Es ist schon ein nicht ganz einfaches Ding mit einem Rotwein und Saale und Unstrut. Noch dazu wenn er von der Havel kommt.
Es gibt sie zwar, die guten Roten im Lande, aber es sind nicht derer viele. Das mag zwar hier und da an der Kunst der Winzer liegen, zum großen Teil aber doch (noch) am Klima. Und dies ist in Werder bei Berlin nun nicht gerade günstiger für Rotweine als um Freyburg und Co.
So sind zumindest die Rotweine vom Werderaner Wachtelberg zwar ehrliche Häute, aber doch eher raue Typen.
Da lag es wohl nahe, den vorherrschenden Regent mit etwas Dornfelder einen Weichspüler zu verpassen und das Ganze dann als Cuveé in Flaschen zu pressen. Und das hat ganz ordentlich funktioniert. Ein Stück Samt im Mund und dazu ein kräftiges Aroma von Kirschen mit einem Schuss Johannisbeere. Fertig ist der Velvet.
Das Ergebnis taugt zwar nicht um in der deutschen Rotweinwelt eine neue Duftmarke zu setzen, aber für Randberlin geht das allemal i.O.

[Gefunden in... Werder/Havel]

Song zum Wein:
Alannah Myles – ‘Black Velvet’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2004 Geyerscheiss Riesling [Würtz & Weinmann]
Montag, 25. Mai 2009

Geyerscheiss

Einen Wein mit dem Namen Geyerscheiss muss man sich ja schon mal ins Glas kippen. Jedenfalls dann, wenn man auf Wein steht und nicht als Spaßbremse durch die Weinwelt irrt.
Dazu kommt in diesem Fall, dass der Wein nicht nur von Hubertus Weinmann, sondern besonders auch von Dirk Würtz kommt. Und das dieser inzwischen auch Blogger ist, sollte sich rumgesprochen haben. Da man sich in der Weinblogger-Szene aber ungern öffentlich kritisiert, so es mal was zu kritisieren gibt, hatte ich mich diesmal lieber etwas verstärkt. Also, ein paar weitere Meinungen eingeholt, in Form einer etwas größeren und gut gemischten Weinrunde. Ich hab ja da schon etwas Schiss, sicher war also sicher. *Hüst… Räusper… Hüst*
War aber gar nicht nötig, wie man gleich sehen wird.
Nicht ganz ungewöhnlich war, dass der Geyerscheiss hinten, also wirklich ganz hinten, schon ein paar Alterungstöne aufweist. Die stören aber nicht im geringsten, sondern machen die Sache nur noch interessanter. Recht gut… sehr gut hat mir der geringe Anteil an (Achtung! Anerkanter Fachterminus!) einfachen Primärfruchtaromen gefallen. Will sagen, er hat nicht vordergründig nach den üblichen 08/15 Rieslingdingern geschmeckt, die immer mit Apfel, Pfirsich etc. daherkommen. Die sind zwar schon da, aber eher zurückhaltend, im geschmolzenen Maximenü mit Kräutern, Tabak und ganz viel Terroir.
Nur eins noch, laut Dirk Würtz ist das ‘Ein Wein der immer polarisiert, und das ist auch gut so!’. Stimmt eventuell, den Anlass dazu haben wir gesucht, aber nicht gefunden. Aber vielleicht lag es daran, dass es in der Weinrunde keine echten Spaßbremsen gab. Man kann halt nicht immer alles haben.

[Gefunden bei… Pinard de Picard]

Song zum Wein:
Motörhead – ‘When the Eagle Screams’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

1993 Sperss [Angelo Gaja]
Samstag, 16. Mai 2009

Sperss

Willkommen im Reich der Oberklasselimousinen von Angelo Gaja. Aber im Gegensatz dazu ökologisch korrekt und eher zeitlos. Nur beim Preis ist man wieder beieinander.
Aber, wie beschreibt man eine Legende? Vielleicht so: Ein Zimmer vielen alten Möbeln. Vorzugsweise in einem etwas älteren Gemäuer. Bequem im Sessel vor dem warmen Kamin niedergelassen, ein Glas des (nicht zu fruchtigen) Lieblingsrotweines in der Hand, Füße hoch und der trockene, saubere Hund schnarcht in der Ecke. Als Snack gibt’s getrocknete Früchte, eine Lakritzschnecke und einen Espresso von Illy.
DAS ist der Sperss von Gaja. Mehr braucht es nicht.

Song zum Wein:
Led Zeppelin – ‘Stairway to Heaven’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2006 Director’s Cut Zinfandel [Francis Ford Coppola]
Donnerstag, 7. Mai 2009

Directors Cut

Hmmm… Naja, Director’s Cut also. Normalerweise kriegen Filme diese Bezeichnung, wenn der Regisseur all das wieder reinlegen darf, was durch die Produzenten-Weichspülung rausgefallen war. Das Ergebnis ist dann oft ein stimmiger, authentischer, aber auch ruppiger und langatmiger Film.
Was man sich bei Coppolas Director’s Cut dabei gedacht hat, kann ich nicht sagen. Vermutlich sollte es einfach gut klingen.
Denn ruppig ist der Wein keinesfalls. Und authentisch sind auch schon die anderen Weine aus dem Hause Coppola.
Nö, der Wein ist easy California. Nicht zu fruchtig, aber doch mit etwas to mutch bananas. Vielleicht auch ein wenig zu viel Holzbretter, aber dafür mit Schokoraspeln. Ansonsten rund, warm, harmonisch und durchaus lecker.
Den Director’s Cut gibt es übrigens u.a. auch als Cinema (Cuvèe), Pinot Noir, Cabernet Sauvignon, Chardonnay.

[Gefunden im… Kaufhof, Leipzig]

Song (Wenn schon, dann…) Film zum Wein:
Lost in Translation (Von Tochter Sofia)
Hier kurz reingucken (via iTunes).

2007 Ernst Loosen ‘Gold’ Riesling feinherb
Donnerstag, 9. April 2009

07 EL RG

Ich kaufe normalerweise meine Weine weder im Baumarkt, beim Bäcker, noch in meiner Autowerkstatt. Und ich würde meinen Wein auch nicht bei einem Direktvertreiber von Tiefkühlkost und Eiscreme kaufen. Auch nicht wenn es der weltweit größte ist und Bofrost heißt. Aber wenn dies jemand anderes tut, mir den Wein zusteckt und dieser Wein auch noch von Ernst ‘Ernie’ Loosen kommt, dann kippe ich ihn zumindest nicht gleich weg.
Beim diesem Riesling ‘Gold’ fällt erstmal sein güldenes und durchaus hochwertiges Gewand auf. Das ist OK, denn Gold soll ja nicht billig aussehen. Bei der Namenswahl ist zu vermuten, dass man sich etwas im Glanz der teuren Linien à la Goldkapsel sonnen möchte. Dazu darf das obligatorische ‘White Winemaker of the Year’-Logo auch nicht fehlen. Um Weinkenner nicht zu sehr zu verwirren vertreibt man den Wein vorsichtshalber unter Ernst und nicht unter Dr. Loosen.
Worte sind aber Schall und Rauch, es kommt auf den Inhalt an. Und was haben wir hier?
Der ‘Gold’ schnuppert sehr schön und typisch nach einen Korb voller Südfrüchte und alten Möbeln. Und schmeckt, auch sehr typisch, sehr nach Eisbonbon und etwas zu scharf-kratzig im Hals. Mit anderen Worten, wir haben hier einen ganz ordentlichen typischen Riesling. Allerdings ohne jegliche Hausnummer. Ein Wein der auch von einem x-beliebigen anderen Riesling-Erzeuger kommen könnte.
Und bei einem Preis von knapp zehn Euro kann man auch nicht gerade von einem Schnäppchen reden.
Also, wer sich einen recht ordentlichen Basisriesling zu seiner Wochenration Pizza ins Haus liefern lassen möchte, ist mit dem Ernst Loosen ‘Gold’ Riesling ganz gut bedient. Wer mehr, oder gar ein Schnäppchen erwartet, sollte lieber die Finder davon lassen.

[Gefunden bei... Bofrost]

Song zum Wein:
Klee – ‘Gold’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

Mini Garage Winery: Die Drei von der Tankstelle.
Sonntag, 15. März 2009

MGW

Vor kurzem ging es unter Mini Garage Winery: Tanke mit Shop ja eher um die Nebenprodukte, das Zubehör der Mini Garage Winery.
Grund genug um sich mal mit den – oder besser – einigen Weinen  zu beschäftigen.
Wie zu erwarten war, ist auch hier das Design stimmig und zumindest schon von außen schick anzusehen. Auch wenn die Form für Weinflaschen gewöhnungsbedüftig ist und eher an Bier oder ähnliches erinnert. Die Flaschen passen mit 250ml Inhalt aber genau an jene Orte, bei denen man sich nicht immer sicher sein kann, was man bekommt, wenn man nur ein Glas Wein möchte.
Die Namen bedienen sich nicht bei Verbrennungskraftmotoren, sondern eher bei den Brüder Grimm. Rotbart, Rosamunde und Goldmarie.
Der Rotbart ist natürlich ein Rotwein. Genauer, er möchte ein Spätburgunder sein. Das nehme ich ihm auch ab. Wenn auch etwas einsilbig, schmeckt er typisch und ordentlich nach dunklen Kirschen.
Der Rosamunde ist, wir ahnen es, ein Rosé. Die Rolle spielt er als Cuvée gar nicht so schlecht. Mit seiner süß-fruchtigen Schärfe könnten sich nicht nur Liebhaber von Eisbonbons anfreunden.
Ein Cuvée ist auch der Goldmarie. Aber natürlich aus der Schublade Weißwein. Wenn ich sage, dass mich der Geschmack an eine Mischung aus Golden Delicious-Apfelwein und… etwas… was in etwa so schmeckt, wie Scheibenklar fürs Auto riecht, erinnert… Dann klingt das schlimmer, als es ist.
Und auch wenn nicht unbedingt herausragend, die Qualität der Weine geht für diesen Zweck in Ordnung. Beim Preis von knapp unter vier Euro pro Flasche zahlt man natürlich kräftig Konzept und Design mit. Aber Schnäppchen-Weintrinker sind sicher auch nicht die Zielgruppe.
So wäre ich manchmal froh, an einer Tankstelle solche Weine zu bekommen. Wird aber nix, sondern eher bei rotweiss. Wein für Alle! in Dresden und sicher auch in Düsseldorf.

2005 Ca’ Marcanda ‘Promis’ IGT [Angelo Gaja]
Mittwoch, 25. Februar 2009

Gaja Promis

Der ‘Promis’ ist wie der Sito Moresco eine Eintrittskarte in das Gaja-Imperium, ohne sich mit Haus und Hof verschulden zu müssen. Mit dem Unterschied, dass der ‘Promis’ aus der Toskana kommt und – noch einige wenige – Scheinchen günstiger als der Sito und also nicht nur was für reiche Promis ist.
Obwohl aus  Merlot, Syrah und Sangiovese ‘zusammengerührt’,  ist er diesem nicht ganz unähnlich. Ebenso easy, aber nicht ganz so fruchtig und dafür mit einem touch Pfeffer. Toskana eben.

Song zum Wein:
The Cure – ‘The Promise’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

1987 Château Latour
Dienstag, 6. Januar 2009

CL87

Es gibt nicht viele, echte Legenden in der Weinwelt. Château Latour gehört aber mit Sicherheit dazu. Und dies wissen eben nicht wenige.
So gibt es eigentlich nur zwei Wege um an einen guten Latour zu kommen. Entweder man gehört einer Gruppe an, die zu Weinevents geladen werden, um dann pflichtgemäß positiv zu berichten. Oder aber man gibt bis zu einen guten Monatslohn eines Arbeiters aus, um sich eine Flasche eines Top-Jahrgangs zu ergattern. (und o.g. Events kozufinanzieren.)
Einen Ausweg bieten aber solche Jahrgänge an, die laut Château eher von ‘mediocre quality’ oder mit anderen Worten eher besch***** sind. Und wenn man clever ist oder mehr Glück als Verstand hat, bekommt man solch eine Flasche zu einem Preis, bei dem ein Flop nicht zu sehr schmerzt.
Aber weit gefehlt, nach dem entkorken des Oldies weht einem ein ziemlich agiler Duft von Heidelbeeren um die Nase. Satt und gar nicht kitschig. Und im Glas setzt sich das Ganze auch fort bis… Ja, bis man merkt, dass auch Legenden nicht zaubern können. Man könnte meinen, dass man beim abfüllen ordentlich mit Wasser gestreckt hat. Wer also noch rein zufällig einen 87er Latour im Keller hat sollte langsam öffnen. Aber nicht zu langsam trinken. Denn nach einigen Stunden kommen unter dem Fruchtmäntelchen die ersten Falten des Alters zu Tage. Trotzdem, Spaß hat er gemacht. Auch als eher dünner Jahrgang noch mit Charakter und vor allem als… naja…  ‘Schnäppchen’.

Song zum Wein:
Madonna – ‘Material Girl’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2006 Sito Moresco Langhe D.O.C. [Angelo Gaja]
Montag, 29. Dezember 2008

SiMo

Es soll Leute geben, die meinen Angelo Gaja wäre der beste Winzer Italiens. Hmmm. So ganz falsch ist das aber nicht.
Leider hat solch ein felsenfester Ruf (Oder sollte man besser carrara-marmor-fester Ruf sagen?) einen Nachteil: Die Preise. Die reinen Lagenweine von Gaja sind im Handel praktisch nicht unter 100 Euro  zu bekommen.
Aber es geht auch anders. Wenn man sich den Sito Moresco greift. Ebenfalls ein Gaja aus dem Piemont, aber eine Cuvée aus Nebbiolo, Merlot und Cabernet Sauvignon.
Das macht den Wein um viele Scheine günstiger, aber bestimmt nicht (viel) schlechter.
Der Sito Moresco ist voll in der Nase und rund auf der Zunge. Dazu gibts praktisch gratis fruchtige Johannisbeeren, ein klein wenig Vanillestange. Alles jetzt fein trinkbar oder so man hat, ab in den Keller damit. Gut ausbalanciert zwischen anspruchsvoll und easy trinking.

Song zum Wein:
Toni Esposito – ‘Fiaba Moresca’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

1997 Opus One [Mondavi & Rothschild]
Samstag, 6. Dezember 2008

OO97

Wenn die ‘yellow tail’ Serie so etwas wie ein Einstieg in die Liga der trinkbaren Markenweine darstellt, dürfte der Opus One wohl die Königsklasse sein.
1979 von Philippe de Rothschild und Robert Mondavi gegründet um in Kalifornien einen Bordeaux mit amerikanischen Wurzeln zu erzeugen. Oder zumindest das bordelaiser Preisniveau zu erreichen. Wirklich gelungen ist auf jeden Fall das letztere. Das Qualitätsniveau des Opus One hat den eigenen Hype zwar nie ganz erreicht, aber so schlimm ist er auch wiederum nicht.
Er hat eine schöne Power, die einen aber nicht umhaut, sonder eher in den Arm nimmt. Dazu bekommet man alles was man erwartet. Getoastetes Holz, eine Menge Frucht von roten und dunklen Beeren, Mon Chéri und etwas Leder. Alles harmonisch, üppig und ohne jede Kante. Klar, man möchte keinesfalls anecken und nicht nur den Schwiegermüttern gefallen.
Erinnert vielleicht an einen guten Hollywoodschinken. Die Kosten sind zwar absolut zu hoch, aber er macht Spaß, man bekommt eine Menge Show und ist easy zu konsumieren. Aber zu einer Legende gehört dann doch etwas mehr.

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Madonna – ‘Give It 2 Me’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2004 Dingač [Matuško]
Donnerstag, 13. November 2008

DG 4

Ob der Dingač, so wie der örtliche Händler wohl meinte, nun der beste Rotwein Kroatiens ist, vermag ich aus Mangel an Vergleichen nicht sagen. Auf jeden Fall ist er mit 14,2 Umdrehungen eine ganz schön fetter Brummer.
Er wird aus der Rebsorte Plavac Mali gemacht, die einer Art Cousine des Zinfandel ist, aber, wie ich finde, einiges mehr an Bums besitzt.
Dass der Dingač aus überreifen, teilrosinierten Trauben gemacht wird, könnte der Grund für den ersten Geschmackseindruck sein, der nahe an einem alten, frisch geölten Schrank liegt. Diese Irritation verzieht sich aber recht schnell und es bleibt ein öliger, kräftiger, schicker, trockenfruchtiger, brombeeriger und komplexer Roter übrig.
Warum der Dingač  gelegentlich als kroatische ‘Châteauneuf-du-Pape’ bezeichnet wird, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Bei Vergleichen mit dem spanischen Rioja hätte ich weniger Zweifel.
Aber egal, der Wein is gutt…

[Gefunden in… Dubrovnik]

Song zum Wein:
Maksim – ‘Croatian Rhapsody’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2000 Château Terrey Gros Cailloux
Dienstag, 7. Oktober 2008

CTGC 00

Château Terrey Gros Cailloux gehört wie das dazugehörige Château von Hortevie in die kleinsten Ecke des Medoc, nach Saint Julien.
Zwar fehlt beim 2000er Terrey Gros Cailloux der ‘große’ Name mit den vielen Nullen (im Preisschild), trotzdem haben wir hier einen ziemlich animalischen, lederigen, aber doch recht jugendlichen Franzosen im Glas.
Und auch wenn man nicht mit Vanille und Lakritz gespart wird, ich würde ihn nicht für die ‘Kleinen’, die Bordeaux-Newbies empfehlen. Dafür benötigt er zuviel Luft, Muse, Zeit.
Aber auf jeden Fall bekommt man eine Menge mehr Bordeaux für sein Geld, als bei manch anderen Kollegen.

[Gefunden bei… La Maison des Millésimes, Bordeaux.]

Song zum Wein:
Sébastien Tellier – ‘Look’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2006 Spätburgunder & Portugieser [Martin Schwarz]
Sonntag, 28. September 2008

SB & P

Der Spätburgunder & Portugieser ist bislang nicht nur der einzige Schwarze Rote des Proschwitzer Kellermeisters Martin Schwarz, er ist auch einer der teuersten Rotweine aus dem Elbtal.
Obwohl Cuvée, schmeckt man den Spätburgunder und den Portugieser doch ziemlich heraus. Dazu ein ordentlicher Einsatz von Kirschen mit einigen gerösteten Waldbeeren. Alles ist nicht aufdringlich, auch die zwölf Monate Barrique nicht.
Allerdings, auch mit einem kräftigen Garagenwein-Bonus ist das Preis-Leistungsverhältnis etwas überstrapaziert. Im Vergleich mit seinen wirklich pornographischen Weißweinen ist der S & P noch etwas zu jugendfrei.

(Gefunden bei… edelrausch)

Song zum Wein:
Roy Black – ‘Ganz in Weiß’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2006 Kerner [Thüringer Weingut Bad Sulza]
Donnerstag, 25. September 2008

TK TWBS

Auch wenn die Flecken des Weingebietes Saale-Unstrut oft auf Sachsen-Anhalt reduziert werden, gehört doch ein nicht ganz kleiner Teil davon, immer noch nach Thüringen. Spätestens nach dem Start des Prinzen zur Lippe bei Weimar, werden solcherlei Irritationen sicher der Vergangenheit angehören.
So lange darf sich das Weingut in Bad Sulza mit knapp 33 ha, dass Größte in Thüringen nennen.
Und dieser Kerner ist nach dem Müller Thurgau die Nummer Zwo auf der Mengenliste.
Recht schlank, straight und weich. Dazu ein paar Äpfel mit einem Spritzer Zitrone. Nix für Gourmets, aber durchaus passend zur deftigen Thüringer Küche.
Das hat man offenbar auch bei der Handelskette Globus gemerkt und bietet diese hmmm… Edition(?) in seinen regionalen Supermärkten an. Soweit so gut.
Dass man nicht das sonst übliche, alberne sinnlose merkwürdige Etikett (mit der fehlenden Ecke) verwendet, geht ja in Ordnung.
Warum man dies allerdings durch ein vollkommen nichtssagendes Ding à la mediteran-pfälzer Billigwein ersetzt hat, will sich mir wirklich nicht erschließen. Und dass auf die Briefmarken-Rückseite auch doch ein Text von zwei gefühlten DIN A4-Seiten rauf musste, auch nicht.

(Gefunden bei… Globus, Jena)

Song zum Wein:
Rainald Grebe – ‘Thüringen’
Hier kurz reinhören (via iTunes). Gibt es nicht auf iTunes. Darum ausnahmsweise hier bei Youtube und als Video.

2006 Spätburgunder ‘S’ [Meyer-Näkel]
Donnerstag, 18. September 2008

SMNS 06

Werner Näkel hat bei den diesjährigen Decanter World Wine Awards (DWWA) mit seinem ‘2005er Dernauer Pfarrwingert Spätburgunder Großes Gewächs’ den ersten Platz unter allen Pinot Noirs abgeräumt. Und auch wenn der aufmerksame Weinfreund ja weiß, dass man Wettbewerbe aus verschiedenen Gründen durchaus einmal misstrauen darf, kein schlechter Erfolg. Noch dazu, da man die Konkurenz aus Neuseeland, Chile und dem Burgund hinter sich gelassen hat.
Lange Rede, das ist er… aber nicht. Hier haben wir ‘nur’ den Spätburgunder ‘S’ (wie Selektion). Aber schon hier kann man feststellen, wie viele schlechte nicht so gute Spätburgunder es im Lande gibt.
Erstaunlich was Mr. Näkel hier für ein samtiges, kirschiges, dichtes, reifes Zeug, mit einem Hauch von Vanille gebastelt hat. Ohne dabei eine Kopie von irgendetwas zu sein. Das schmeckt nach mehr und lässt einen spitz auf den ‘Dernauer Pfarrwingert’ werden.
Achja, bei den oben genannten  DWWA’s hat der ‘S’ immerhin eine Silbermedallie abgefasst.

(Gefunden im… Karstadt, Dresden)

Song zum Wein:
AIR – ‘Sexy Boy’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2007 Ottello [Bernhard Ott]
Dienstag, 9. September 2008

Ott_ello

Es ist ziemlich egal ob man Berhard Ott als den ‘Bullen vom Löss’ (Falstaff) oder den ‘King of GV… Gruner Veltleenar’ (Weincasting) bezeichnet. Denn auch wenn der Ottello als Einsteiger in die Ott’sche Palette ein Jungwein-Cuvée ist, liegt der Schwerpunkt, im wahrsten Sinne auf dem Veltliner.
Auch im Ottello, welcher aus Grüner Veltliner, Roter Veltliner, Frühroter Veltliner, Müller-Thurgau, Welschriesling und Neuburger gemixt wird.
Dabei ist ein sehr netter und frischer Starter herausgekommen, welcher irgendwo zischen Zitronen und Bartäpfeln, Power und Sanftheit liegt. Und gar kein Langweiler ist.

(Gefunden im… KaDeWe)

Song zum Wein:
Gustav – ‘Verlass die Stadt’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2007 Weissburgunder & Grauburgunder [Martin Schwarz]
Montag, 8. September 2008

WGMS07

Ein Weingut mitten im Dresdner Szeneviertel Neustadt? Schon, aber Tanks und Fässer findet man hier eher weniger. Denn ausgebaut werden die Weine in Zadel, im Weingut Schloss Proschwitz. Das ist kein Problem, denn der Kellermeister dort heißt Martin Schwarz.
Wer jetzt denkt, dass die Schwarz’schen Weine einfach nur eine Art Cuvée aus dem Proschwitzer Kellerresten ist, liegt total falsch. Der wirklich sehr sympathische Martin Schwarz hat natürlich seine eigenen Flächen. Die sind allerdings dünn gesät, sodass man noch recht häufig mit Cuvées arbeitet. Was nach einer Notlösung klingt, aber keine ist.
Mineralisch und schmelzig, mit einer ordentlichen Ladung Bums unter dem Korken. Ein schönes, frisches, knackiges Zeug, welches gut balanciert auf dem eingesetzten Holz surfen kann.

(Gefunden im… Karstadt Dresden)

Song zum Wein:
Black Sabbath – ‘Iron Man’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2005 Pinot Noir ‘Réserve’ [Georges Lorentz]
Sonntag, 7. September 2008

PNGL

Hinter Georges Lorentz verbirgt sich niemand anderes, als der nicht ganz unbekannte Name Gustave Lorentz aus Bergheim im Elsass. Also jener Elsässer, der zum Beispiel mit seinen Gewürztraminern Furore macht. Mehr oder weniger.
Eher selten ist in Deutschland ein Pinot Noir aus diesem Teil Frankreichs zu finden. Und das ist auch nicht wirklich schlimm, denn hier haben wir einen ziemlich klassischen Spätburgunder im Glas. Der ‘Réserve’ ist sauber, aber doch recht einfach und hält sich sowohl in Frucht und Power zurück.
Solo ein ziemlich einsilbiger Typ, aber zur deftigen elsässischen Küche ein durchaus passender Kandidat.

(Gefunden in… Straßburg)

Song zum Wein:
Gustave Parking – ‘Tcherno-bile’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2006 Grauburgunder [Schlossgut Diel]
Freitag, 22. August 2008

AD GB

‘Was für ein kleiner Stinker!’ Dies könnte man denken, wenn man sich auf einen Deal mit diesem (Journalisten und Winzer) Diel eingelassen hat.
Gleich nach dem Öffnen zeigt sich dieser Grauburgunder offenbar ziemlich angepisst, dass er so lange in der Flasche bleiben musste. Stinkig in der Nase und kratzig im Mund.
Aber nach ein paar Minuten hat man sich beruhigt und zeigt sich von seiner Sonnenseite. Ein wunderbarer grauer Sonnyboy, der gar nicht beliebig, sondern schick ausbalanciert ist. Dazu schnüffelt er schön nach Aprikosen und schmeckt auch noch danach. Und das sogar ein paar Tage lang.
Bleibt nur noch eine Frage: Wohin mit der leeren blauen Glasflasche? In den ‘braunen’ oder ‘grünen’ Container?

[Gefunden im… Weinhaus Krömer, Schwerin]

Song zum Wein:
ZZ Top – ‘Deal Goin’ Down’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

Weingut Schloss Proschwitz. Kleine 2007er Horizontale.
Montag, 4. August 2008

PLZ KH 2007

Es gibt Leute die behaupten, dass das Weingut Schloss Proschwitz das Beste in ganz Sachsen sei. Da aber solche Superlative immer (im wahrsten Sinne des Wortes) etwas vorsichtig zu genießen sind, werde auch ich mich mit solchen Aussagen zurückhalten.
Aber eines stimmt, das Portfolio des Prinzen zur Lippe oder besser, seines Weingutes gehört sicher zu den Besten in Sachsen.
Und da ich mir die Gelegenheit geschaffen habe, einen Ausschnitt des Programms über ein paar Tage hinweg zu testen, soll das Ergebnis auch hier, in einer Art Horizontale, nicht vorenthalten werden:

2007 Müller-Thurgau Qualitätswein Trocken
Also wenn schon Müller-Thurgau, dann so: In der linken Hand eine Tüte Haselnüsse. In der rechten Hand ein paar Limetten. Und beides zu einem knackigen Wein zusammenbasteln. Es reicht zwar nicht für ein neues Kapitel der deutschen Weingeschichte, aber für die Terrasse, an einem heißen Sommertag, allemal. Da hat der Lambeck (diesmal) wohl tatsächlich recht.

2007 Goldriesling Qualitätswein Trocken
Der Goldriesling hat in Sachsen nicht nur Freunde. Dieser ist etwas blumig und gehört mit ein paar Johannisbeeren sicher zu den besseren seiner Art. Mir ist er trotzdem etwas zu… simpel. Auch als Saufwein gefällt mir der Müller-Thurgau besser.

2007 Scheurebe Kabinett Trocken
Für mich die Überraschung dieser Quadriga. Ein sehr leckeres Stöffchen, dessen Geschmackserlebnis man in etwa so beschreiben kann: Man leckt mit der Zunge über einen noch nicht ganz reifen Pfirsich und atmet dabei kräftig ein. Klasse.

2007 Grauburgunder Kabinett Trocken
Auch wenn man bei einem Grauburgunder eigentlich nicht sehr viel falsch machen können, sollte, zeichnet sich der GB durch ein unaufgeregtes Hin- und Hertrudeln zwischen Säure und Süße aus. Geht mit seinem schmelzigen Charakter und einem Hauch Fruchtsalat gut zum Essen oder auch Solo.

Wer sich nicht für die Weißweine von Schloss Proschwitz interessiert, darf sich gerne hier ein paar Worte von mir zum Spätburgunder ansehen.
Achja, die Preise bewegen sich so um die zehn Euro. Plus, minus. Und pro Flasche. Natürlich.

[Gefunden im… Weingut Schloss Proschwitz]

Song zu den Weinen:
Adam Ant – ‘Prince Charming’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2007 TRIE weiß [Günter & Regina Triebaumer]
Donnerstag, 26. Juni 2008

TrieW

Das war irgendwie klar. Zum TRIE rot gehört auch ein TRIE weiß.
Selbigen kann man, wie die Winzer es tun, so beschreiben:

Helles Gelb mit grünen Reflexen, deutliche Schlieren. In der Nase zuerst ein frischer, weißer Blumenstrauß, danach Grapefruitzesten und gelbe Muskattrauben. Jetzt auch saftiges Birnenfruchtfleisch und ein Zwinkern von Lemonen. Steigert sich binnen Kurzem zur Vielschichtigkeit. Trocken mit schmelziger Säure und dem dichten Extrakt bester Chardonnay-Trauben. Gerade richtig abgestimmt zwischen herzhafter Kraft und verspielter Aromatik.

Und auch wenn ich dem nicht immer wirklich folgen kann: Passt scho’ gutt zum roten 3. Und ist dabei vielleicht… sogar noch einen Zacken schärfer.

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Panic At The Disco – ‘That Green Gentleman’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2007 Radebeuler Goldener Wagen Riesling Kabinett [Hoflößnitz]
Dienstag, 17. Juni 2008

RGW

Das Weingut Hoflößnitz ist eines der ältesten in ganz Sachsen, zumindest bei der historischen Bausubstanz. Ein schönes Stückchen Erde, mitten im Weinberg und in Rufweite zum Karl Friedrich Aust, den man außerhalb doch eher kennt.
Ideale Bedingungen also für einen guten Wein. Doch, die Voraussetzungen stimmen, besonders weil die ganze Weinpalette aus ökologischen Anbau stammt. Und hier ganz besonders gefällt, dass dieser Hinweis nur dezent auf der Flasche auftaucht und nicht wie sonst oft, man die Flasche damit zutakkert.
Soviel zur Theorie. Und die Praxis?
Klar, frisch und saftig. Allerdings eher in Richtung einer frühreifen Grapefruit oder einer kleinen Limette. Ein Vertreter, der doch eher im Hause Müller-Thurgau zu Hause scheint. Da holt auch die ‘Goldener Wagen’-Lage keine Birne oder Ananas mehr raus.
Wer beim Namen Riesling Kabinett eine Obstgarten-Explosion erwartet, liegt wohl falsch.
Aber zum Essen oder an einem heißen Sommerabend auf der Terrasse? Why not?!

[Gefunden im… Weingut Hoflößnitz]

Song zum Wein:
Tom Waits- ‘Grapefruit Moon’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

Weinrallye #12: 2006 Vineyards SelecteD [Carmel Winery] [Upd.]
Dienstag, 10. Juni 2008

WR #12 Carmel

Die Carmel Winery gibt es seit 1882 und geht auf Betreiben des Baron Edmond de Rothschild zurück. Sie könnte man als Beginn der modernen Weinwirtschaft auf dem Gebiet des heutigen Israel werten. Immer noch erzeugen die beiden Kellereien in Rishon Le Zion und Zichron Jaacov über 50 Prozent des Weines in Israel.
Das sorgt sicher dafür, dass der SelecteD trotz des aufwändigen koscheren Ausbaus preislich im Rahmen liegt und auch recht passabel verfügbar ist.
Ob er sich aber auch in meine positiven Erfahrungen mit anderen Israelis einreihen kann, wird sich erst nach Öffnen der Flasche zeigen.
Da sich die Temperaturen hier zur Zeit wie im Kibbuz gebärden, würde ein Tasting dazu sehr authentisch rüberkommen.
Mir persönlich ist es aber für einen Rotwein viel zu warm, darum reiche ich die Geschmacksprobe in ein paar Tagen nach.

[Update]
So jetzt aber. Die Paarung Cabernet Sauvignon plus Merlot ergibt einen ziemlich dichten Soff. Ich hätte vorher in die Richtung Kalifornien getippt, aber man tendiert doch zum ‘alten’ Europa, nach Bordeaux.
Der SelecteD reiht sich dort in die Gruppe der guten Einsteiger ein. Samtig, etwas zäh, aber cassis-fruchtig mit einem Touch Vanille(-Chips?).
Natürlich kein Aufreger, aber ein sehr passabler Tropfen, zu einem sehr passablen Preis-Leistungs-Verhältnis.
[Gefunden bei… Karstadt, Dresden.]

Song zum Wein: Matisyahu – ‘Jerusalem’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2004 ‘Marbacher Neckarhäldle’ Schillerwein [WG Marbach]
Montag, 9. Juni 2008

SchiWi

Schillerwein. Aha, alles klar. Da hat sich wohl ein findiger Winzer irgendwann gedacht, er könne prima mitreiten auf der Popularitätswelle des guten alten Johann Christoph Friedrich von. Mitnichten.
Das ist eine Mär, just wie jene, dass die Gebeine des Friedrich in der Fürstengruft zu Weimar gebettet sind.
Schillerwein ist nichts anderes als ein Rotling. Und ein Rotling, ist das, was viele sich unter einem Rosé vorstellen. Comprende? Nein? Ok:

Der Begriff ‘Rotling’ darf nur verwendet werden für einen inländischen Wein von blass- bis hellroter Farbe, der durch das Verschneiden von Weißweintrauben, auch gemaischt, mit Rotweintrauben, auch gemaischt, hergestellt worden ist.
Schillerwein ist ein Rotling, für ihn gelten deshalb die gleichen Herstellungsvorschriften wie für Rotling. Der Begriff kann jedoch nur für Qualitätswein b.A. oder Qualitätswein mit Prädikat aus dem b.A. Württemberg verwendet werden.

Das Zitat habe ich mir vom Winzerblog ausgeborgt.
Der Begriff wurde schon im Mittelalter gefunden, also weit vor der Weimarer Klassik und kommt von der schillernden Farbe des Weines. Sagt man.
Was natürlich die ‘Weingärtnergenossenschaft Marbach und Umgebung EG’ nicht daran hindert, Geburtsort, Name, Wein und Konterfei auf einer Flasche werbewirksam zusammenzuführen. Und genau jenen Zusammenhang herzustellen, der ja eigentlich nicht vorhanden ist.
Ob dies zu einen befriedigenden Ergebnis geführt hat, kann aber nur eine Degustation klären.
Und jetzt kommt das Problem: Mag es an der etwas schlampigen Lagerung meinerseits, der offenherzigen Verglasung oder sonstigen widrigen Voraussetzungen liegen, der Schillerwein hat sich der Oxidation hingegeben. Laien würden sagen, er ist umgekippt.
Somit entzieht er sich meinem subjektiven Urteil und bleibt leider erst einmal ein Mysterium. So wie Schillers Gebeine.

[Gefunden… irgendwo in Marbach und nicht von mir]

Song zum Wein:
Gary Glitter- ‘Rock and Roll’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2006 Sant’ Agata Bianco del Ticino DOC [Cantine Latini]
Mittwoch, 14. Mai 2008

S' A B d T

Es ist schon erstaunlich was man aus (vermeintlichen) Langweilern wie Chasselas (Gutedel) und Müller-Thurgau alles so machen kann.
Trocken, knackig mit etwas Grüner Apfel Shampoo, ohne Shampoo und Schaum. Dazu etwas zu früh geerntete Ananas, bestreut mit ein paar Kräutern.
Das schmeckt zwar alles noch nicht wie auf einer Riva vor Lugano, aber wenigstens wie mit einer Vespa durch Bellinzona.
Nur der Preis, der ist wieder etwas näher am Boot.
Aber noiso ist die Agata aber trotzdem nicht…

[Gefunden bei … rotweiss. Wein für alle!]

Song zum Wein:
Yello – ‘The Race’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2006 Zweigelt Granit [Kurt Angerer]
Montag, 5. Mai 2008

KAGZ06

Man nehme einen äußerst bodenständigen Weinbauern aus dem Kamptal und lasse ihn einen Zweigelt machen. Schön satt, reif und fruchtig. Mit einem feinen Kirscharoma. Dann lege man das Ganze 22 Monate ins Barrique.
Anschließend kippe man ihn vorsichtig über eine griechische, vorzugsweise einen weiblichen Akt darstellende Marmorstatue und schlecke das ganze genüsslich wieder ab.

[Gefunden bei … rotweiss. Wein für alle!]

Song zum Wein:
Stone Temple Pilots – ‘Push’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2006 Tur Tur [Markus Schneider]
Donnerstag, 24. April 2008

T_T

Tur Tur? Die Namenswahl im Hause Schneider zeugt entweder von einem grandiosen Fehlgriff oder von einem Höchstmaß an Selbstironie. Denn man spielt auf den gleichnamigen Scheinriesen, aus Michael Endes Kinderbuch ‘Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer’ an. Und jener Tur Tur ist nur aus der Entfernung ein Riese, je näher man ihm kommt, umso kleiner wird er. Mir fallen sofort einige Weine ein, die solch einen Namen ohne weiteres verdienen würden.Um es vorweg zu nehmen, das Zeug ist nicht schlecht. Schneider hat inzwischen genug Routine um seinen Fuß wegzuziehen, falls mal ein Hammer vom Tisch fällt.Man erkennt das Haus, eine saftige, aber nicht zu süße Johannisbeermarmelade mit etwas cremiger Schokolade und einigen Rosinen. Im Stil, wie immer, näher am Pazifik als am Mittelmeer.Trotzdem, warum hat es diese Cuvée aus 60 % Syrah und 40 % Merlot gebraucht? Denn während alle anderen Schneiders in ihrer Art wie der Arsch auf den Deckel passen, ist beim Tur Tur deutlich Luft. Die Antwort könnte darin liegen, dass der Tur Tur wohl eher aus dem Kopf und als aus dem Bauch geboren wurde. Denn er ist ein ‘only Sansibar’-Wein und wird damit exklusiv von Schneiders Kumpels auf Sylt vertrieben.

[Gefunden bei… Galeria Kaufhof, Leipzig.]
Song zum Wein: Udo Lindenberg – ‘Wenn du durchhängst’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

VOSS Sparkling
Donnerstag, 10. April 2008

VOsssssss

Da haben wir also eines dieser Luxuswässerch… Premiumwasser, welches noch dazu ein idealer Weinbegleiter sein soll. Das mag am Geschmack liegen, oder am Preis. Womöglich geht man davon aus, dass Weintrinker nicht ganz so preissensibel sind. Denn für ein normale Flasche ist mehr Geld auf den Tisch zu legen, als der Durchschnittsdeutsche für einen Liter Wein ausgibt. So auch beim VOSS aus Norwegen.
In einer recht Wasser untypischen Flasche, designed von Calvin Klein himself… Dieses Gerücht hält sich hartnäckig. In Wirklichkeit aber, war nur dessen ehemaliger Kreativdirektor an der Entwicklung beteiligt. So sieht die Flasche dann auch eher nach einer Familenpackung ck one, als nach einem Grundnahrungsmittel aus. Nichts gegen ordentliches Design, aber wenn man sich nicht sicher ist, ob in den Mund oder auf den Hals, stimmt etwas nicht. Und was hilft ein transparentes und klares Design, wenn es durch eine Vielzahl von Aufklebern (Preis, Glaspfand, Beschreibung) in die Realität des deutschen Lebensmittelhandels zurückgeholt wird.
Ach, der Inhalt. Der ist erstaunlich gut und wirklich anders. Sauber, klar, weich, ohne einen irritierenden Nebengeschmack. Es schmeckt im positiven Sinne nach nichts. Etwas viel sparkling, allerdings. Ich würde eher zum stillen VOSS greifen. Oder zu einem glanzloseren, biederen und natürlicheren Wasser aus… Von wo auch immer.

[Gefunden im… KaDeWe.]
Song zum Wein Wasser: The Waterboys – ‘Spirit’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2001 Château Smith Haut Lafitte
Samstag, 5. April 2008

C SHL

Beim Weinhändler meines gesunden Misstrauenens durfte ich mal wieder am aktuellen Elend des Bordeaux teilhaben. Die 2005er Ausgaben von Cheval Blanc, Mouton Rothschild usw. hübsch nebeneinander aufgereiht und nur knapp unter 1000 Euro. Jeweils, of course.
Das erleichtert dann doch etwas den Griff zum 01er CS. Der ist nun auch nicht gerade billig, aber schon noch Lichtjahre von den oben genannten fetten Hennen entfernt.
Und dabei hat er doch alles was man sich von einem Bordeaux wünscht: Grillpfanne, Cassis (formerly known as schwarze Johannisbeere), Claudia Bertani, Saft, Frucht und etwas Holz. Dazu ist alles hübsch ausbalanciert und versucht erst gar nicht mit dem Eichenholz-Baseballschläger um sich zu schlagen.
Im Vergleich zu einigen Landsleuten bekommt man hier eher Karajan als Bohlens Dieter.

[Gefunden bei… Karstadt, Dresden.]

Song zum Wein:
Herbert von Karajan & Wiener Philharmoniker – ‘Peer Gynt Suite No. 1, Op. 46: No. 1.’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2003 Château Lanessan
Samstag, 16. Februar 2008

CL

Man kann lange diskutieren, ob das Bordeaux nun unter- oder überschätzt wird oder gut oder böse ist.
Man kann sich natürlich auch – so wie hier – genüsslich durch fette Beeren im Nappa-Ledermantel trinken. Keinesfalls nuttig, sondern rund, rauchig und schön fein verpackt.
Zum Glück hat es Louis Delbos 1855 verpennt, Proben einzureichen. Sonst hätten wir jetzt wohl ein 5ème Crus vor uns und wesentlich mehr Kohle auf den Tisch legen müssen.
Also, solange es solche Schätzchen gibt, können einem manche Diskussionen nun wirklich egal sein. Fin.

[Gefunden bei… La Maison des Millésimes, Bordeaux.]

Song zum Wein:
The Rolling Stones – ‘Wild Horses’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

Weinrallye #8: 2006 Deep Blue® Spätlese [Weingut Tesch]
Mittwoch, 6. Februar 2008

DB

Beim Deep Blue® vom Red Dot Award Gewinner Martin Tesch steht man zunächst vor einem Rätsel: ‘Hä? Iss’n das?’ Denn mit den Angaben Spätlese und Trocken war’s das auch schon. Und soviel Zurückhaltung geht normalerweise gar nicht.
Im Idealfall beantwortet der freundliche Weinhändler alle Fragen. Ist der aber nicht zur Hand oder hat der keine Ahnung ist man ziemlich aufgeschmissen. Auch die Website hilft da nicht weiter, denn außer der Möglichkeit ein Probierpaket zu bestellen, offeriert die nur ein paar nette Sprüche.
Also, der Name ist eine Hommage an die vorwinzerliche Vergangenheit als Biologe Dr. Martin Tesch und an die Forschungsbase „Deep Blue Sea“. Das man Spätburgunder auch als Blauburgunder bezeichnet, könnte aber Zufall sein. Kein Zufall ist es, dass wir hier einen weiß gekelterten Wein aus rotem Spätburgunder vor uns haben. So was wird ab und zu und hier und da auch als Rosé bezeichnet. Solch eine Angabe hätte man vielleicht auch ganz klein auf die… Na, lassen wir das.
Ist er einmal im Glas, was durch den schicken Schraubverschluss kein Problem darstellt, können wir uns beruhigt zurücklehnen. Zum Glück nicht Deep Blue®, sondern ein Hauch Deep Purple. Trockene und fruchtige Erdbeeren mit einem Schuss herber Ribes nigrum erfreuen das Näschen. Im Mund dann das, was man von einem Rosé eigentlich erwartet: Ein erfrischender mineralischer Weißwein mit ein paar sehr hübsch herumwuselnden Rotweinaromen. Ein Auch-im-Winter-Rosé.

[Gefunden bei… Wein & Feines, Leipzig.]

Song zum Wein:
Pink Martini – ‘Hey Eugene!’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

Hinweis: Weil es so schön passt, erscheint dieser Beitrag unter ‘Etikettentrinker – alles fürs Auge‘ im Rahmen der Weinrallye #8.

2005 Rajna Riesling Rosen…Dings [Kunvin]
Sonntag, 27. Januar 2008

RR Rose

Tja, immer wenn man denkt man hat schon alles gesehen, kommt einem so was auf den Tisch. Ein Meisterwerk skulpturaler Glasbläserkunst aus Pannonien, gefüllt mit einem Rajana-Riesling, ‘fruchtig-trocken, passend zu Fisch-, Geflügel-, sowie zu Grill-Gerichten’. Verschlossen mit einem durchnässten Labor-Körkchen und einem dicken Klecks Paraffin. Offenbar hat die Weinkellerei Hand in Hand mit ihrem Vertriebspartner aus Sachsen, welcher sonst in Gulasch- und Universalkesseln macht, eine Zielgruppe im Auge und auch gefunden. Natürlich nicht die elitären ‘Punkte’-Trinker, sondern Menschen mit Sinn für den … ähmm … speziellen dekorativen Geschmack. Ich habe lange überlegt ob ich den Riesling zum Zwecke der Degustation aus seinem Glasssarg befreien sollte oder lieber nicht. Ich habe mich aber doch dafür entschieden, wohl wissend, dass die Voraussetzungen denkbar schlecht waren. Und tatsächlich befand sich im Behältnis etwas, dass mit einem ziemlich stechenden, alkoholischen Geruch nach angegorenen Quitten und Papaya entfernt an so etwas wie Riesling erinnern könnte. Im Mund dann ein bitteres Etwas, was sich anfühlt wie ein billiger Müller-Thurgau, der in einer offenen Flasche auf Omas Fensterbrett schon einen Jahreszeitenwechsel gesehen hat. Und damit vollkommen ungenießbar war. Bleibt zum Schluss noch eine Frage: Es handelt sich hierbei nicht eventuell um eine Art Wein-Interpretation des Werkes von Piero Manzoni?

[Gefunden durch… Freunde.]

Song zum Wein:
Michael Jackson – ‘Bad’

Hier kurz reinhören (via iTunes).

Veuve Clicquot Ponsardin Brut Yellow Label
Montag, 21. Januar 2008

VCPBYL

Jaja, ich weiß. Der Brut Yellow Label (BYL) ist nur der Einsteiger aus dem Hause der Witwe (Veuve) Clicquot und auch kein Jahrgang-Champagner und die vom Haus XYZ sind auch bestimmt besser und und und…
Aber was soll’s, der BYL macht schöne Bläschen im Glas und riecht auch nicht nach absurden Vergleichen.
Nein, er ist leicht fruchtig, frisch und hinterlässt in Mund und Hals keinen virtuellen Staub oder Reste von billiger Mundspülung. Eher einen Hauch von nicht zu süßen Apfelstrudel. Ohne Apfel, dafür aber mit Vanille. Ein schönes Zeug aus Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay.
Natürlich kein Schnäppchen, aber auf jeden Fall ein solider Champagner zu einem … na ja, sagen wir mal… acceptable Preis-Leistungsverhältnis. Und nicht die Mogelpackung, die uns immer wieder mit dem ALDI-Champagner vor der Nase herumtanzt.

[Gefunden … fast überall.]

Song zum Wein:
The Mars Volta – ‘The Widow’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

Lustau Solera Reserva Pedro Ximénez Sherry ‘San Emilio’
Montag, 21. Januar 2008

Lustau PX

Wenn schon Sherry, dann trocken …
Dachte ich bislang. Aber es kann nicht schaden sich einmal diesen Lustau anzusehen. Sieht aus wie ein gutes Motorenöl, riecht aber zum Glück nicht so. Da kommen eher Erinnerungen an die Weihnachtsbäckerei auf. Und wer zu dieser Zeit schon einmal eine Hand voll Rosinen im Mund gehabt hat, der weiß was ihn hier erwartet: Pure, leicht angetrunkene, sonnengetrocknete Rosinen, sehr süß und leckäääh.
Unbedingt kühl (vielleicht zum Dessert) trinken und keine Angst vor dem Zuckerschock, mehr als ein Gläschen pro Tag schafft und braucht man bestimmt nicht.

[Gefunden bei… Karstadt Dresden.]

Song zum Wein:
Depeche Mode – ‘A Question of Lust’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2004 Gago [Telmo Rodriguez]
Montag, 14. Januar 2008

Gago

Der Gago ist so was wie der große Bruder des Dehesa Gago. Und wie das in der Familie so ist, man findet auch ähnliche Eigenschaften. Etwas Holz, eine Menge Frucht und auch die Lederhosen.
Aber, anstatt eines wilden Stieres mit ordentlichen Cojones, trifft man ein halbstarkes Kälbchen welches gemütlich auf der Weide grast.
Kein schlechter Wein, ohne Frage. Aber außer einem doppelt so großen ‘G’ und dem höheren Preis hätte es durchaus auch etwas mehr animalische Power sein können…

[Gefunden bei… Wein & Feines, Leipzig.]

Song zum Wein:
Manu Chao – ‘Tristeza Maleza’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2004 ‘Übermut’ Vintage Muscat [M. Schneider & T. Hensel]
Donnerstag, 20. Dezember 2007

Ü_mut

Wenn man seinen Übermut in eine möglichst kleine Flasche presst, kommt es manchmal dicke. Im aktuellen Fall von Hensel und Schneider kam er in Form eines unanständigen Süßweines mit einer honigsüßen Quittennote.
Von Hand gelesen, mit den Füssen der versammelten Mannschaft ‘getreten’ und 28 Monate in Holzfässern schlafen geschickt.
Vielleicht nur noch soviel: Der ‘Übermut’ ist ein kleines süßes Miststück an dem auch Hänsel und Gretel ihre Freude gehabt hätten!

[Gefunden bei … rotweiss. Wein für alle!]

Song zum Wein:
The Searchers – ‘Sweets for My Sweet’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

Weinrallye #6: Ohlala! Langlois Crémant de Loire Blanc Brut
Dienstag, 18. Dezember 2007

CdL

Die Gleichung Frankreich und Schaumwein ist für viele mit dem Ergebnis Champagner verbunden. Dieser Name hat solch eine Aura, dass man womöglich auch Giraffen-Urin als Champagner verkaufen könnte, solange er nur diesen Namen trägt und idealerweise exorbitant teuer wäre.
Natürlich gibt es auch gute und preis… würdige Schaumweine aus der Region zwischen Reims und Troyes, aber ein Blick weiter in Richtung Westen ist durchaus lohnenswert.
Das Tal der Loire hat nämlich nicht nur eine (schöne) Ansammlung von Schlössern als Ziel für dutzende Senioren-Busreise-Gruppen, Jeanne d’Arc in Blois oder das Grab von Leonardo da Vinci, sondern die Loire spült neben erstklassigen (schaumlosen) Weinen auch einige sehr schicke Schaumweine hervor. Zum Beispiel den ‘Langlois Crémant de Loire Blanc Brut’ von Langlois-Chateau aus der Nähe von Saumur. Dies ist übrigens kein Verschreiber, sondern beruht auf den Namen der Gründer Edouard Langlois und Jeanne Chateau.
Wie es sich für einen guten Crémant gehört durchlief selbiger natürlich die drei Klassiker der Schaumweinproduktion: Lese von Hand, Flaschengärung und mind. 24 Monate im Keller.
Und dies hat sich gelohnt. Der Langlois ist eine schöne trockene Zuhälterbrause, welche trotzdem mit einer ganz leichten Restsüße glänzt. Angenehm fruchtig, ohne im Mund wie Zahnpasta zu schäumen.
Eine französische Alternative zum deutschen Winzersekt und manch teurerem Landsmann aus Champagne.

[Gefunden bei ... rotweiss. Wein für alle!]

Song zum Wein:
Zazie – ‘Je suis un homme’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

[Hinweis]
Obwohl ich ja kein großer Fan von Gruppenzwangdynamik bin, mache ich hier gerne bei der vom Winzerblog ausgerufenen Weinrallye mit. Da das vom Ausrichter Schreiberswein kreierte Thema “Mit welchem Schaumwein feiert ihr ins neue Jahr?” diesmal wie der Hintern auf den Deckel passt, brauchte ich mich nicht lange zu wehren…

Lübecker Rotspon Trocken [Lass & Steffen]
Montag, 10. Dezember 2007

HL RSPON

Rotspon ist nicht etwa der Linksaußenableger von Spiegel Online. Rotspon ist im Norden, besonders in und um Lübeck ein Begriff für Rotwein. Denn Lübeck ist nicht nur Marzipan, sondern hat auch eine alte Tradition im Weinhandel.
Allerdings ranken sich um das Wort Tradition naturgemäß auch immer eine Menge Geschichten und Geschichtchen um den Lübecker Rotspon. Nur soviel an dieser Stelle, Thomas Mann hat ihn in den ‘Buddenbrooks’ verewigt, Fritz Reuter hat ihn angeblich eher gemocht, Heide Simonis angeblich eher nicht.
Lübecker Rotspon war früher aus Frankreich eingeschleppter Bordeaux, der in Lübeck deponiert und abgefüllt worden ist. Wobei es inzwischen nicht mehr nur Bordeaux sein muss, sondern eigentlich nur noch Frankreich. In diesem Falle ein Vin de Pays des Côtes Catalanes aus Südfrankreich, Made by Lass & Steffen.
Übrigens, so wie sich Renault den Ableger Dacia fürs Grobe hält, hält sich das Weinhandelshaus H. F. von Melle für den Einzelhandel Lass & Steffen.
Und eher grob geht es auch hier los. Die Nase wird zuerst von einem ordentlichen Glühweinaroma erschrocken, welches sich aber schnell verflüchtigt und zu einem, zwar nicht zärtlichen, aber doch zarten Beerenaroma mutiert. Im Mund haben wir dann einen leichten, unspektakulären, aber gar nicht so verkehrten Südfranzosen aus Lübeck. In der Preisklasse kann einem wahrlich schlimmeres passieren und hier säuft man sogar noch etwas hanseatische Tradition.

[Gefunden im… reginonalen Lebensmitteleinzelhandel]

Song zum Wein:
Eels – ‘Tiger in My Tank’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2006 Werderaner Wachtelberg Regent Trocken
Sonntag, 25. November 2007

WWB

Rotwein und Brandenburg klingt wie Gummistiefel und Rio. Muss es aber nicht und falls doch liegt es nicht an Doc Lindicke aus Werder. Obwohl man ihn in der Region Saale/Unstrut ‘versteckte’, hat er aus der Kombination von Regent, Sand und Boden einen sehr ordentlichen Rotwein gebastelt. Gar nicht sauer oder ruppig, sondern ein dunkler, frischer Cassis mit einer Ladung Kirsche. So ganz kommt man um die Obstbautradition eben doch nicht herum.
‘Dit janze’ kommt offenbar so gut an, dass ich diesmal zum Geheimtipp ‘Koofland’ ausweichen musste, um die letzte Flasche ganz hinten, oben im Regal zu ergaunern.

[Gefunden bei… Kaufland, Werder/Havel]

Song zum Wein:
Reinald Grebe – ‘Brandenburg’
Hier reinhören und (diesmal auch) sehen (via YouTube).

Der große Glühweintest
Freitag, 16. November 2007

Alle Jahre wieder läuten Glühweine auf Europaletten noch vor den ersten innerstädtischen Weihnachtsmärkten die Jahresend-Shoppingzeit ein.
Ein Grund mehr sich nach langer Zeit wieder hier damit auseinanderzusetzen. Zeit für den großen Glühweintest.

Glüh 1

Den Anfang macht Omas Glühwein aus der gleichnamigen Bude. Die üblichen Gewürze wie Nelken und Zimt sind zumindest zu erahnen. Zum seniorenfreundlichen Preis, beleidigt er also keinesfalls die Nase. Der Geschmack ist eher süßlich und im Nachhall kann man neben etwas Nelken und Aluminium auch den Hauch einer vollgeschissenen Babywindel erahnen. Was aber schlimmer klingt, als es ist…
Technische Daten: Omas Glühwein; Tetra-Pack; 8,9% Alk; für 89 Cent u.a. erhältlich bei Kaufland.

Glüh 2

Number two ist der Christkindl Glühwein aus Nürnberg. So steht es zumindest auf der Flasche. Hier hat man sich etwas generöser mit den Gewürzen gezeigt. Man vernimmt doch recht deutlich den Einsatz von Zimt und Nelken. Im Geschmack blitzen diese aber nur kurz auf, um sich dann schleunigst aus dem Staub zu machen. So wird man allerdings nicht durch merkwürdige Geschmackserlebnisse verunsichert.
Technische Daten: Christkindl Glühwein; Glühwein-Glasflasche; 8,8% Alk; für 99 Cent u.a. erhältlich bei Lidl.

Glüh 3

Die Biowelle hat inzwischen auch Nürnberg, in Form des Gerstacker Bio Glühwein erreicht. Netterweise erfahren wir hier, dass man sich für die ausschließliche Verwendung eines Montepulciano D’Abruzzo D.O.C. entschieden hat.
In der Nase ist dieser Glühwein näher am Wein als am Glüh. Der etwas modrige Anfangseindruck wird schnell von Nelken überdeckt. Im Mund nicht zu süß, nicht zu gewürzig, aber mit ordentlich Alko-Power. Ein Glühwein mit der Betonung auf der letzten Silbe.
Technische Daten: Gerstacker Bio Glühwein; Glühwein-Glasflasche; 11,4% Alk; für 2,98 Euro u.a. erhältlich bei real.

Glüh 4

Der Christkindles Markt-Glühwein sieht aus wie der Christkindl Glühwein plüs Markt. Immerhin hat man hier nicht nur eine ordentliche Ladung Gewürze, wie Macisblüten, Muskat und Anis zusätzlich reingepackt, sondern überdies ausschließlich Sangiovese I.G.T. aus Italien. Das soll ihn dann „zum beliebtesten Glühwein Deutschlands“ gemacht haben.
Less wäre hier vielleicht etwas more. Sehr gewürzig in Nase und Mund. Ein fast schon überparfümierter Gewürzcocktail.
Der Glühwein ist so süß, dass allein schon der Geruch für Diabetiker eine Gefahr werden könnte. Aber wer’s mag…
Technische Daten: Christkindles Markt-Glühwein; Glühwein-Glasflasche; 9,8% Alk; für 1,49 Euro u.a. erhältlich bei real.

Glüh 5

Der Zonen-Martini-Hersteller Gothano ist im Ostteil des Landes fast jedem ein Begriff. Ein Grund mehr dem Thüringer Glühwein aus gleichem Hause auf den Zahn zu fühlen. Im Vergleich zum Franken wird hier nicht mit Gewürzen um sich geworfen. Zucker, Zimt, Nelken und Teile von Südfrüchten sollen hier genügen. Und tatsächlich hält sich der Thüringer ziemlich zurück. Eine, im Vergleich zum Christkindles Markt-Glühwein, eher herbe, leicht bittere Geschichte, bei der alle auf ihre Kosten kommen, die es etwas dezenter mögen.
Technische Daten: Gothano Thüringer Glühwein; Glühwein-Glasflasche; 9,5% Alk; für 1,49 Euro u.a. erhältlich bei Kaufland (in Neufünfland).

Glüh 6

Last but not least. Der Vin Glögg. Der Kenner weiß, der kann nur aus Schweden kommen. Besser gesagt, vom ‘freundlichen’ schwedischen Möbeldiscounter. Und so wie dieser ist auch der Glögg etwas spezieller. Exotischere Zutaten wie Ingvar Ingwer sorgen neben oblogtorischen Zimt und Nelken, für ein eher eukalyptusartiges Geruchserlebnis. Das hat man auch im Mund, wobei man hier offenbar auf Nummer sicher gehen wollte und sehr kräftig den Zuckerhahn aufgedreht hat. Bei 12 % Alkohol ist also für ordentlich runde Füße auf dem Heimweg gesorgt.
Technische Daten: Snälleröds Vin Glögg; Glasflasche; 12% Alk; für 2,95 Euro erhältlich bei IKEA.

2004 ‘Why Thai’ Chenin Blanc
Mittwoch, 7. November 2007

Waitai

Ja, dass (Wein-)Leben ist manchmal ungerecht. Erst muss man beim ‘China-Man’, im Regal unter subtropischen Temperaturen, auch noch zwischen Fangwo Pflaumenwein und Dornfelder Lieblich ausharren und dann landet man hier um verrissen zu werden.
Ganz so schlimm ist es aber dann doch nicht. Immerhin durfte der Why Thai in Obhut von Mr. Fridge, vermutlich das erste Mal in seinem Leben, Temperaturen von unter zehn Grad Celsius genießen.
Denn der zarte Duft von vergorenen vergammelten Pflaumen, der einem beim Öffnen der Flasche empfing, könnte durchaus oben genanntem Temperatur-Dilemma geschuldet sein.
Ansonsten, wenn die Erwartungen bei null liegen, schmeckt der Thai recht frisch und erfreulich trocken. Allerdings tendiert er geschmacklich eher zur Pflaume, als zur Traube. Auch der zackige Lychee-Geschmack beleibt im Gaumen viele Wochen Minuten erhalten. Da kann er doch nicht aus seiner Haut und seine Herkunft nicht verleugnen. Gut, das könnte man ja auch Terroir nennen.
Why Thai? Why not. Zu in Fett frittierten, glutamathaltigen Gemüseteig-Röllchen eine überdenkenswerte Alternative zu einem lieblichen Dornfelder.

[Gefunden bei… Saigon Minimarkt, Dresden*]

Song zum Wein:
Miss Li – ‘Oh Boy’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

*Und vermutlich jedem Asiamarkt.

2004 Douro DOC [Quinta da Covada]
Freitag, 2. November 2007

DO.

Schöne, ungefilterte Tinte mit einem recht rauen Touch aus Back(?)pflaumen und Früchten. 60% Tinta França, 20% Tinta Roriz, 20% Tinta Barroca. Ein Wein für Jungs mit einem Pferd unter dem Arsch.
Es sieht so aus, als ob der ‘Fabelhaft‘ einen Bruder bekommen hätte. Bliebe nur die Frage ob einen größeren oder gar einen großen…

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Beastie Boys – ‘Sabotage’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2004 Oppidom [Les Trois Tomates]
Donnerstag, 11. Oktober 2007

Oppi

Opi…was?! Oppidom. Klingt wie eine Droge und ist ehrlich gesagt auch eine.
Warum? Weil: Von ziemlich alten Rebstöcken gezupfte Syrah, Grenache und Cabernet Sauvignon, dazu ein Paar Lederhandschuhe, eine Tüte Haribo-Lakritz, eine Vanille-Schote, einmal umrühren und 18 Monate in ein Fass packen. Fertig.
Aber, bei knapp 20 Euro für nullkommafünf Liter teilt man nicht. Das ist eindeutig ein Alleintrink-Wein für kalte Winterabende, z.B. wenn die Mittrinkerin beim Sport ist.
Also, nicht vergessen gut hinter sich abzuschließen und dran denken: Oppidum bedeutet auf auch lateinisch Befestigung.
Übrigens, ursprünglich sollte das Zeug ‘Opidum’ heißen. Dummerweise war ein Winzerkollege mit den Namensrechten wohl etwas schneller. Darum heißt der Oppidom zur Sicherheit inzwischen auch mal Opppidom mit 3p.

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Rödelheim Hartreim Projekt (3p) – ‘Höha, Schnella, Weita’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2003 Château Cambon La Pelouse
Montag, 8. Oktober 2007

Chat Pelou

Was braucht man wenn draußen die Blätter fallen und es nass und saukalt ist? Solch ein kleines Schweinchen von einem ‘Château’!
Sehr bordeauxig, aber nicht zu fruchtig, fast elegant und hinten heraus richtig schön furztrocken. Nicht zu billig und (gerade noch) nicht zu teuer.
Und dann ist es auch völlig Wurscht, ob da jemand ankommt und sagt, dass der ja eigentlich noch ein paar Jahre liegen müsste könnte.

[Gefunden bei… Karstadt Dresden.]

Song zum Wein:
Soko – ‘I’ll Kill Her’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2006 Gewürztraminer [Klaus Zimmerling]
Montag, 17. September 2007

KLZGT

Klaus Zimmerling ist bekanntlich ein Meiser des Verzichts. Dass er sich niemals irgendwo angestellt hat, wenn es ein Prädikat zu vergeben war, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Die Angabe ‘Sächsischer Landwein’ muss genügen. Ebenso, dass bei ihm zwar immer Bio drin ist, aber niemals drauf steht. Unnötige Verkaufsförderungsmaßnahmen für Weine, die sich wie geschnitten Brot verkaufen. Dass er auch auf eine eigene Website verzichtet, ist dann nur konsequent.
Konsequent wie der aktuelle Gewürztraminer. Es ist phantastisch wie es Zimmerling immer wieder gelingt ganze duftende Blumenwiesen auch in diesen Wein einzubauen ohne dem Gewürztraminer seinen typischen zart-süßlichen ‘Omawein’-Charme auszutreiben. Chapeau!
Punkt.

[Gefunden im… Weingut Klaus Zimmerling.]

Song zum Wein:
The Searchers – ‘Sugar and Spice’
Reinhören (und wie?) bei:
The Searchers - Sugar and Spice - Sugar and Spice

2003 Saalhäuser Blauer Zweigelt [Kloster Pforta]
Freitag, 7. September 2007

SHBZ03

Einen (Prämien-)Preis auf die Flasche zu pappen ist ja an sich nichts Besonderes. Es ist eine gern genutzte Verkaufsförderungsmaßnahme, sich mit einer güldenen oder silbernen Plakette zu schmücken. Ein bronzener Aufkleber hat zwar schon etwas von Trostpreis, aber sei’s drum. Preis ist Preis und Bronzener Preis DLG-Prämierung 2005 ist DLG-Prämierung.
Trotz keiner wirklichen Reinfälle (bisher), wage ich mich an rote „Saale-Unstruter“ immer noch etwas vorsichtig, mit leicht zugekniffenen Sinnesorganen heran.
Und wieder mal vollkommen zu unrecht. Der Zweigelt ist genauso wie man ihn erwarten darf. Rund, aber nicht fett. Fruchtig, aber keine Marmelade. Ein paar Erdbeeren mit einem Schuss Cassis, eingetaucht in etwas Suppengemüse.
Aber, ja aber beim Barrique hat man es etwas zu gut gemeint. Die Vanilleschote macht sich zwar nach einiger Zeit zur Tür heraus, aber wirklich los wird man sie nicht. Möglicherweise hätte weniger Barrique mehr und eine bessere Plakette bedeuten können. Obwohl es darauf eigentlich gar nicht ankommt…
Ach und der Preis, knapp 20 Euro finde ich trotz Barrique, Terroir und fetten Sympathiepunkt wieder mal ziemlich sportlich. Hmm?!

[Gefunden im… Landesweingut Kloster Pforta]

Song zum Wein:
Guns N’ Roses – ‘Knockin’ on Heaven’s Door’
Reinhören (und wie?) bei:
Guns N' Roses - Guns N' Roses: Greatest Hits - Knockin' on Heaven's Door

2006 Grüne Hölle [rotweiss]
Sonntag, 19. August 2007

GreenHell

Wenn sich ein Wein ‘Grüne Hölle’ nennt und auf seinem Etikett eine große Zündkerze trägt, ist es auf den ersten Blick… ähmmm… merkwürdig.
Der Namensgeber ist hier weder ein Wolle Petry-Fanclub, noch irgendein Opel Tuningtreffen, sondern die Nordschleife des Nürburgrings. Der Rennfahrer Jackie Stewart hat die durch dichte Hecken gesäumte Rennbahn dazumal nämlich als ‘Grüne Hölle’ bezeichnet.
Glücklicherweise jagt der Mix aus Elbling und Silvaner seinem Namen nicht zu weit hinterher. Er ist zwar nicht die (Wahnsinns-)Hölle, aber bestimmt auch nicht grün hinter den Ohren.
Ein süffiger, unkomplizierter, frischfruchtiger Partywein der besten Sorte, der interessanterweise von einem leichten Himbeeraroma umgeben ist. Für fünfsiebzich der Liter, inklusive Schrauber UND schicker Verpackung. Da lohnt es sich durchaus ein paar Runden früher in die Boxengasse zu fahren. To be fast and be furios…

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Wolfgang Petry – ‘Wahnsinn’
Reinhören (und wie?) bei:
Wolfgang Petry - 30 Jahre - Wahnsinn

2004 Pesquera Crianza [Tinto Pesquera]
Freitag, 17. August 2007

PC.

Die Flaschen von Alejandro Fernandez haben immer etwas sehr sehr sehr barockiges. Ein Prunk in Hülle und Fülle, der einem gehörig um die Ohren gehauen wird. Dadurch benötigt man allerdings nur wenige Sekunden um einen Pesquera in einer raumfüllenden Weinregal-Wand zu entdecken.
Etwas länger braucht man aber um das Geld für einen Pesquera zu sparen. Seit Robert Parker die Weine von Fernandez für sich entdeckt hat darf man gelegentlich schon mal dreistellige Beträge auf den Tisch legen.
An den kleinen Mann/Frau ist aber auch gedacht, statt Reserva, Gran Reserva oder Janus Gran Reserva kann er/sie zum Crianza greifen. Allerdings sollte man auch hier nicht zu kleine Taschen haben, denn fast 20 Euro sind trotzdem hinzublättern.
Lohnt sich die Investition? Hmm… Er ist schon eine Brumme, 100% Tempranillo die 18 Monate in amerikanischer Eiche vor sich hin geruht haben. Das ergibt dann ein süßkirschiges Beerenaroma, welches einen aber nicht erschlägt. Glücklicherweise, denn sonst ist die Sache schon schwer genug. Dafür gibt es ein kurzes Pelzmäntelchen, eine schöne spannisse Säure und nixxe Pudding. Auch nixxe Vanillepudding, was man bei dem Parker-Lob und der Eiche hätte befürchten können. Ich denke es könnte sich lohnen, mal eine Flasche in den Keller zu packen. Da könnte noch was gehen.
Fazit: Gut, man hat nicht das Gefühl sofort zur nächsten Kirche rennen zu müssen um dem Pesquera eine Kerze anzünden, eine Wunderkerze im Wohnzimmer würde es auch tun. Aber, isse gut.

[Gefunden bei… Gourmétage, Erfurt]

Song zum Wein:
Mecano – ‘Hijo de la Luna’
Reinhören (und wie?) bei:
Mecano - Ana, José, Nacho - Hijo de la Luna

2005 Saalhäuser Weißer Burgunder Spätlese [Kloster Pforta]
Montag, 30. Juli 2007

Saalhäuser WB.

Sollte man über eine etwas dickere Brieftasche und Kinder verfügen, die nicht durch zu viel Privat-TV-Konsum an Intellekt eingebüßt haben, könnte man seinen Nachwuchs ja an die Landesschule Pforta in die Nähe von Naumburg schicken.
Dort vertrieben sich schließlich auch schon der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock oder die Philosophen Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Nietzsche ihre Schulzeit.
Für Weinfreunde könnte sich dann ein Besuch bei den Kindern sogar doppelt lohnen, denn am selben Ort hat nicht nur die Schule, sondern auch das Landesweingut Kloster Pforta seinen Sitz.
Und genau von dort kommt dieser Weiße Burgunder, dem wir uns doch gleich einmal zugewendet haben. Über dem Glas schwebt ein schönes Pfirsich-Aroma. Nicht aufgesetzt, aber mit einer recht typischen Saale-Unstrut-Säure. Dazu sehr sauber und sogar etwas cremig.
Der Preis von knapp über 10 Euro geht in Ordnung, ist aber doch kein Schnäppchen.
Alles in allem liegt der Saalhäuser Weißer Burgunder vielleicht nicht ganz auf dem Niveau der Winzerkollegen Pawis oder Gussek, ist aber um Längen besser als vieles von der Winzergenossenschaft im nahen Freyburg an der Unstrut.

[Gefunden im… Landesweingut Kloster Pforta]

Song zum Wein:
Alice Cooper – ‘School’s Out’
Reinhören (und wie?) bei:
Alice Cooper - A Fistful of Alice - School's Out

2005 Riesling ‘Göcklinger Kaiserberg’ [Weingut Hoffmann]
Samstag, 14. Juli 2007

Biodings.

Ich weiß, im Supermarkt sollte man keinen Wein kaufen. Aber wenn es doch so praktisch ist!? Und wenn er, so wie dieser, ein schönes Etikett hat!? (Man denke an meine Regel: Engagement bei der Verpackung, ist oft gleich Engagement beim Inhalt) Dazu ist er auch noch voll Bio, vom günstigen (aber nicht Schleuder-) Preis ganz zu schweigen. Da kann man doch nichts falsch machen. Kann man nicht? Kann man doch!
Ich lese von ‘unverwechselbaren Aromen’ und rieche ganz hinten in der Ecke einen leeren Pfirsichkarton, der offenbar bei der letzten Inventur vergessen wurde. Ebenso beim Geschmack, der wohl eher in die Richtung Weinschorle geht. Das war es dann auch schon.
So ist er zwar nicht wirklich genieß-, aber doch wenigstens trinkbar. Richtig kalt, bei +35 Grad Außentemperatur, im Bierzelt zum 30-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr, geht der Riesling gerade noch durch.
Natürlich kann man bei einem Preis um die fünf Euro nicht viel erwarten, aber nicht viel ist doch etwas zu wenig…

[Gefunden bei… Marktkauf, Dresden]

Song zum Wein:
The Waterboys – ‘This Is The Sea’
Reinhören (und wie?) bei:
The Waterboys - This Is The Sea - This Is The Sea

2005 Bacchus Dry [Camel Valley Vineyard]
Sonntag, 17. Juni 2007

BD.

Cornwall bietet nicht nur Landschaft, sondern auch erlesenen Geschmack. Auch wenn man dies nach Werken aus Rosamunde Pilchers schwülstig-trivialer Feder nicht erwarten würde.
Wein zum Beispiel. Bevor jetzt wieder die obligatorischen ‘England-Und-Essen-Hahaha’-Witzchen losbrechen, es gibt dort sehr respektablen Wein.
Die Camel Valley Vineyard der Familie Lindo hat sich in England den Ruf eines exzellenten Sekterzeugers erarbeitet.
In dessen Fahrwasser segeln aber auch einige Weißweine, wie der Bacchus, den die Sunday Times schon als ‘England’s answer to Sancerre’ sieht.
Dem Bacchus Dry fehlt es zwar naturgemäß an Säure, was mancher aber durchaus nicht als Nachteil bezeichnen würde. Dafür glänzt er mit einem schönen und fruchtigen Aroma, welches ich jetzt mal als Kiwi-Stachelbeere festlege. Sehr frisch und gar nicht kratzbürstig. Ein schöner Wein, besonders für warme Tage, dem das Prädikat einfacher Zechwein, unrecht tun würde. Der Bacchus mag ein Exot sein, aber mit Sicherheit kein Freak.

[Gefunden im… Camel Valley Vineyard, Bodmin]

Song zum Wein:
The Clash – ‘London Calling’
Reinhören (und wie?) bei:
The Clash - The Essential Clash - London Calling

Ein besonderer Dank geht an unsere England-Expertin Ms. H., ohne deren selbstloses Engagement dieses Tasting nicht möglich gewesen wäre.

2005 Fabelhaft [Niepoort (Vinhos) S.A.]
Dienstag, 5. Juni 2007

FabelH.

Fabelhaft. Ständig (gefühlt) stolpert man über den Fabelhaft. Doch, Portugal ist im kommen und der Fabelhaft marschiert vorneweg.
Die Niepoorts haben es damit recht einfach, denn als weltweit bekannte Portwein-Dynastie braucht man Türen nicht einzulaufen, die einem sowieso schon offen stehen.
Trotzdem hat man sich Mühe gegeben und der Flasche von Alessandri Design ein schickes Etikett umbinden lassen. So kann man sich mit Wilhelm Buschs Hans Huckebein beim Trinken die Zeit vertreiben.
Da man aber möglicherweise befürchtet hat, dass Holländer, Norweger oder Finnen an Huckebein nicht die gleiche Freude haben, wie Deutsche, Österreicher oder Schweizer, hat man für diese Märkte Bildergeschichten von regionalen Zeichnern und Illustratoren verwendet. Fertig ist der Markenwein der besseren Art. Ich frage mich allerdings nur, ob man bei einem alteingesessenen Haus wie Niepoort, sich nicht der eigenen portugiesischen Tradition hätte bedienen können. Trotzdem, schick gemacht.
Ach, der Wein. Schön frisch, sauber und leicht mineralisch. Ordentlich rote Beeren ohne wie Marmelade zu wirken. Ziemlich straight, mir etwas eindimensional. Aber, ein schöner daily wine.

[Gefunden bei… Karstadt, Dresden.]

Song zum Wein:
Franz Ferdinand – ‘Fabulously Lazy’
Reinhören (und wie?) bei:
Franz Ferdinand - Do You Want To - EP - Fabulously Lazy

2004 Schloss Proschwitz Spätburgunder Trocken [Weingut Prinz zu Lippe]
Dienstag, 22. Mai 2007

Proschwitz Spät

Es dürfte einfacher sein einen bloggenden Winzer zu finden, als einen sächsischen Wein. Letzteres gilt zumindest für alle Gegenden außerhalb Sachsens, in denen es an gut sortierten Weinhändlern mangelt. Und gilt dies für die sächsischen Weißweine im Allgemeinen und die sächsischen Rotweine im Besonderen. Es dürfte inzwischen leichter sein auf einen Château Mouton-Rothschild zu treffen, als auf einen roten Sachsen.
Und dies wird wohl auch nicht besser werden. Denn so langsam spricht es sich herum, dass es unter den sächsischen Rotweinen so manches Schätzchen gibt. So wie der hier, der Spätburgunder vom Schloss Proschwitz.
Ein kirsch-fruchtiger Wein, bei dem das Barrique schön dezent im Hintergrund bleibt. Nach einer ordentlichen Dosis Luft, entwickelt sich das ganz in Richtung Cassis und bleibt dabei kräftig, ohne angestrengt zu wirken.
Ich schließe mich da mal Mr. Johnson an: ‘Offene, süße Frucht, saftig und komplex. Very easy to enjoy.’ Respek, Brotha!
Der Preis von 22 Euro ab Weingut ist zwar trotzdem kein Schnäppchen, aber Schätzchen gibt es wohl doch nicht auf dem Wühltisch. Blöd nur, wenn das Weingut ratzekahl leer gekauft ist und einem nur noch so etwas wie, die mit dem Spätburgunder gut bestückte, Gourmet-Abteilung von Karstadt in Dresden bleibt. Und die wissen anscheinend um des Spätburgunders Qualitäten und haben offenbar bei der Preisgestaltung alle Hemmungen verloren, sodass man (Achtung! Stark dramatisiert!) ganz weit am Horizont schon die 30 Euro-Marke durchschimmern sieht.
Und sowas tut dann schon sehr weh …

[Gefunden bei… Karstadt, Dresden.]

Song zum Wein:
Prince – ‘Sexy M.F.’
Reinhören (und wie?) bei:
Prince - Prince - Sexy M.F.

2005 TRIE rot [Günter & Regina Triebaumer]
Mittwoch, 2. Mai 2007

Trie.

Ach wie schön! Ein Wein, der äußerst schick verpackt ist und auch noch farblich sehr gut zum Weincasting-Layout passt.
Aber ok, dass ist natürlich Geschmacksache.
Apropos Geschmacksache, wir haben hier einen mit St. Laurent und Cabernet Sauvignon getunten Zweigelt, mit einer recht fruchtigen Nase.
Im Mund ist das alles dann deutlich flacher, geht aber als recht süffiger Einsteiger ohne Probleme durch. Es lohnt sich sogar etwas Luft ran zu lassen. Ich hatte den Eindruck, dass dies den ‘TRIE’ noch etwas nach vorne pushen kann.
Würde ich als etwas sexiererererers Pendant zum ‘großen’ Heinrich red sehen… Vielleicht nicht beim Preis, aber ein ‘klitzkleinbüsch’n’ beim Inhalt und vor allem bei der Verpackung. Na denn, Prost. Mahlzeit.

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Massive Attack – ‘Three’
Reinhören (und wie?) bei:
Massive Attack - Protection - Three

2004 Spätburgunder M [Markus Schneider]
Donnerstag, 19. April 2007

M.

Das ‘M’ im Spätburgunder M könnte für vieles stehen: Für M… arkus Schneider, für M… iddle class, er liegt preislich so ziemlich in der M… itte zwischen Steinsatz und Einzelstück, sowie Ursprung und Black Print.
Egal.
Der ‘M’ ist ein richtig eleganter und geschmeidiger Rotwein mit einer schönen Kirsch-Johannisbeernote. Ja, und leicht isser… Jedenfalls für einen Schneider-Wein. Eignet sich dadurch als hervorragende Sommer-Alternative zu den Wuchtbrummen Einzelstück oder Steinsatz… sofern man das Glück hatte, selbige zu ergattern und in den Keller packen zu können.
Eines verstehe ich allerdings nicht, angeblich bezeichnet Markus Schneider den ‘M’ als ‘Rowdy’. Den hab ich natürlich eifrig gesucht, aber nicht gefunden.
Gut möglich, dass wir unterschiedliche Vorstellungen von Rowdies haben. Die beschauliche Pfalz ist ja auch nicht der ‘wilde Osten’…

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Peter, Bjorn and John – ‘Young Folks’
Reinhören (und wie?) bei:
Peter, Bjorn and John - Writer's Block - Young Folks

2003 ‘African Star’ Shiraz/Pinotage [Stellar Winery]
Sonntag, 25. März 2007

AStar 03

Ganz nett sieht er ja aus, der ‘African Star’. Dazu kommt noch ‘Bio‘, ‘Fairtrade‘ („Wir unterstützen mit dem Verkauf dieses Weines das Projekt ‚Organic Gardening’ in Südafrika“) und ein Preis der knapp die fünf Euro Marke gerissen hat. Geht das auf?
Jein.
Der rote Afrikaner ist mit seiner recht flachen Fruchtigkeit eher am Pinotage als am Shiraz und auch sonst recht schlicht, aber gut trinkbar.
Im Supermarkt braucht er sich sicherlich nicht zu verstecken, für höhere Weihen fehlt aber noch einiges an Charakter.
Wer im Supermarkt gerne ein gutes Gefühl hat, kann also beruhigt zugreifen… viel beruhigter als beim Österreicher aus dem gleichen Regal.

[Gefunden bei… tegut…]

Song zum Wein:
Jonathan Butler – ‘African Moon’
Reinhören (und wie?) bei:
Jonathan Butler - Surrender - African Moon

2005 Blauer Zweigelt [biokult®]
Montag, 5. März 2007

biokult blauer zweigelt

Gut, von einem Zweigelt sollte man nicht soooo viel erwarten. Aber einigen Winzern im Burgenland gelingen aus der Kreuzung von St. Laurent und Blaufränkischen durchaus schnuckelige Alltagsweine.
Warum sollte so was nicht auch in Verbindung mit ‘Bio’ seinen Einzug ins Supermarktregal finden?
Biokult® aus dem Burgenland jedenfalls, bietet diese Kombination in ausgewählten Supermärkten, wie denen von tegut… an.
Preis und Verpackung gefallen ganz gut, obwohl das Design, denkt man sich die Weinflasche mal weg, näher am Fruchtsaft als am Wein ist.
Auch der Inhalt haut in diese Kerbe. Ganz ok passabel ‘nett’ dieser Zweigelt, trotzdem ist er eine ziemlich flache und dünne Angelegenheit. ‘Eine fruchtige Fülle mit samtiger Tanninstruktur’ habe ich jedenfalls nicht gefunden.
Liebe Freunde von biokult®, es genügt eben nicht das Wort ‘Bio’ gefühlte 20-mal auf die Flasche zu pappen. Der Wein mag ja ‘Bio’ sein, Kult ist er deswegen noch lange nicht.
Das können andere, ebenfalls nach biologischen Methoden arbeitende Erzeuger wesentlich besser, und auf deren Flaschen taucht der Name ‘Bio’ wenig, bis gar nicht auf.

[Gefunden bei… tegut...]

Song zum Wein:
AIR – ‘Biological’
Reinhören (und wie?) bei:
AIR - Talkie Walkie - Biological

2005 Clos de los Siete [Michel Rolland]
Freitag, 23. Februar 2007

CdlS 05

Der Clos de los Siete ist ein ehrliches Schnäppchen. Ehrlich, weil sonst nie Michel Rolland draufsteht, wo Michel Rolland drin ist. Ein Schnäppchen, weil die ganzen Châteaux und Châteauxchen in denen sonst viel von Monsieur Rolland anzutreffen ist, ein vielfaches von dem kosten, was für den Clos de los Siete auf den Tisch zu legen ist.
Ein Sparwein ist das ganze aber beileibe nicht. Hier wurde solange Cabernet Sauvignon, Malbec, Merlot und Syrah zusammengemixt, bis nicht nur eine fette rote… schwarze Farbe raus gekommen ist, sondern eine runde und dichte Wuchtbrumme mit den obligatorischen Lakritzaromen, dunklen Beeren und einer Menge an rauchigem Holz.
Doch, ein mehr als trinkbarer Wein, für den ‘Star-Önologen Michel Rolland’ ist das ja wohl das Mindeste was man erwarten darf.
Ein Wein, der offenbar so nah am Geschmack von Robert Parker segelt, dass dieser wohl nicht die geringsten Hemmungen hatte für den guten Freund und seinen Argentinier 90 Punkte locker zu machen.
Und für alle Nachtrinker eine frohe Botschaft: mit diesem Wein ist das ein easy way. Ihn gibt es praktisch an jeder gut sortierten (Wein)hausecke. Ob Kartstadt oder Kaufhof, gibt es eine Weinabteilung, gibt es auch den Clos de los Siete. Na denn…

[Gefunden bei… Galeria Kaufhof, Leipzig]

Song zum Wein:
Bloc Party – ‘The Prayer’
Reinhören (und wie?) bei:
Bloc Party - A Weekend In the City - The Prayer

2004 Liebfraumilch Lieblich [Thomas Rath Collection]
Samstag, 17. Februar 2007

Liebes Frauchen.

Man kennt das ja, wenn man beim Pizzaservice eine entsprechend große Order aufgibt, kommt man in den Genuss der zur Zeit stattfindenden, aber eigentlich immer gültigen ‘Aktiooon’. Diese beinhaltet aber leider nie etwas von Ben & Jerry’s, sondern im besten Fall Pizzabrö… Pizzarolls, meistens aber eine Flasche (Billig-)Lambrusco. Da sich dem bewussten Weintrinker allein schon beim Namen wirklich alles zusammenzieht, weißt man die angebotene ‘Aktiooon’ freundlich zurück.
Um dann bei der Lieferung, als Überraschung, eine Flasche ‘Liebfraumilch’ überreicht zu bekommen. Aja.
Was mir aber die Gelegenheit gibt, dieses Phänomen mal unter die Lupe zu nehmen.
Also, auch gut gekühlt zeigt sich hier mal wieder, dass der Begriff ‘Qualitätswein’ eine Kundenverarsche par excellence ist. Daser Bouquet Geruch ist schwer zu definieren, etwas Kratziges mit einem Hauch Frucht am fernen, fernen Horizont.
Der erste Schluck ist eigentlich ganz ok, geht in die Richtung ruppig-süßer Apfelwein. Kippt aber nach einer Sekunde in Richtung Frostschutzmittel mit bitter-süßem Nachgeschmack, mit Betonung auf bitter. Den man dazu nicht mehr los bekommt…
Darum kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man dafür seinen Namen nicht hergeben will und sich hinter der Abfüller-Nummer D-RP 342 899 versteckt.
So, ich muss dann erstmal meinen Mund ausspülen gehen…

[Gefunden bei... durch Pizzaland Dresden]

Song zum Wein:
Die Flippers – ‘Weine nicht kleine Eva’
Reinhören (und wie?) bei:
Die Flippers - Die Flippers: Die größten Hits - Weine nicht kleine Eva

2004 Roter Renner [Weingut Renner]
Mittwoch, 14. Februar 2007

Red Racer.

Die Idee ist zwar nicht neu, aber darum nicht unbedingt schlecht: Einen Einsteigerwein zu kreieren, ihn ‘modern’ und gaumengefällig auszubauen und natürlich schick zu verpacken. Das hat schon beim Heinrich, mit dem ‘red‘ exzellent funktioniert.
Auch der ‘rote Renner’ hat diese Gene in sich. Ganz trendy, rund und saftig, mit einer fetten Marmeladennote. Allerdings hat man es vielleicht etwas zu gut gemeint. Diese Kombination in Verbindung mit ganz ganz viel Barrique machen ihn so amerikanisch, dass man ihn auch ‚A red racer’ nennen könnte. Da wäre mir etwas weniger Ressourceneinsatz lieber gewesen.
Als daily wine für amerikofile Weintrinker geht er trotzdem absolut ok.
Aber außer beim Wein, hat man sich wohl auch beim Outfit anderswo stark inspirieren lassen. Dieser, auf das Etikett hingespritzte Renner, der doch eher ein Jumper ist, kam mir doch gleich bekannt vor.
ball spülln...
Abb. © Hesse Design

Hier hat man sich aber ganz intensiv den Beitrag von Hesse Design zur Aktion 11 Designer gekl angesehen.
Na, wenn das mal gut geht…

[Gefunden bei... Galeria Kaufhof, Leipzig]

Song zum Wein:
A Flock Of Seagulls – ‘I Ran (So Far Away)’
Reinhören (und wie?) bei:
A Flock of Seagulls - I Ran (So Far Away) - I Ran (So Far Away)

[Nachtrag]
Ah… wie ich auf der Website von Renner’s Helmut gerade gesehen habe, ist das mit der Inspiration wohl nicht nur mir aufgefallen. Offenbar hat man den Stift noch mal angesetzt. Besser ist es dadurch aber nicht gerade geworden…


2005 Weißburgunder Trocken [Schloss Wackerbarth]
Samstag, 3. Februar 2007

Wackerbarth WBSchloss Wackerbarth, gemeint ist das Weingut zum Schloss Wackerbarth, welches seinerseits das Schloss zum allgegenwärtigen Belvedere ist. Jenem ‘Gebäude auf einem Aussichtspunkt’, welches so klischeehaft malerisch im Weinberg gelegen ist, dass es folgerichtig u.a. auf Publikationen und dem Onlineauftritt des deutschen Weininstitutes auftauchen muss.Aber Schloss Wackerbarth ist auch ‘das erste Erlebnisweingut Europas, das sich der 800-jährigen sächsischen Weinbautradition genauso verschrieben hat wie dem zeitgemäßen Genuss mit allen Sinnen’.Was auf jeden Fall schon mal für die Etiketten zutrifft, welche – neben Klaus Zimmerling – die angenehmsten weit und breit in Sachsen und darüber hinaus sein dürften.Auch dieser Weißburgunder ist nicht einer der schlechtesten. Ein leichtes und frisches Aroma von Birne und Apfel, klar und sauber. Dazu vielleicht noch ein klitzekleiner Hauch von Wallnüssen.Allerdings ist er doch etwas ‚dünn’ und zurückhaltend. Etwas mehr Power, passend zum Umfeld, könnte da nicht schaden. Diese Power hat er ausgerechnet im Preis. Der geht hier (am unteren €€€-Ende) aber geraaade noch so in Ordnung. Das Ambiente muss halt mit entlohnt werden.[Gefunden im... Weingut Schloss Wackerbarth. Ist aber auch im gut sortierten Einzelhandel der Region desöfteren anzutreffen.]Song zum Wein:Lenny Kravitz – ‘Thin Ice’Reinhören (und wie?) bei:Lenny Kravitz - Circus - Thin Ice

2005 Sauvignon Blanc [Weingut Markowitsch]
Mittwoch, 31. Januar 2007

Sauvignon B.

Ich werde das Gefühl nicht los, etwas Grünes vor mir zu haben. Einen grünen Wein oder bestenfalls einen grünen Veltliner. Aber gut, es ist ja auch nicht ganz einfach. Wie soll man ein klares Erscheinungsbild in seine Kollektion bringen?
Bei Rotweinen hatten es die Markowitschs noch recht einfach, rot und weiß. Aber bei Weißweinen? Etwa weiß und weiß? Á la Otto Waalkes ostfriesischer Nationalflagge ‚weißer Adler auf weißem Grund’?
In dem Falle geht grün und weiß schon in Ordnung und Grün habe ich dann auch in der Nase. Ein Hauch von grünem Apfel und einer Blümchenwiese. Im Mund eine schöne frische Melone und… tja… und… ich kann mich nicht erinnern.
Nach zwei Tagen ist es weg. Und das ist auch irgendwie der Charakter dieses Sauvignon Blanc, ein schöner Wein der weder einen besonders eindrucksvollen, noch einen negativen Eindruck hinterlässt. Und das ist ja eigentlich nicht mal sooo schlecht… ein Elevator Music… Easy Listening-Wein.

[Gefunden bei... Gourmétage, Erfurt]

Song zum Wein:
Gilbert Bécaud – ‘Le bateau blanc’
Reinhören (und wie?) bei:
Gilbert Bécaud - Le bateau blanc - Le bateau blanc

2002 Cardinal Zin [Bonny Doon]
Mittwoch, 24. Januar 2007

Zin.

Ja, da kommen schon ein paar Sachen zusammen. Das schicke Etikett von Ralph Steadman, der sehr sehr sehr coole Name und ein Rotwein mit Schraubverschluss.
Das Teufelszeug ist ein Zinfandel vom, mir nicht gerade unsymphatischen Randall Grahm. Da muss man dann schon einen Amerikaner erwarten, der… Natürlich, in der Nase Frucht und ein Hauch von Vanille, aber echte Vanille und – eben – nur ein Hauch. Im Mund dunkle, sehr dunkle Fruchte. Alles schön rund and a little schokofruchtig… Ich sagte doch Amerikaner, der allerdings auch eine Menge Luft zum Atmen braucht.
Doch, ein netter Wein, bei dem ich nur ein Problem habe. Der Preis. Auch wenn man Dinge wie Entfernung Germany-California, kleiner Händler, die Kohle für Steadman (Gut, die zahlt ja nicht der Händler. Streichen wir das.), Symphatiebonus von mir, usw. mal mitrechnet, ist die Preisgestaltung von Wein und Feines… naja, ziemlich sportlich. Im Vergleich zu manchen… ähh… Wettbewerbern.
Aber gut, Mr. Grahm hat den ‘Zin’ inzwischen ja vertickt. Und ob, und wenn, und was dann kommt, werden wir sehen…

[Gefunden bei… Wein & Feines, Leipzig.]

Song zum Wein:
Pet Shop Boys – ‘It’s a Sin’
Reinhören (und wie?) bei:
Pet Shop Boys - PopArt - The Hits - It's a Sin

2004 ‘Kugelspiel’ Silvaner Trocken [Castell]
Montag, 15. Januar 2007

Kugelspiel.

Wir lesen: Kugelspiel – Der Büchsenknall auf der Jagd im angrenzenden Wald fand hier ein besonderes deutliches Echo…
In der Flasche??? Ähmmm, was wollen sie uns damit sagen?
Egal, der Text ist so zart auf dem Etikett abgedruckt, dass ich schon meine – noch nicht vorhandene – Lesebrille bemühen müsste. Halten wir uns also an die Fakten.
Dem Fürstlich Castell´sches Domänenamt ist ein recht schicker Silvaner gelungen. Ein Aroma-MixSpiel von Apfel bis Melone, duftig, schlank und gerade. Vielleicht etwas zu schlank, aber ein schöner Wein für jeden Tag und für alle, denen die Franken sonst zu fränkisch sind…

[Gefunden bei… Karstadt, Nürnberg.]

Song zum Wein:
Chef – ‘Chocolate Salty Balls’
Reinhören (und wie?) bei:
South Park - Chef Aid - The South Park Album - Chocolate Salty Balls (P.S. I Love You)

2004 Einzelstück Rotwein [Markus Schneider]
Sonntag, 31. Dezember 2006

Einzelstück

Ich werde auf Weincasting das Jahr 2006 doch nicht etwa mit einem Supermarktwein verabschieden?!
Natürlich nicht. Diese Ehre gebührt selbstverständlich etwas richtig schickem, etwas von Markus Schneider.
Und zwar seinem alten Sack in Designer-Trainingsanzug und Zehnkämpfer-Form, dem Einzelstück.
Während der Steinsatz die Queen im Portfolio von Schneider ist, spielt der/das Einzelstück die Rolle des Kings.
100 Prozent reiner Portugieser, dazu aus 80 Jahre alten Reben, die ein samtig-cremiges Festival von reifen Pflaumen, Espresso und 1A-Bitterschokolade entfachen. Tschuldigung für die blumige Beschreibung, ich kann nicht anders.
Dass ich im Vergleich, den Steinsatz (von 2003, der 2004 kommt hier später mal) trotzdem um Haaresbreite vorne sehe, würde ich vernachlässigen. Das ist eh subjektiv, Tagesform oder sonst was und macht in etwa soviel aus, wie ein einzelnes grünes Blatt im Indian Summer.
Leider, ja jetzt kommt das leider, werden jetzt alle enttäuscht sein, die jetzt mittrinken möchten. Der/das Einzelstück 2004 ist praktisch ausverkauft. Verdammt noch mal!

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
James Brown – ‘Sex Machine’
Reinhören (und wie?) bei:
James Brown - Revolution of the Mind - Sex Machine

2005 [yellow tail]® Shiraz
Freitag, 29. Dezember 2006

yellow t.

Um es vorweg zu sagen, der [yellow tail]® ist pure Marke.
Hinter der netten Aborigines(?)-Aufmachung steckt ein recht solider Shiraz in exakt der erwarteten Balance von fetten, reifen Beeren- und Gewürzaromen. Kein Tiefgang, kein Hauch von Terroir, wie auch.
Aber, der [yellow tail]® ist ehrlich. Im Gegensatz zu vielen Supermarktkollegen wird hier keine Winzerromatik oder Handarbeit vorgegaukelt. Man kauft die Marke, nicht den Wein.
Die Jahrgangsangabe ist nett, aber eigentlich überflüssig. Ich würde mal ins Blaue wetten, dass man von Jahr zu Jahr keinen Unterschied schmecken wird.
Das Konzept ist, zumindest in den USA schon aufgegangen. Dort ist [yellow tail]®, nach eigenen Angaben, Marktführer bei den Importweinen.
Obwohl der Preis von unter fünf Euro für das gebotene Programm nicht unsexy ist, wird ‘Gerneundguttrinker’ wohl eher satt als glücklich werden. Kevin Supermarktkäufer wird damit eher seine Freude haben. Und vielleiiiiicht findet er dadurch irgendwann zu richtigen Weinen… zu guten Weinen.

[Gefunden bei... WalMart.]

Song zum Wein:
Bitte selbst einen Titel einer beliebigen Castingband einsetzen.

2003 Château de Tigné Vieilles Vignes
Donnerstag, 14. Dezember 2006

Gérard Depardieu

Nein, leicht macht er es einem nicht, der Dicke mit der Knollennase. Erst beendet(?) er seine Karriere mit Rollen, die ihn in unserem kollektiven Gedächtnis als korpulente Comicfigur in gestreiften Unterhosen zurücklassen.
Und dann führt ihn seine Leidenschaft zum Wein dazu, sich zum Winzer berufen zu fühlen. Dafür erntet er von etlichen Weinkritikern Spott und seine Weine den Ruf von überteuerten Durchschnittstropfen auf Landwein-Niveau.
Obwohl mir schon Landweine begegnet sind, die es locker mit ‘Prädikaten’ aufnehmen konnten.
Also, was ist dran, am Wein von Gérard Depardieu. Zum Probieren gibt es einen seiner Einsteiger für knapp 15 Euro, bei einer Flasche für 60 Euro auf die Nase zu fallen war mir dann doch zu riskant. Ja, auch ich bin nicht ganz resistent gegenüber (Vor)Urteilen von Weinkritikern.
Zuerst fällt die aufgeklebte Marke ‘Gérard Depardieu’ ins Auge. Natürlich verkaufsfördernd gedacht, rückt sie das Produkt doch gefährlich in die Nähe von Fensterbildflaschen und Fußballweinen.
Gut, der Inhalt soll ja die Musik machen. Ein fruchtiger Hauch von Pflaumen mit einem etwas übermäßigen Hang zum Rumtopf in der Nase. Im Mund ein frisch-fruchtiges Tröpfchen, welches zwar den Franzosen nicht verbergen möchte, wenig holzig, dafür aber umso cremiger daher kommt. Das schmeckt schon sehr nach Michel Rolland (irgendwo habe ich gelesen, er hätte seine Hände im Spiel).
Alles in allem ein nettes Weinchen, mit dem wohl Depardieu-Fans am glücklichsten werden dürften. Alle anderem bekommen keinen Zaubertrank, aber ein solides Tröpfchen mit ziemlich (üb)erhöhtem (und in einigen Euro zu entrichtendem) Star-Bonus.

[Gefunden bei… Galeria Kaufhof, Berlin/Alexanderplatz.]

Song zum Wein:
Carla Bruni – ‘Le plus beau du quartier’
Reinhören (und wie?) bei:
Carla Bruni - Quelqu'un m'a dit - Le plus beau du quartier

2003 Péppoli Chianti Classico [Antinori]
Sonntag, 10. Dezember 2006

Pepp.

Péppoli ist ein Lieber. Ein Schnuckelchen, welcher schön fruchtig durch die Nase anklopft. Auch im Mund wird der Gute nicht ruppig, er bleibt elegant, fruchtig, rund und lecker.
Und da haben wir schon das Problem, eigentlich handelt sich ja beim Péppoli um einen Chianti.
Da erwarte ich schon etwas mehr ‘Pfeffer’. Offenbar hat Marchese Antinori den Péppoli so lange durchgespült (und an Mr. Parker gedacht), bis aus einem Gallardo ein Fulvia geworden ist.
Schick, nett anzusehen und bequem, aber doch kein Gallardo… ähhh… richtiger Chianti, so wie ich ihn mir vorstelle.

[Gefunden bei… Karstadt Nürnberg.]

Song zum Wein:
Zucchero (u.a. Schlaftabletten) – ‘We Are the World’
Reinhören (und wie?) bei:
Ars Canto G. Verdi, B.B. King, Boyzone, Gianni Morandi, Gloria Estefan, Guatemala Choir, Joe Cocker, José Molina, Laura Pausini, Lionel Richie, Luciano Pavarotti, Mariah Carey, Marianne Tatum, Melanie Daniels, Orchestra Sinfonica Italiana, Pino Palladino, Renato Zero, Ricky Martin, Rob Mathes, Robbie Kondor, Shawn Pelton, Trey Lorenz & Zucchero - Pavarotti & Friends for the Children of Guatemala and Kosovo - We Are the World

Riesling Trocken Qualitätswein [Rotkäppchen]
Montag, 27. November 2006

Rotkappe Riesling.

Rotkäppchen und Wein (‘Rotkäppchen Qualitätswein’)? Manch einer rümpft schon bei Rotkäppchen und Sekt die Nase. Wie auch immer, der Erfolg auf der Sektschiene hat wohl Mut gemacht, um sich auch mal in Wein zu versuchen.
Obwohl Rotkäppchen ‘groß in das Weingeschäft einsteigen’ möchte, ist das Ganze aber noch ein Versuchsballon, der über ca. 30 ausgewählten Supermärkten in Neufünfland schwebt.
Was erwartet uns? Ein Riesling, nicht etwa aus dem Saale-Unstrut-Gebiet, sondern ein waschechter Wessi aus Rheinhessen, ‘mit fruchtiger Note – im Duft…’ soll man ‘… Nuancen von Pfirsich und Apfel’ entdecken. Und das ist eigentlich ganz richtig und auch schon alles. Charakter und Tiefgang? Fehlanzeige. Ein Massenprodukt, welches nahe an einem Blanchet ist und mit anderen Freyburgern á la Pawis höchstens den Namen Riesling gemeinsam hat.
So bleibt die Frage nach der eigentlichen Notwendigkeit eines Rotkäppchen Qualitätsweins. Was wohl auch der Zielgruppe durch den Kopf zu gehen scheint, denn hinter vorgehaltener Hand heißt es, der Absatz aller Varianten würde sich in recht überschaubaren Grenzen halten.
So ist es wohl nicht unwahrscheinlich, dass dem Versuchsballon ‘Rotkäppchen Qualitätswein’ bald wieder die Luft ausgehen könnte.
Und darüber muss man, außer im Hause Rotkäppchen, auch nicht wirklich traurig sein…

[Gefunden in… Rotkäppchen Sektkellerei, Freyburg/Unstrut]

Song zum Wein:
Beck – ‘Loser’
Reinhören (und wie?) bei:
Beck - Mellow Gold - Loser

[Nachtrag April 2007]
Offenbar war Rotkäppchen mit dem Test doch zufrieden. Der Wein ist offiziell im Handel und wird entsprechend beworben.

2004 Isla de Maipo Cabernet Sauvignon & Carmenère Reserva BiB [De Martino]
Mittwoch, 22. November 2006

Isla de BiB.

Nehmen wir mal an, eine Party steht bevor und die Sache mit dem Wein soll sich möglichst unkompliziert und praktisch bewerkstelligen lassen, aber trotzdem auf qualitativ hochwertigem Niveau befinden. Billig-Plörre aus dem Tetrapack vom Discounter schließen wir also schon mal aus.
Geht nicht? Dooooch geht. Und zwar Dank Herrn K. und mit einem Isla de Maipo Cabernet Sauvignon & Carmenère Reserva im BiB… na, hier etwas passender beschrieben.
Der Wein? Der ist erstens von De Martino, nicht gerade das schlechteste Weingut in Chile und zweitens eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon & Carmenère Reserva.
Schön rund und fruchtig in Nase und Gaumen, würzig mit ein paar Milli Vanilli Aromen. Sicher kein Parker-was-weiß-ich-Punkte-Wein, aber besser als so mancher Wertkonservativer in GmK (Glasflasche mit Korkverschluss) und für diesen Zweck passend wie der A… na, Sie wissen schon. Für knapp 19 Euro zu erwerben, für immerhin 3000ml.
Meine Empfehlung, die Herrschaften.
Ach, und sollten dann doch weniger Gäste kommen als befürchtet erhofft, hält sich der Wein im BiB noch viele Tage ohne Qualitätseinbußen.

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Beastie Boys – ‘Fight for Your Right’
Reinhören (und wie?) bei:
Beastie Boys - Licensed to Ill - Fight for Your Right

2001 Tamblyn [Bremerton Wines]
Dienstag, 21. November 2006

BT.

Mischt man Rot mit Gelb, bekommt man am Ende Orange. Aber was bekommt man bei einem ‘Mix’ von Cabernet und Shiraz und Merlot und Malbec?
Bei Rebecca Willson den Tamblyn. Und der ist mehr als gar-nicht-übel.
In der Nase ein würziger Kirschduft à la Claudia Bertani und im Mund das Dolce Vita eines fruchtbetonten Weines. Rund, voller Saft und Kraft, etwas Holz, Gewürze und Kirschen, die nach ein paar Tagen zu schwarzen Johannisbeeren mutieren und als Betthupferl, im Preis inbegriffen, noch ein wenig dunkle Schokolade mitliefern.
Ein guter Deal from Down Under.

[Gefunden bei… Mövenpick Weinland.]

Song zum Wein:
Air – ‘Cherry Blossom Girl’
Reinhören (und wie?) bei:
Air - Cherry Blossom Girl (Remixes) - Single - Cherry Blossom Girl (Radio Mix)

2005 Allesverloren Tinta Barocca
Samstag, 18. November 2006

Tinta

Eigentlich wird man bei diesem Namen ja fast schon zu einigen Wortspielchen gezwungen. Die sind aber gar nicht nötig. Eine schönes dichtes Beerenaroma mit den obligatorischen Vanilla Cookies in der Nase und im Mund ein dichter Mix aus dunklen Beeren, der zwar schwer, aber nicht schwerfällig ist, sondern würzig und elegant. Ja, da ist es nicht mehr weit bis zum Portwein.
Alles bestens und genau richtig, um kalte Jahresend-Abende etwas aufzuwärmen.
Hinweis: Wer etwas sucht, wird ihn (wie so oft) um einiges günstiger als bei Karstadt bekommen.

[Gefunden bei… Karstadt.]

Song zum Wein:
Lily Allen – ‘Smile’
Reinhören (und wie?) bei:
Lily Allen - Alright, Still - Smile

Le Beaujolais nouveau est arrivé!
Donnerstag, 16. November 2006

Le Nouveau.

Früher flogen nur Angehörige der englischen Upper-Class aus Gaudi und Langeweile mit ihren Privatjets-Doppeldeckern ins Burgund, um sich möglichst schnell den jüngsten Beaujolais Primeur zu angeln. Heute ist der Nouveau ein Massenphänomen und kommt genau am dem dritten Novemberdonnerstag in den Handel.
Nicht wenige aber bezweifeln stark dessen eigentliche Qualitäten und halten das ganze Marketing-Gehabe für…
EGAL!!! Den Spaß gönne ich mir, mit einem 2006 Beaujolais Villages Nouveau von Michel Picard und verzichte desweiteren auf irgendwelche Verkostungsnotizen.
Le Beaujolais nouveau est arrivé! Der Beaujolais nouveau ist da!

2005 Zweigelt [Leo Hillinger]
Sonntag, 12. November 2006

HillZweig.

Ein wenig posh kommt er ja immer rüber, der Winzer Leo Hillinger. Aber er hat Geschmack, zumindest was das Design seiner Flaschen und die Architektur seines Weingutes anbelangt.
Und mit solch einer Kombination macht man sich, besonders in der Weinszene, nicht nur Freunde. Was zur Folge hat, dass es gelegentlich heißt, Design und Qualität würden bei Hillinger nicht immer eine Einheit bilden. Na schaun mer mal.
In der Nase ein recht würziges und schönes, beeriges Kräuteraroma, danach im Mund sehr ‘zweigeltig’, aber relativ unspektakulär. Rund und ein wenig Plastic-Chic. Gut, spektakuläres sollte man auch nicht erwarten.
Obwohl die Zweigelts ja durchaus zu den frühen ‘Vögeln’ zählen, kann es nicht schaden, diesen noch etwas liegen zu lassen.
Trotzdem, ein unkomplizierter Rotwein 4 every day. Und zu einem Preis-Leistungsverhältnis, welches besser ist als sein Ruf…

[Gefunden bei… Mövenpick Weinland.]

Song zum Wein:
The Whitest Boy Alive – ‘Burning’
Reinhören (und wie?) bei:
The Whitest Boy Alive - Dreams - Burning

2003 Blaufränkisch Hochäcker [Weingut Weninger]
Samstag, 4. November 2006

Weninger Blau.

Hochäcker, Hochäcker, Hochäcker…? Ach… Hoëcker, dieser mehr als unwitzige… na, lassen wir das.
Aber Weninger, das ist da schon ein ganz anderes Kaliber. Immerhin bei Weincasting in den Top Ten. Webseiten von Weinmachern vertreten.
Ach ja, der Wein… Aus dem Glas kommt einem ein recht intensiver Kirschduft, mit einem bizzelchen von Aroma von Vanille, entgegen. Auch im Mund, sehr sauber, fruchtig und mit einem leichten Holzton, lange und satt im Hals verschwindend. *schmackschmackschmack*
Wieder mal ein Beweis dafür, dass eine schöne und geschmackvolle ‘Verpackung’ – nicht immer – aber oft ein ebensolches, schickes Produkt beherbergt.
Ein mehr als ‘Only Everyday Wine’ zu einem netten Preis-Leistungsverhältnis…

[Gefunden bei… Mövenpick Weinland.]

Song zum Wein:
Gustav – ‘we Shall Overcome’
Reinhören (und wie?) bei:
Gustav - Rettet Die Wale - we Shall Overcome

2003 MadFish Shiraz
Dienstag, 31. Oktober 2006

MadFish.

Irre oder verrückt muss man in diesem Fall nicht sein. Vielleicht sogar sehr vernünftig. Der MadFish Shiraz ist nämlich der kleine Bruder vom Leston und kostet knapp die Hälfte. Und wie kleine Brüder so sind, wollen sie zwar in die Fußstapfen der ‘Großen’ treten, aber trotzdem ihren eigenen Charakter behalten.
Doch, man erkennt die Verwandtschaft. In der Nase die dunkle Kirsche, gewürzt mit etwas Pfeffer und Leder. Und im Mund fruchtig und knackig.
Trotzdem, der MadFish ist rustikaler und ruppiger als der Leston. Und bei aller Freude an der Rebellion, beleibt doch der Abstand zum Big Brother gewahrt. Ob dieser auch den recht beachtlichen Unterschied im Preis rechtfertigt, mag dann jeder für sich entscheiden…

[Gefunden bei… Galeria Kaufhof.]

Song zum Wein:
Fatboy Slim – ‘Mad Flava’
Reinhören (und wie?) bei:
Fatboy Slim - Halfway Between the Gutter and the Stars - Mad Flava

2004 Kanonkop Kadette
Montag, 30. Oktober 2006

Kadette.

In einer manchen Blindverkostungen würde er bestimmt als französischer Bordeaux durchgehen. Tja, so kann man sich irren, haben wir hier doch einen waschechten Südafrikaner. Eine Cuveè aus Cabernet Sauvignon und Pinotage. Schön würzig in der Nase, intensiv fruchtig mit dem typischen Bordeaux-Hecken-Aroma.
Auch im Mund bordeaux-fruchtig und voll, aber keinesfalls dick und schwerfällig. Lebendig und zackig, ohne extrem holzig zu sein. Ganz wichtig, das ist kein Korken-raus-und-Prost-Wein, der Kadette braucht Luft. Er bleibt zwar immer etwas rustikal, wird aber nach kräftigen Lüften zunehmend zahmer… ohne seine Power zu verlieren.

[Gefunden bei… Galeria Kaufhof.]

Song zum Wein:
Ian O’Brien-Docker – ‘Totally Alright’
Reinhören (und wie?) bei:
Ian O'Brien-Docker - Totally Alright - Single - Totally Alright

2004 Penfolds BIN 2 Shiraz Mourvèdre
Donnerstag, 26. Oktober 2006

BIN 2.

Na bitte, es geht doch Herrschaften. Bislang war das, was hier aus dem Hause Penfolds gelandet ist, ja nicht wirklich der Bringer. Gut, von einer Begeisterung möchte ich auch diesmal nicht sprechen… aber von einer gewissen Zufriedenheit.
Nimm (BIN)2 ist hier keine schlechte Wahl. Wie so oft aus ganz South Eastern Australia zusammengetragen, passen doch Shiraz und Mourvèdre ganz gut zusammen. In der Nase einen fruchtige Pflaume und wenig Holz. Auch im Mund nicht aufdringlich und recht rund. Dazu die jetzt von Haribo Lakritzschnecken dezent umwickelten, runtergefallenen, also etwas erdigen Pflaumen.

[Gefunden bei… Karstadt.]

Song zum Wein:
Jet – ‘Bring It On Back’
Reinhören (und wie?) bei:
Jet - Shine On - Bring It On Back

2002 Château Haut-Guiraud, Côtes de Bourg
Dienstag, 24. Oktober 2006

Haut-Guiraud.

Oh ja, über die Weine aus dem Bordeaux wurde und wird viel geschrieben. Das ist eigentlich mal ein Grund, sich kurz zu fassen.
Ja, wir haben hier einen Bordeaux. Ja, auch ein Schatto. Ja, der kommt durch die Nase genau wie man es erwartet, etwas Holz und ordentlich Frucht. Im Mund nicht zu kräftig… ach, einfach so, wie ein – zwar einfacher – aber guter Bordeaux sein soll.
Aaabeeerrr: Und das zu einem unverschämt günstigen Preis.
Vive la France!

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Charlotte Gainsbourg – ‘The Songs That We Sing’
Reinhören (und wie?) bei:
Charlotte Gainsbourg - 5.55 - The Songs That We Sing

2003 ‘Z’ Cuvée [Neil Ellis Wines]
Donnerstag, 19. Oktober 2006

Z.

Es gab eine Zeit, da folgte nicht selten mehr als ein öffentliches Räuspern, wenn Deutschland und Südafrika in einem Atemzug genannt wurden. Das ist inzwischen eine Weile her und bezog sich in den seltensten Fällen auf Wein.
Das dachten sich wohl auch der Südafrikaner Neil Ellis und der Deutsche ‘Rotwein-Zauberer’ (stammt nicht von mir, sondern vom ‘Feinschmecker’) Werner Näkel, und haben sich an den ‘Z’ gemacht. Und das Ergebnis ist nicht von schlechten Eltern.
Eine würzige, weiche und fruchtige Beeren-Tinte in der Nase und auch im Mund weich und rund, ohne dabei eine lasche Plärre zu sein. Und als Belohnung gibt’s zum Nachtisch ein Stück dunkle Schokolade gratis im Abgang dazu.
Schmeckt ‘gut im Mund’… allerdings bekomme ich das Gefühl nicht los, dem ‘Z’ schon einmal begegnet zu sein. Und das bin ich nachweislich nicht. A little bit more eigener Charakter wäre vielleicht das Sahnehäubchen oben drauf.
Ach ja, ‘Z’ steht diesmal nicht für ‘Zorro’, sondern für ‘Zwalu’. Das bedeutet soviel wie ‘Neubeginn’. Na und für knapp unter 15 Euro ist der wohl gelungen.
Na denn Prozt!

[Gefunden bei… Karstadt.]

Song zum Wein:
The Samples – ‘Black and White’
Reinhören (und wie?) bei:
The Samples - Black and White - Black and White

2004 Pfalz Rotwein ‘Alte Reben’ [Markus Schneider]
Mittwoch, 11. Oktober 2006

Schneider Alte Reben

So was nenne ich Kontinuität. Markus Schneider und seine alten Knoch… Reben sind hier ja beileibe keine Unbekannten.
So zeigt sich der 2004 wieder schön würzig und fruchtig in der Nase und im Mund voll, cremig, fruchtig mit jeder Menge Power. Dazu vielleicht a little bit more Chocolate and Caramel this year… Keine Überraschung also, aber so was ist ja auch mal ganz schön…
Muss ich einen Kaufbefehl erteilen? Nein? Dachte ich mir doch…

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Jethro Tull – ‘Too Old To Rock’n'Roll – Too Young To Die’
Reinhören (und wie?) bei:
[Offenbar bei itunes nicht gelistet. Dann wird's diesmal nix mit reinhören...]

2004 Barceló Tinto
Freitag, 29. September 2006

Barcelo.

Unkomplizierter Everyday-Rotwein? Preisgünstig, aber gut? Nicht vom Discounter? Wenig Worte? Geht nicht? Doch, geht!
Der hier. Ein knuffiger Tempranillo aus España. Genauer ein Vino de la Tierra de Castilla y León von Hijos de Antonio Barceló. Pfffff!
Eine dunkle Beeren-Tinte in der Nase und im Mund die drei R’s: Rauch, Rund, Richtig… mit etwas Vanille und…. Karamell? Auch für Mädchen.
Kein spanischer Charakterkopf, aber für unter 5 Euro, für jeden Tag… sehr schick. Obwohl die Webseite (www.habarcelo.es) im Gegensatz dazu… Ach, lassen wir das…

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Slade – ‘Everyday’
Reinhören (und wie?) bei:
Slade - Old New Borrowed and Blue - Everyday

2003 Howard Park Leston Shiraz
Dienstag, 26. September 2006

Howard Park 03.

Endlich mal ein Australier, dem ich ohne großes Wenn und Aber zustimmen kann.
Keine schlechte Tinte. Man riecht die dunklen Beeren, das Holz und das Barrique. Auch im Mund wird man nicht enttäuscht. Da geht was, fruchtig, pfeffrig, knackig und… ja, wieder die Vanille vom Barrique. Der etwas ausgeprägte Mon-Cherie-Charakter (14% Alkohol… hohooo!) lässt nach, wenn man den Aussie etwas an die Luft lässt.
Wenn man bedenkt, dass der Regen 2003 in Westaustralien zur falschen Zeit, am falschen Ort kam, ist da etwas Schickes herausgekommen.
Sehr schick ist aber auch der Preis, der mächtig laut an der 20 Euro-Tür klopft und ich mir beim Preis-Leistungs-Verhältnis ein “Äh-Hm” nicht verkneifen kann.
Aber vielleicht liegt es ja an den widrigen Bedingungen, dem Barrique … oder einfach an den 91/100 Parker-Punkten?

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Men At Work – ‘Who Can It Be Now?’
Reinhören (und wie?) bei:
Men At Work - Definitive Collection - Who Can It Be Now?

2004 Rotwein Cuvée Barrique [Lutz Müller]
Freitag, 15. September 2006

Rotwein. Lutz Mueller.

Auf Grund der (noch) fehlenden Möglichkeiten vor Ort, werden die Weine von Lutz Müller im Weingut Schloss Proschwitz ausgebaut.
Das hindert ihn aber nicht daran weiter zu blicken und neben der recht umfangreichen Kollektion an Weißweinen, auch an Rotwein zu denken. Zurzeit (noch) nicht offiziell im Angebot, konnten Herr K. and Me doch schon einmal unsere Nasen in und über den ersten Rotwein halten.
Eine ordentliche Ladung von dunklen Beeren kommt schon in der Nase an. Das setzt sich auch am Gaumen fort, reife Kirschen, Creme und dezente Nüsse… ahhh und ein Hauch Vanille. Ja, das Barrique ist präsent, stört aber nicht.
Eine sehr schöne Mixtur aus Domina (Trauben!) und Spätburgunder, die für eine „Beta-Version“ mehr als überzeugen kann.

[Gefunden bei... Winzer Lutz Müller]

Song zum Wein:
Stereo MC’s – ‘First Love’
Reinhören (und wie?) bei:
Stereo MC's - Paradise - First Love

2005 Traminer Spätlese Trocken [Lutz Müller]
Freitag, 15. September 2006

Lutz Mueller Traminer.

Auch das Weingebiet Sachsen hat seinen jungen Wilden, den Winzer Lutz Müller. Der hat sein Weingut an den Dresdner Elbhängen, also in touristischer Top-Lage. Und Top sind auch die meisten seiner Weine.
Dieser Traminer kann es durchaus mit vielen deutschen ‚Kollegen’ aufnehmen.
In der Nase ein honig-fruchtiges Früchtchen, welches seine 14 % Alkohol gar nicht erst verstecken möchte. Im Mund macht der Honig etwas Platz für Pfirsiche und eine knackige Säure.
Wer sich aber ein Fläschchen sichern möchte, muss entweder das Internet (www.winzer-mueller.de) bemühen, oder seinen Hintern in Richtung Weingut bewegen. Der Blick von dort oben, in Richtung Dresden, lohnt dann aber doppelt.

[Gefunden bei... Winzer Lutz Müller]

Song zum Wein:
Tosca – ‘Honey’
Reinhören (und wie?) bei:
Tosca - Suzuki - Honey

2004 Dehesa Gago [Telmo Rodriguez]
Samstag, 9. September 2006

Dehesa Gago

Telmo Rodriguez sieht in etwa so aus, wie die spanische Version von Giovanni di Lorenzo. Ist aber, im Gegensatz zu diesem, nicht ganz unumstritten.
Der Dehesa Gago ist eine 14%ige Wuchtbrumme, der es wirklich gelingt dies nonchalant zu verbergen. In der Nase ein Haufen dunkler Beeren in Lederhosen, welche auch im Mund nicht runtergelassen werden, sondern sich leicht, rund und cremig fortsetzen.
Für unter 9 Euro ein super Weinchen, welches nur noch eine Frage aufwirft: Ist Rodriguez ein Genie im Wein machen oder im Wein konstruieren?

[Gefunden bei… Wein & Feines, Leipzig.]

Song zum Wein:
Heroes del Silencio – ‘Entre Dos Tierras’
Reinhören (und wie?) bei:
Heroes del Silencio - Entre Dos Tierras - Single - Entre Dos Tierras

2005 Riesling ‘Unplugged’ [Weingut Tesch]
Samstag, 9. September 2006

Unplugged.

Martin Tesch hat es nicht immer einfach gehabt. Anfeindungen gab es aus der Ecke derjenigen, die die deutsche Weinkönigin als einzig notwendiges Marketinginstrument betrachten und auf der “weiter so wie immer und wenn’s schief geht sind die anderen schuld”-Schiene fahren.
Tesch hat beharrlich seinen Stiefel durchgezogen und liefert ein modernes, konsequentes Designkonzept und dazu die passenden, taffen Weine.
Schon im Glas duftet der ‘Unplugged’ intensiv, fruchtig nach Kräutern, was sich im Mund kräftig, frisch und spritzig fortsetzt.
Für knapp 7 Euro ein prima Trinkwein, der aber auch manches Menü adeln kann.
Ein Wein, der nach einem Sommer voller typischer und oft angepasster Riesling-Kollegen, immer noch ein Aha-Erlebnis aus dem Zylinder zaubert. Sehr emmmfählenswert.
Ein kleines ABER darf man mir gestatten.
“Martin Tesch hat sicher eine der innovativsten und schönsten Homepages in der Weinszene…”, meint „Wein Gourmet“. (www.weingut-tesch.de)
Vielleicht liegt dieser Einschätzung ja zu Grunde, dass Gestaltern und Ästheten sonst beim Anblick deutscher Winzer-Frickelhomepages oft die Tränen kommen, aber der Umsetzung des hervorragenden gestalterischen Konzepts, ist beim Internetauftritt offenbar die Luft ausgegangen. Jeder Mediengestalter in Ausbildung würde eine solche Arbeit um die Ohren gehauen bekommen und für Handhabung und handwerkliche Umsetzung ein ‚ungenügend’ kassieren.
Besonders tragisch, da das Konzept ansonsten absolut stimmig ist…

[Gefunden bei… Wein & Feines, Leipzig.]

Song zum Wein:
Talking Heads – ‘Burning Down The House’
Reinhören (und wie?) bei:
Talking Heads - Stop Making Sense - Burning Down The House

2005 Grauburgunder [Weingut Geil]
Samstag, 9. September 2006

WG.

Natürlich ist mir klar, welches Wortspielchen von mir erwartet wird. Das verkneife ich mir aber und hebe es eventuell für das Weingut Ökonomierat Johann Geil auf.
Dieser Wein ist wieder mal ein Fall für Honigfreunde. In Nase und Mund gibt es reichlich davon, rund gewürzt durch Beeren und Mandeln.
Wer einen typischen Grauburgunder um 7 Euro sucht, wird hier fündig.
Im Gegensatz zur Homepage (www.weingutgeil.de), wo man im Jahr 2006 neben ein paar spärlichen Infos immer noch lesen muss: “Diese Seite ist zur Zeit noch unter Bearbeitung. (01.10.02)”.
Aber leider keine Seltenheit im Lande…

[Gefunden bei… Wein & Feines, Leipzig.]

Song zum Wein:
Mousse T. vs. The Dandy Warhols – ‘Horny’
Reinhören (und wie?) bei:
Mousse T. vs. The Dandy Warhols - Horny As a Dandy - EP - Horny

2003 Steinsatz Rotwein Cuvée [Markus Schneider]
Dienstag, 5. September 2006

Steinsatz.

Wenn man von McDonalds per Anhalter in die Galaxis des großen Genießens reist, wird man am Zielort guten Wein vorfinden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Wein von Markus Schneider, mit Sicherheit den ‚Steinsatz’.
Was für eine dicke Tinte! Beeren, Creme, Saft und sanfte Kraft. Merlot, Cabernet Franc, St. Laurent. Überhaupt nicht gekünstelt und aufgedonnert, wie man denken könnte.
Ein Wein der einfach glücklich macht. Trotz der 20 Euren, mit einem fast unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis. Für alle, die immer noch am Preis rumnörgeln müssen: Sich einfach mal sieben billige Dreieuroplärren verkneifen, die Leber schonen und das gesparte Geld dann hier investieren. Es lohnt sich.
Mein Urteil: Kein Wein für jeden Tag, zu teuer, zu schade, zurzeit einer der besten deutschen Rotweine. Doppelplusgut.
Und jetzt die schlechte Nachricht: Der 2003er Jahrgang ist ratzekahl ausverkauft. Aber, ich wage die Prognose, der 2004 wird bestimmt nicht schlechter.

[Gefunden bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Air – ‘All I Need’
Reinhören (und wie?) bei:
Air - Moon Safari - All I Need

2005 Ursprung Rotwein Cuvée [Markus Schneider]
Dienstag, 5. September 2006

Ursprung

Unser Universum begann mit dem Urknall, das Universum der Rotweine von Markus Schneider beginnt mit dem ‚Ursprung’.
Der 2005er ist mir schon einmal, in diesem Frühjahr vor die Füße gefallen, war aber damals einem Früchtebrei von Claus Hipp noch näher als einem Rotwein.
Jetzt ist ein halbes Jahr rum und er erwachsener geworden.
Der ‚Ursprung’ beginnt in der Nase mit einem fruchtigen Heer von dunklen Beeren. Im Mund bleibt es zwar saftig, die Frucht verflüchtigt sich aber in einer gewissen Leichtigkeit und Herbe.
Trotzdem, ein sehr schöner Alltagswein und/oder Begleiter zum Futter der deftigen Art. Macht auf jeden Fall Lust auf mehr Schneider…

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Soffy O. – ‘Everybody’s Darling’
Reinhören (und wie?) bei:
Soffy O. - Everybody's Darling - Single - Everybody's Darling

2005 Fläscher Blauburgunder [Davaz]
Freitag, 25. August 2006

Blauburgunder Davaz.

Ja, die Schweiz ist teuer, manchmal zu teuer. Das bedeutet aber nicht, die Weine wären überteuert. Nicht immer.
Man kann zum Beispiel mit einem Blauburgunder sehr glücklich werden, der Schweizer Version des Pinot noir.
Der hier kommt aus Graubünden und beweißt, dass die Schweiz mehr ist als Käsefondue. Aber das wussten wir ja schon immer und Davaz hat ja auch keinen schlechten Ruf.
In der Nase ein kleiner fruchtiger Kirschkuchen und im Mund ein sehr runder und harmonischer Tropfen. Ich entdecke sogar etwas Schokolade. Etwas Typisches muss wohl dann doch sein, ist aber besser als ein Käsearoma.
Alles in allem, kein Aufreger. Aber sehr ordentlich und gelassen wie die Schweizer halt so sind. Und mit knapp 19 CHF (rund 12 Euro) passt er dann auch wie die Faust aufs Auge.
Wer Aufregung will kann sich ja bei den Pinots und den Noirs umsehen.

[Gefunden bei… GLOBUS Zürich, Bahnhofstrasse]

Song zum Wein:
Paola – ‘Blue Bayou’
Reinhören (und wie?) bei:
Paola - Paola am Blue Bayou - Blue Bayou

2003 Ca’del Solo Big House Red [Bonny Doon]
Montag, 21. August 2006

Big House Red.

Für konservative Weinfreunde dürfte Randall Grahm von Bonny Doon so etwas wie der Leibhaftige sein.
Eine ausgeprägte Abneigung gegen Robert Parker und andere Roberts, ungewöhnlich (und sehr schick) gestaltete Etiketten oder die ausschließliche Verwendung von Schraubverschlüssen, dürfte für Fundamentalisten gerade noch zu verschmerzen sein. Dass er aber kein Problem darin sieht, auch mal einen Moselriesling mit einem Riesling aus Washington zu verscheiden, ist aber wohl der Hammer.
Der Hammer ist auch das Design des Big House Red, auch wenn hier kein Riesling im Spiel ist. Liebevoll und frech bis ins Detail. Allein dafür lohnen sich die 11 Euro.
Der Inhalt? Jaaaaa! In der Nase fruchtig, kirschig, brombeerig…. Im Mund cremig, aber nicht plump, harmonisch mit einer leichten Prise Pfeffer in einer Lederhose.
Sehr schön, aber immer noch mit Potential nach oben. Die anderen ‘Sprösslinge’ von Bonny Doon wollen ja schließlich ihre Daseinsberechtigung haben.
Doch, es gibt noch ganz viel schönes jenseits von Robert Mondavi. Aber ob auch in Zukunft für Big House, bleibt leider abzuwarten…

[Gefunden bei... Wein & Feines, Leipzig.]

Song zum Wein:
The Mamas & The Papas – California Dreamin’
Reinhören (und wie?) bei:
The Mamas & The Papas - Gold: The Mamas & The Papas - California Dreamin'

2005 Pinot Grigio [J. Hofstätter]
Montag, 21. August 2006

PG

Déjà vu?! Irgendwie erinnert mich diese Flasche an Schreckbichl. Die Haptik des Etiketts, die Form, die Farbgebung… ich habe keine Ahnung was es sein könnte. Aber an Schreckbichl erinnert zu werden, ist ja an sich kein Nachteil.
Vielleicht liegt es ja auch an der räumlichen Nähe, der Pinot Grigio (Grauburgunder) ist von Hofstätter aus Tramin. Auch der Inhalt ist einem schon vertraut. In der Nase würzig und frisch. Im Mund etwas herb, aber frisch mit einem ordentlichen Löffel Honig. Wie ein typischer Pinot Grigio eben. Mir ein wenig zu typisch, aber trotzdem sehr solide gemacht.

[Gefunden bei... Karstadt.]

Song zum Wein:
Puh… ja, mir fällt nüscht ein…

2004 Malbec Polo Amateur [La Chamiza]
Donnerstag, 17. August 2006

Malbec Polo Amateur 04.

Polo kann man spielen, Polo kann man fahren, Polo kann man trinken.
Ich würde mich wohl für trinken entscheiden. Wenn es ein Malbec Polo Amateur ist. Endlich mal wieder ein richtiger Wein für Jungs.
In der Nase schon sehr phatt und würzig und jede Menge dunkler Beeren. Im Mund kräftig, rauchig und ähhh… Lakritz. Für knapp 8 Euro! Sehr schick.
Also es wird wirklich Zeit für laue Spätsommerabende auf dem Balkon.

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
America – ‘A Horse With No Name’
Reinhören (und wie?) bei:
America - America - A Horse With No Name

2005 Chasselas [Domaine de Serreaux Dessus]
Dienstag, 15. August 2006

Chasselas 2005

Chasselas? Nein, nicht Frankreich. Chasselas ist nichts anderes als der gute alte Gutedel, nur dass er diesmal aus der Schweiz, aus dem Kanton Waadt (Vaud) kommt. Tja und so wie dort die Nationalmannschaft Nati (sprich: Nazi) heißt, heißt der Gutedel eben Chasselas. Und die ist immerhin die wichtigste Weißweinsorte der Westschweiz.
Gutedel, nicht selten ein eher schlichter Charakter, ist zumindest dieser schon etwas komplexer. In der Nase recht würzig, ist er im Mund ganz schön knackig und macht mit einen etwas ruppigen Muskat(?)- oder Kräuteraroma auf sich aufmerksam. Das ruppige liegt vielleicht auch an seiner Jugend, die Zeit könnte da noch einiges glätten.
Mit Schraubverschluss, für 11,50 CHF (rund 7 Euro).

[Gefunden bei... GLOBUS Zürich, Bahnhofstrasse]

Song zum Wein:
Hmmm…???

2003 Grauer Burgunder “R” Trocken [Klaus Zimmerling]
Dienstag, 8. August 2006

Zimmerling. R.

Die Weinbürokratie ist Klaus Zimmerling zu wider. So gehen alle Weine ohne Prädikat, als Tafelwein über den Tresen. Geschadet hat dies weder Zimmerling, noch seinen Weinen.
Auch dem Grauburgunder kann seine Prädikatslosigkeit absolut egal sein.
In der Nase noch ein Aroma von Äpfeln und Blütenblättern, kommt im Mund das Aha-Erlebnis. Die Blütenblätter werden zur Blumenwiese und voll, rund, fruchtig, süß… honigsüß.
Auch wenn die kleine 0,5l Flasche im Preis stramm auf die 15 Euro zumarschiert und ich eigentlich nicht der Freund von ‘Sweeties’ bin. Auf jeden Fall, der “R” hat mich beeindruckt. Ein Wein mit dem man sich beschäftigen muss, der Aufmerksamkeit verlangt. Und für so was bin ich ja immer zu haben.
Übrigens, wer Klaus Zimmerling jetzt für einen rückständigen Querkopf hält, dem sei gesagt, dass Zimmerling ab dem Jahrgang 2005 auf Glaskorken setzt.

[Gefunden bei… Weingut Klaus Zimmerling.]

Song zum Wein:
The Verve – ‘Bitter Sweet Symphony’
Reinhören (und wie?) bei:
The Verve - Bitter Sweet Symphony - EP - Bitter Sweet Symphony - Original

2005 Lumo Bianco [Schreckbichl]
Dienstag, 1. August 2006

Lumo.

Lumo – la luce, un impetuoso splendore di Pinot Bianco, Chardonnay e Sauvignon Blanc.

Ähm??? Ach so…

Lumo – das Licht, die glühende Begeisterung aus Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon Blanc.

Ähm??? Ach so, ja so beschreiben die Schreckbichler ihren Neuen. Den Lumo. Und in der Tat, es ist ihnen gelungen. Ein fruchtiges und spritziges Tröpfchen. Unkompliziert, ohne belanglos zu sein. Für mich ein Top-Sommerwein. Mehr braucht man nicht zu sagen.

[Gefunden von Herrn K. bei… rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Bloc Party – ‘Blue Light’
Reinhören (und wie?) bei:
Bloc Party - Silent Alarm - Blue Light

2004 Ryzlink vlašský Kabinet [Tanzberg Mikulov]
Sonntag, 30. Juli 2006

Tanzberg.

So richtig flüssig geht einem auch dieser Name nicht von den Lippen. Auch der Erzeuger dieses Welschrieslings (Ryzlink vlašský), Tanzberg Mikulov, ist nach Johnson einer der empfehlenswerteren. Diesmal kommt er allerdings aus Mähren und Tanzberg klingt ja schon ein wenig nach Österreich, welches gleich um die Ecke liegt. Tanzberg scheint im Gegensatz zu Lobkowicz-Roudnice auch schon etwas weiter auf der Qualitätsleiter vorangekommen zu sein.
Im Geruch leicht fruchtig und frisch, das gefällt. Im Mund ebenfalls frisch, allerdings doch ziemlich herb. Erinnert stark an Limone und ist im Geschmack einem Frankfurter Appelwoi näher als einem Pfälzer Riesling. Eignet sich auch für Nichtschwimmer, denn Tiefe sucht man auch hier leider vergebens. Für 195 Kč (rund 7 Euro) zu bekommen.

[Gefunden bei... TESCO Vinotéka. Prag, Národní 63/26.]

Song zum Wein:
Karel Gott – ‘Weisst Du Wohin?’
Reinhören (und wie?) bei:
Karel Gott - Best of Karel Gott - Weisst Du Wohin

2004 Ryzlink rýnský Kabinet [Lobkowicz Roudnické Zámecké]
Sonntag, 30. Juli 2006

Lobkowicz Roudnické.

Doch, doch, doch es handelt sich bei dem oben genannten Zungenbrecher tatsächlich um einen Wein. Aus dem Land von Gott. Karel Gott, was natürlich einiges erklärt.
Dieser Kandidat kommt aus Roudnice in Böhmen und führt immerhin den Namen Lobkowicz. Lobkowicz-Roudnice ist laut Johnson einer der böhmischen Spitzenerzeuger.
Trotzdem, so allgegenwärtig Gottes Karel in Volksmusiksendungen ist, so selten ist tschechischer Wein in außertschechischen Weingläsern. Bislang blieb man unter sich. Und das merkt man auch am Produkt.
In der Nase kann man andeutungsweise eine gewisse Nähe zu einem typischen Riesling alemannischer Prägung spüren, allerdings minus dem Vorhandensein von Fruchtaromen. Im Mund sehr, sehr, sehr herb mit einer ordentlichen Säure.
Zudem flach, mit null Tiefe. Ich fühle mich sehr an herbe deutsche Produkte aus den 80ern erinnert. Der Wein dürfte also eher etwas für Nostalgiker sein, denen die 175 Kč (ca. 6 Euro) einen Spaß wert sind.

[Gefunden bei... TESCO Vinotéka. Prag, Národní 63/26.]

Song zum Wein:
Karel Gott – ‘Babicka’
Reinhören (und wie?) bei:
Karel Gott - Best of Karel Gott - Babicka

2005 Pfefferer Goldmuskateller [Schreckbichl]
Freitag, 28. Juli 2006

Pfefferer.

Hitze. Balkon. Goldmuskateller. Weinberg Dolomiten. Pfefferer. Schreckbichl. Soweit die Fakten.
Sehr harmonisch und fruchtig geht dieser Wein durch Nase und Gaumen. Etwas präziser? Man stelle sich eine Schüssel voller frischer Trauben, eine Prise Muskat und eine Prise Pfeffer vor. Genau das steckt in dieser Flasche, die man für knapp 8 Euro bekommt. Nur für die Hitze und den Balkon muss man selber sorgen. Bestens!

[Gefunden von Herrn K. bei... rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Lily Allen – ‘Everything’s Just Wonderful’
Reinhören (und wie?) bei:
Lily Allen - Alright, Still - Everything's Just Wonderful

2005 tous les jours [Castel Peter]
Donnerstag, 27. Juli 2006

TLJ

Der Herr Peter gehört zum ‘Dunstkreis‘ des Herrn Schneider. Und ein Stück marschiert der ‘tous les jours’ auch auf dessen Weg zur Glückseligkeit des (Rot)Weins. Würzig und fruchtig durch die Nase, um dann im Mund ratzfatz den Weg wieder zu verlassen, um sich in Leichtigkeit und Frische, aber auch etwas in Langeweile zu genügen.
Na gut, für tous les jours, also für jeden Tag und sechsfuffzich die Flasche ist das schon in Ordnung. Ich hätte aber trotzdem ein klein wenig mehr erwartet. Ein klitzeklein wenig.

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Saint Privat – ‘Tous Les Jours’
Reinhören (und wie?) bei:
Saint Privat - Riviera - Tous les jours

2004 “Steirischer Spiegel” [Polz]
Sonntag, 23. Juli 2006

Steierischer Spiegel.

So ungefähr dürfte es aussehen, wenn man sich im Moment einer Flasche Wein nähert. Bei locker 35 Grad über Null, im Schatten. So geschehen beim ‘Steirischen Spiegel’ von Polz.
Diese Cuvée (By The Way von Riesling und Sauvignon Blanc) ist in der Nase herb fruchtig mit einem Hauch von Apfel und Zitrus. Im Mund dann leicht cremig, spritzig, frisch. Und gaaaanz viel Pfirsich.
Passt bei den aktuellen heißen Temperaturen wie der A**** auf den Deckel.

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Fällt heute mal aus.

Juhuuu! WM-Wein war ein Renner!
Dienstag, 18. Juli 2006

Von den 55 Betrieben, die unsere Steilvorlage genutzt hatten, ihre Weine mit den offiziellen Fifa-Logos zu vertreiben, hat die Mehrzahl diese Chance professionell in einen Treffer verwandelt. Insgesamt wurden rund 2 Mio. Flaschen WM-Wein (Amk.: mit Preisen überwiegend zwischen 3,50 und 7 Euro) abgesetzt. Somit hat sich unsere Investition in die WM mehr als gelohnt

, meint Thomas Klaas, Bereichsleiter Inlandsmarketing im Deutschen Weininstitut.

Große Zufriedenheit herrscht insbesondere bei den Kellereien und Genossenschaften, die den Lebensmittelhandel beliefert haben. Der Handel habe das WM-Weinkonzept mutig angenommen…

und verschleudert jetzt die Restbestände, wie heute gesehen, für zweifuffzich pro Flasche.

2005 Riesling Trocken [Markus Schneider]
Freitag, 14. Juli 2006

Schneider

Ja ja, Schneider und ich. Ich versuche mich aber trotzdem in Objektivität. Wir haben hier einen sehr schönen, nicht zu fruchtigen Riesling der vielen gefallen dürfte, ohne dabei belanglos zu wirken. Mehr braucht man nicht sagen. Das wissen offenbar auch die Schneider-Fans und reißen den Dealern das Zeug förmlich von der Palette. Das Ganze wird nur noch getoppt durch den Preis. Knapp 6,30 Euro pro Flasche. Literflasche!
Aber, jepp aber. Die Rotweine gefallen mir trotzdem etwas besser.

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
PeterLicht – ‘Wettentspannen’
Reinhören (und wie?) bei:
PeterLicht - Lieder vom Ende des Kapitalismus (iTunes Edition) - Wettentspannen

2004 Schwarzriesling Rosé Trocken [Castel Peter]
Donnerstag, 13. Juli 2006

Peters Schwarzriesling

Ich bin ja nicht DER Fan von Weinen aus dem ‘Hause’ Rosé. Ich habe ja auch nicht die rosafarbene Periode in der Herrenmode mitgemacht.
Wenn man aber schon mal die Möglichkeit zum probieren hat, indem eine Flasche mitgebrachterweise ins Haus schneit, sollte man sich durchaus mal offen zeigen. Außerdem ist der Schwarzriesling von Castel Peter, macht es also einfacher.
Ja, doch. Ein sehr erfrischendes fruchtiges Zeug in Nase und Mund. Nicht zu herb mit einem Aroma von Apfel, Hagebutte, was weiß ich… Im Sommer schön kühl auf’m Balkon genießen. So sollte ein Rosé sein, auch wenn ich wohl weiterhin kein großer Roséfan sein werde.

[Gefunden bei... Ich weiß zwar wo, war aber Mitbringsel.]

Song zum Wein:
Pink Grease – ‘The Pink G.R.Ease’
Reinhören (und wie?) bei:
Pink Grease - This Is for Real - The Pink G.R.Ease

2005 Oberbergener Bassgeige Weißburgunder [Franz Keller Schwarzer Adler]
Mittwoch, 12. Juli 2006

Bassgeige 05

“Schenk nach emal i, s’isch Adlerwirts Wi!”, steht auf dem Etikett und ich habe verstanden. Ich gehöre wohl nicht zur Zielgruppe. Ich werde mir auch sämtliche Wortspielchen mit ‘Bassgeige’ sparen.
Trotzdem, man muss Franz Keller nicht mit Klaus Keller, dem ‘Winzer des Jahrzehnts’ verwechseln. Nö, Franz Keller hat hier ein schönes Stöffchen abgeliefert. Leicht fruchtig in der Nase, im Mund aber dafür etwas kräftiger. Auch die Säure ist nicht zu verachten und über allem schwebt ein leichtes Honigaroma. Ko schlechter Wi.

[Gefunden bei... Galeria Kaufhof.]

Song zum Wein:
No song, it’s too hot today…

Sachsen kompakt.
Montag, 10. Juli 2006

Wer sich auf ein Weinfest begibt, sollte schon wissen was er tut. Im schlechtesten Falle gerät man in die Fänge einer Tingeltangelgruppe von Winzern, die ihre Erzeugnisse der Kategorie ‚Halbtrocken bis lieblich’ zu miesem Schlager-Schunkel-Getöse unter das Volk bringen wollen. Im besten Falle hat man die Möglichkeit eines gewissen Überblickes über eine größere Gruppe regionaler Winzer, an einem Ort und dazu noch möglichst incognitooooo.
Wie zum sächsischen Weinfest am Wochenende in Dresden. Ja gut, auch hier musste man die mediale Folter von der Bühne eines privaten regionalen Radiosenders ertragen. Vor allem die Modenschau von Mandy’s Österreichischer Landhausmode war nur mit strenger meditativer Selbstkontrolle und einer Menge Galgenhumor zu ertragen.
Aber als Winzer hat man es offenbar nicht leicht an zufriedene Kunden zu kommen. Vor allem wenn das Aushilfspersonal in der Annahme, dass ‚weiß’ gleich ‚weiß’ ist, einfach Herrn K. nachschenken möchte und somit die monatelange Arbeit des Winzers in Sekundenbruchteilen zur Sau gemacht wird. Sollte man just in dieser Situation an eine boshafte Person oder schlimmer, an einen boshaften Kritiker geraten sein.
Da Herr K. aber nicht immer boshaft ist, schafft er die Geschichte mit einem freundlichen Hinweis aus der Welt. Und der Autor schließt sich dem an und verschweigt genüsslich den Namen des Winzers mit der unglücklichen Hand, was die Wahl seines Hilfspersonals angeht.
Ok, aber hier jetzt eine unrepräsentative, aber kleine Auswahl des Verkostungs-Marathons unter einigen, der hier vertretenen sächsischen Winzer.

Weingut Karl Friedrich Aust, Radebeul

2005 Goldriesling
Vom Geruch her ein recht typischer Riesling (obwohl er ja gar keiner ist), ziemlich fruchtig, in Richtung Pfirsich.
Im Geschmack frisch und etwas herber, eher Limette. Zum „so trinken“ etwas schwierig, macht sich aber sicher gut als… ähh… zum Fisch.

2005 Bacchus
Ähnlich dem Riesling, aber etwas würziger. Mit einer ganz leichten Kräuternote. Hier kommt der Pfirsich auch im Geschmack mehr durch. Würde ich aber trotzdem auch eher zum Essen sehen.

Weinbau Steffen Loose, Niederau

2005 Weißburgunder ‚Weinböhlaer Gellertberg’
Frisch und solide in der Nase. Im Mund recht fruchtig, aber unspektakulär. Könnte ein schöner Sommerwein sein.

Weingut Joachim Lehmann, Diesbar-Seußlitz

2004 Weißburgunder
Sehr schön fruchtig in der Nase. Auch im Mund ein fruchtiger Apfel, Wiesenblume und Holunder. Sehr schöner Stoff von einem ‘kleinen’ Winzer. Da können sich manche Profis noch eine Scheibe abschneiden…

Weinbau Dr. Gerhardt, Radebeul

2005 Traminer Trocken
Recht würzig, fein und fruchtig in der Nase. Auch im Mund ein fruchtiges Aroma, sehr typisch mit dem Geschmack nach frischen Trauben. Not bad, not bad.

Weingut Hoflößnitz, Radebeul

2005 Rotling
Sieht aus wie ein Rosé, ist aber eine Mischung aus Müller Thurgau und Regent.
In der Nase etwas wie Erdbeerbowle, was sich im Mund leider fortsetzt. Verdünnt mit einem Schuss Alkohol. Vielen Dank.
A worst case of red and white wine oder auch die „Teewurst des Weines“ (Zitat Herr K.).

Weingut ‚Drei Herren’, Radebeul

2004 Traminer Halbtrocken
Würzig und intensiv. Fruchtig im Geschmack mit einem Hauch von Rosen. Nicht ganz schlecht, aber als halbtrockener „Dosenöffner“ nicht ganz mein Geschmack.

2005 Escherndorfer Lump Riesling Spätlese Trocken [Horst Sauer]
Montag, 3. Juli 2006

H. Sauer Eschdorfer Lump

Nach einigen Bocksbeutel vermag ich doch zu sagen, es gibt praktischere Flaschenformen. Trotzdem, das Etikett finde ich recht schick und der ‘Escherndorfer Lump’ soll ja angeblich die beste Lage in Franken sein.
Dass auch Horst Sauer nicht der schlechteste Winzer ist, beweißt der Wein. In der Nase würzig, voll, traubig, fruchtig, pfirsichigich… mit etwas Pfirsich. Das schafft er auch bis in den Gaumen, noch dazu mit einem Toutch Apfel. Und alles, ohne seine Herkunft zu verbergen, mit etwas Erde. Ja, man schmeckt den Franken.
Eine schicke Terroir bezogene Kombination, die mir sehr gefällt. Für ca. 12 Euro.

[Gefunden bei... Galeria Kaufhof Würzburg.]

Song zum Wein:
The Presidents of the United States of America – ‘Lump’
Reinhören (und wie?) bei:
The Presidents of the United States of America - The Presidents of the United States of America (10th Aniversary Edition) - Lump

2004 Alba Romana Elbling [Martin Fürst]
Montag, 3. Juli 2006

AR Elbling

Elbling ist wohl eine der ältesten Rebsorten Deutschlands, hinter vorgehaltener Hand munkelt man, dass die Römer selbige mitgebracht haben. Und angeblich sind die Engländer noch heute verrückt nach dem Zeug.
Na schaun mer mal. Im Geruch würzig, nach Honigmelone. Im Geschmack fein fruchtig, aber igendwie auch etwas nach Keller. Kann man mögen, muss man aber nicht. Man hat förmlich das Gefühl hier Geschichte zu trinken.

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
The Smiths – ‘The Queen Is Dead’
Reinhören (und wie?) bei:
The Smiths - The Queen Is Dead - The Queen Is Dead / Take Me Back To Dear Old Blighty

2004 Côtes du Rhône Réserve [Perrin & Fils]
Freitag, 30. Juni 2006

Perrin & Fils CdR

Gut, man muss sie nicht mögen. Vielen ist das Zeug zu trocken, die mögen es lieber schön fruchtig. Ist ja der Trend. Ich konnte mich schon immer sehr mit den Rhônies anfreunden. Da brauchte man mich eigentlich gar nicht zu überraschen. Ist aber doch gelungen, diesem Côtes du Rhône Réserve ist das doch tatsächlich gelungen. In Mund und Nase ein wirklich wunderbarer CdR, aber jetzt kommt es: Frucht! Ja, Frucht. Himbeere würde ich sagen. Ich habe keine Ahnung wie die das Aroma hinbekommen haben, aber es passt. Auch so was ist eine “Ecke und Kante”, so wie ich es mag.
Übrigens, Perrin & Fils bloggen auch. Ich gehe jetzt mein Französisch aufpolieren.

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

Song zum Wein:
Carouge – ‘Framboise’
Reinhören (und wie?) bei:
[iTunes Verlinkungsmaschine geht gerade nicht, darum diesmal ohne Link]

2004 Selezione d’Ottobre Merlot del Ticino DOC Matasci
Mittwoch, 28. Juni 2006

D'Ottobre

No way! If anyone orders Merlot, I’m leaving. I am NOT drinking any fucking Merlot!

Ok, ganz so krass wie der gute Miles aus ‘Sideways‘ würde ich es nicht sagen. Diesmal nicht. Dieser Merlot ist nämlich ganz interessant. Klingt wie ein Italiener, ist es aber nicht. Er kommt aus dem Tessin, was ihn für Nichtschweizer schon zum Exoten macht. In der Schweiz Zürich bei jedem gut sortierten Coop zu bekommen, nördlich des Bodensees dafür gar nicht.
Und der Wein? Recht frisch in der Nase, gar nicht übel. Fruchtig, ich würde sagen Johannisbeeren. Im Mund kein Aufreger. Ein ziemlich unaufgeregter, leichter, nach Harmonie suchender Merlot. Ohne Ecken und Kanten. Vom Charakter eher Schweizer als Italiener.

[Gefunden bei... Freunden, stand einfach schon da.]

Song zum Wein:
Rolfe Kent (Sideways) – ‘I’m Not Drinking any #@%$ Merlot!’
Reinhören (und wie?) bei:
Rolfe Kent - Sideways - I'm Not Drinking and #@%$ Merlot!

2005 Sunshine Yummy White Wine
Mittwoch, 21. Juni 2006

Sunshine

2005 Sunshine. Klingt wie eine Wetterprognose, ist aber ein neuer Wein. Ein Häufchen Jungwinzer von der Mosel haben sich an das Thema ‘Sommerwein’ gemacht. Trendige Flasche im, an die 70er Jahre angelehnten, Retrodesign.
Das Zeug ist so neu, dass ich im Moment gar nicht mehr dazu sagen kann. Doch, zum Geschmack. Frisch, einfach, leicht, fruchtig, prickelt, unkompliziert. Sommerwein eben. Schön schön.
Genau das richtige für ‘Sommer vorm Balkon‘.

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle.]

Song zum Wein :
Jason Collett – ‘I’ll Bring the Sun’
Reinhören (und wie?) bei:
Jason Collett - Idols Of Exile - I'll Bring The Sun

2004 Riesling Trocken [Weingut S. A. Prüm]
Mittwoch, 21. Juni 2006

S A Prüm
S.A. Prüm ist zwar nicht ‘Joh. Jos.’ und auch nicht ‘Winzer des Jahres’ gewesen, aber der Ruf ist trotzdem nicht schlecht. Da dürfte eigentlich nichts schief gehen.
Das Etikett haut mich zwar überhaupt nicht vom Hocker, aber der Schraubverschluss versöhnt mich wieder. Und der Inhalt? Nee, man kann nicht meckern. Ein Riesling, so wie er sein sollte. Fruchtig, frisch, knackig… aber langweilig.
Wirklich nicht schlecht das Zeug, aber mir fehlt einfach die richtige ‘Unterhaltung’. Kein Pep, keine Ecke, keine Kante. Vielleicht sollte man zu den knapp 10 Euro, noch zehn (plus x) drauflegen und sich ne ‘2004 Wehlener Sonnenuhr Riesling Alte Reben’ holen?

[Gefunden bei... Galeria Kaufhof.]

Song zum Wein:
Pet Shop Boys – ‘Being Boring’
Reinhören (und wie?) bei:
Pet Shop Boys - Behaviour - Being Boring

2004 Black Print Cuvée [Markus Schneider]
Dienstag, 20. Juni 2006

Black Print

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich ein Fan von Markus Schneider bin? Wer jetzt meint, ich wäre voreingenommen, der möge hier nicht mehr weiterlesen…
Allen anderen sei gesagt, auch der ‚Black Print’ ist wieder richtig phatt. Dunkel, dunkel, dunkel. Richtig würzig, kräftig und voll in Mund und Nase. Alles mit einem Hauch Sauerkirsche. Mehr muss ich nicht sagen. Wer den nicht probiert ist selber schuld. Kaufbefehl!

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle.]

Song zum Wein :
Massive Attack – ‘
Black Milk’
Reinhören (und wie?) bei:
Massive Attack - Mezzanine - Black Milk

2004 Dornfelder (Barrique) [Weingut Pawis]
Mittwoch, 14. Juni 2006

Pawis Dornfelder
Schon wieder Pawis. Aber diesmal nicht weiß, sondern rot. Und zwar ein modischer Dornfelder. Der hat allerdings den exklusiven Weg durchs Barrique hinter sich. Dornfelder im Barrique? Merkt man das? Ja, erstmal im Preis. 17,80 Euro. Not bad, not bad.
Bernard Pawis hat aber wieder ordentliche Arbeit abgeliefert. Und ordentlich Vanille (Barrique) ist auch drin. Vielleicht etwas zuviel. Schön würzig in Nase und Mund, gar nicht weichgespült, wie Dornfelder sonst oft daherkommen.
Auf jeden Fall einer der besseren Dornfelder. Bleibt nur die Frage, ob das mit dem Barrique nicht etwas zu gut gemeint war…

[Gefunden bei... Weingut Pawis]

2004 Würzburger Stein Riesling Kabinett Trocken [Weingut Juliusspital]
Samstag, 3. Juni 2006

Würzburger Stein

In Würzburg stolpert man nun wirklich dauernd über Touristen, Bocksbeutel und/oder den Namen Juliusspital. Wen das nervt, der kann sich zurückziehen und “vom (Weinberg am) Stein” runter auf die Stadt gucken. Wem das nun wieder zu anstrengend ist, der kann sich den “Stein” auch als Riesling ins Gläschen kippen.
Fruchtig und blumig in der Nase. Im Mund dann ein typischer Franke, würzig, kräftig und a bissl erdig. A nice Frankenwine.

[Gefunden bei... in Würzburg.]

2004 Freyburger Edelacker Weißer Burgunder Spätlese “Großes Gewächs” [Weingut Pawis]
Donnerstag, 1. Juni 2006

Freyburger Edelacker Pawis

Über den Freyburger Edelacker, als Lage, hört man ja viel Gutes und über das Weingut Pawis kann ich auch nichts Schlechtes sagen. Ebensowenig über diesen Weißburgunder.
Duftig und fruchtig in der Nase. Auch im Mund (k)ein (derber) Knaller. Herb, aber klar und riiiichtig kräftig. Für das “Große Gewächs” muss man 15 Euro locker machen. Tipp: Wem das etwas zuviel ist, der 2005 Riesling Kabinett Trocken und der 2005 Grauburgunder Trocken kosten nur die Hälfte, sind aber keinesfalls nur halb-so-gut.
Wie? Ob ich gar nichts zu nörgeln habe? Naja doch, die Etiketten könnten etwas “jünger”, passender zum Winzer sein und weniger von diesem gepflegtem Altherrencharme haben. Da ist aus gestalterischer Sicht noch ne Menge Luft nach oben…

[Gefunden bei... im Weingut Pawis.]

[Anmerkung: Habe gerade erfahren, dass der '2004 Freyburger Edelacker Weißer Burgunder Spätlese' und '2005 Grauburgunder Trocken' inzwischen leider ausverkauft sind.]

2004 red [Weingut Heinrich]
Dienstag, 30. Mai 2006

Heinrich red

Wenn ich in einer Kneipe auf die Frage: “Was ist denn so an Wein da?”, die Anwort: “Rot oder Weiss. Trocken?” bekomme, entscheide ich mich immer für Bier.
Anders würde es wahrscheinlich bei “Heinrich red. Half, regular oder magnum bottle?” aussehen.
Es muss ja nicht immer Terroir sein, in verqualmter Kneipenluft haben die Sinne meist sowieso mit anderen Dingen zu tun. Aber warum nicht auch hier etwas ordentliches vom Top-Erzeuger?
Die Zusammensetzung des ‘red’ variiert, besteht zum größten Teil aber aus Zweigelt, St. Laurent und Blaufränkischem. Die Qualität variiert zum Glück nicht.
Sehr “rotfruchtig” in Nase und Mund. Rund, ohne Ecken und Kanten. Kein Charakterkopf, aber der will er ja auch nicht sein.
Ein solider und ehrlicher Wein, passend von A wie Party bis Z wie Pizza vor der Glotze.

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle.]

2005 Juliusspital Müller-Thurgau Trocken
Montag, 22. Mai 2006

Juliusspital

In einem (Ho)spital ist Wein nicht so gern gesehen, im Juliusspital aber ganz bestimmt. Es handelt sich in diesem Falle doch auch um das Weingut in Würzburg. Jo, des is fei schö. Und wie man es von einem Frankenwein erwartet, im Bochsbeutel.
Ein leicht fruchtiger Müller-Thurgau in der Nase, vielleicht sogar mit einem leichten Rieslingtouch. Auch im Mund kernig, trocken, leicht. Nicht der Knaller, aber bestimmt keine “saure Frankenbrühe”. Ich würde sagen, ein schöner Sommerwein. Und mit knapp 6 Euro von Preis auch in Ordnung. Wer es nicht so “bocksbeutelig” mag, bekommt ihn auch in der klassischen Flasche mit Schrauber.

[Gefunden bei... Karstadt.]

2004 Le Cadet Carbernet Sauvignon [Baron Philippe de Rothschild]
Dienstag, 16. Mai 2006

Le Cadet Cabernet Sauvignon

Ok, ich kann für einen Rothschild 259 Euro (und mehr) oder ca. 4,50 Euro ausgeben. Allerdings bekomme ich für 259 Euro einen Premier Grand Cru Classé und für vierfuffzich nur einen Auszubildenden.
Letzteres muss ja eigentlich nichts schlechtes sein. Allerdings wird aus diesem Azubi nie und nimmer ein Geselle, geschweige denn ein Meister. Im Geruch noch recht kräftig, mit einer Portion Alkohol. Im Mund sehr eckig und herb. Dabei ziemlich flach und ohne Tiefe. Wer sich unbedingt billig einen Rothschild vor die Füße stellen will, bitte.
Alle anderen sollten sich im Rothschild-Regal etwas weiter oben umsehen, für knapp 10 Euro gibt es da schon ganz passable Sachen.

[Gefunden bei... Kauf-Markt.]

2004 Chateau Bordeneuve Corbières
Dienstag, 16. Mai 2006

Chateau Bordeneuve Corbières

Wenn man sich im Supermarkt nach einem Corbières bückt, gelangt man fast zwangsläufig an diesen. Nett verpackt und in der Nase kräftig würzig. So geht es dann auch im Mund weiter. Würzig, mit einem pfeffrigen Unterton. Raffinesse sucht man hier aber vergebens. Vielleicht etwas zu eckig, zu unrund. Jaja Chateau, trotzdem nur ein ordentlicher Basiswein für ca. 3,50 Euro.
Das auf der nach oben offenen Corbières-Richter-Skala noch eine Menge Luft ist, beweist z.B. ein 2003 Chateau Hauterive Le Haut Corbières.

[Gefunden bei... Wal-Mart und (fast) überall.]

2005 Forster Ungeheuer Riesling Kabinett Trocken [Bassermann-Jordan]
Donnerstag, 11. Mai 2006

Forster Ungeheuer

Also jetzt mal keine Angst. Dieser Forster Ungeheuer ist kein selbiges, sondern ein Riesling der so ist, wie ein Riesling sein sollte. Fruchtig in Nase und Mund. Ich sage mal wieder Ananas. Saftig und frisch. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Aber warum immer viel rumlabern. Für Euro Achtfuffzich.

[Gefunden bei... Karstadt.]

2004 Stedtener Pastorenstieg Silvaner Spätlese [Weingut Rollsdorfer Mühle]
Montag, 8. Mai 2006

Stedtener Pastorenstieg

Das Weingut Rollersdorfer Mühle gehört zum Weingebiet Saale-Unstrut, ist aber einer der räumlichen Ausreiser. Mit der Lage zwischen Eisleben und Halle sind es schon einige Kilometer bis zum eigentlichen ‘Kern’ Bad Kösen / Freyburg / Naumburg. Das ist aber nicht wirklich ein Nachteil, denn das Klima am ‘Süßen See’ verhilft sogar Aprikosenbäumen zu recht passablen Erträgen.
Recht passabel ist auch dieser Wein. Er riecht leicht nach Birne, doch etwas muffig. Im Geschmack herb und frisch, mit etwas Zitrus. Leider aber auch recht flach und etwas wässerig. Für 8,99 Euro (im Gut für 6,50 Euro).
In diesem Falle würde ich mich dem aktuellen Gault Millau anschließen: “Die Weine sind gut gemacht, ihnen fehlt aber Struktur und Nachhall.”

[Gefunden bei... Galeria Kaufhof Halle/Saale]

2004 Blauschiefer Riesling Trocken [Dr. Loosen]
Montag, 1. Mai 2006

Doc Loosen

Uh Oh! Ich glaub’ ich hab ein Déjà vu. Eine blaue Flasche, da denke ich doch an Blue Nun… ? Habe ich hier einen verkappten German Liebfraumilch wine? Von Doc Loosen, dem Winzer des Jahres 2001?
Nein, natürlich nicht.
Der “Blauschiefer” ist ein sehr feiner Riesling, der irgendwo nach Mandarine… Pfirsich schnuppert. Ich würde sogar sagen nach einer Frühlingsbrise.
Im Mund entdecke ich eine leichte Säure, wieder etwas Pfirsich und Grapefruit. Alles leicht würzig, spritzig und ordentlich frisch. Einfach, aber nicht langweilig.
Ach ja, der Preis… Mist, natürlich mal wieder nicht aufgeschrieben. Ich glaube es waren um die 8 Euro.
Das erfreut.

[Gefunden bei... Karstadt.]

2005 Carnutum Cuvée [Weingut Markowitsch]
Montag, 1. Mai 2006

Marko Carnutum

Ich habe geschwankt. Hatte ja erst einen jungen Zweigelt, der mich nicht sooo vom Hocker gerissen hat. Hab dann aber doch zugeschlagen, fand die Idee mit der Brailleschrift auf dem Etikett nämlich entzüüückend. Auch die Tatsache, dass es sich beim Carnuntum Cuvée nicht um einen reinrassigen Zweigelt, sondern eben eine Cuvée aus 80% Zweigelt und 20% Pinot Noir handelt, hat mich schwach gemacht.
So kommt mir der Wein zwar auch wieder recht jung vor, aber doch etwas interessanter.
Leicht fruchtig in der Nase, vielleicht sogar etwas erdig mit einem Schwung Kräuter. Auch im Mund, fruchtig, ein touch reife Kirschen. Leicht und samtig.
Ja, passt. Bei einem Preis von 11 Euro ist für mich das Preis-Leistungsverhältnisses allerdings gerade noch im grünen Bereich. Gerade noch.

[Gefunden bei... Karstadt.]

2004 Naumburger Steinmeister Müller Thurgau Spätlese Fruchtig [Winzerhof Gussek]
Montag, 1. Mai 2006

Gussek Spätlese

Vor mir standen zwei Naumburger Steinmeister. Ich hatte die Qual der Wahl zwischen “Kabinett Feinherb” und “Spätlese Fruchtig”. Schließlich wurde ich “gezwungen”, mich für “Fruchtig” zu entscheiden. Um es vorweg zu nehmen, es war keine schlechte Enscheidung. Haben doch Saale-Unstrut-Weine immer noch den Nimbus des knacksauren Plombenziehers. Käse.
Dieses Weinchen ist wirklich im positivsten Sinne des Wortes fruchtig. Es schnuppert rund, nach einer Mischung von Zitrone und Apfel. Auch im Mund: Frucht! Apfel, Zitrus, Honig. Mild und kaum Säure.
Wenn es mal etwas fruchtiger sein darf, genau richtig. Für exakt 8,99 Euro. (Und im Weingut schon für 6,70 Euro zu haben!)
Wirklich guter Stoff! Für alle die es nicht zu trocken wollen. Für Frauen. Und auch für Männer.

[Gefunden bei... Galeria Kaufhof Halle/Saale.]

2004 Zweigelt Klassik [Weingut Pittnauer]
Montag, 1. Mai 2006

Pittnauer

Aaahhh, das Etikett kenn’ ich doch! Pannobile. Der Pannobile von Pittnauer soll ja eines der Aushängeschilder des Burgenlandes sein. Hatte ich aber noch nicht auf dem Tisch, bei einem Preis von ca. 30 Euro nimmt man den ja auch nicht so nebenbei mal mit…
Im Vergleich dazu mutet mir der Zweigelt Klassik für knapp 10 Euro ja fast schon wie ein Schnäppchen an.
Er riecht jedenfalls ziemlich fruchtig. Fast schon nach Most, schwarze… rote Johannisbeeren. Tja… schmeckt recht leicht und samtig, aber nicht dünn. Ein angenehmer Wein, aber nicht wirklich was aufregendes. Vielleicht auch noch etwas zu jung. Ich gebe zu, ich hatte mir da schon mehr versprochen.
“Is a bissl fad.”

[Gefunden bei... Karstadt.]

2003 Müller-Thurgau Trocken [Klaus Zimmerling]
Dienstag, 25. April 2006

Zimmerling 03

Es gibt Leute die sagen, die Weine von Zimmerling wären die besten aus Sachsen. Ach Gott, ja… Hmmm… Sowas ist ja immer relativ.
Auf jeden Fall sind Zimmerlings Weine in zweierlei Hinsicht schon mal etwas Besonderes. Erstens sind sie schwer zu bekommen und zweitens haben sie ein nettes Etikett. Selbiges, besser gesagt das Motiv, stammt von Zimmerlings Frau, der Holzbildhauerin Malgorzata Chodakowska. Und jeden Jahrgang ziert ein neues Motiv.
Ach so, der Wein. Recht leicht und fruchtig in der Nase. Im Geschmack ein angedeuteter Apfel, eine milde Säure. Ja und irgendwie noch etwas von Blumen. Passt auf jeden Fall sehr gut zum Frühling. Und die ca. 11 Euro gehen für einen solchen Exoten auch klar. Zumal es sich in diesem Fall um eine 0,75er Flasche handelt. Nicht um eine 0,5er, wie sonst bei Klaus Zimmerling.

[Gefunden bei... Karstadt Dresden.]

2004 “Laurenz und Sophie” Singing Grüner Veltliner Laurenz V.
Sonntag, 23. April 2006

Laurenz und Sophie

Och wie süüüüß. Ein schönes Etikett wird sich mancher denken. Ich gebe zu, selbiges hat auch mich neugierig gemacht. Auf jeden Fall originell.
Wenn jetzt aber jemand denkt, aus einem ’süßen’ Etikett lässt sich mal schnell auf den Inhalt schließen, der wird sich wundern. Denn hierbei handelt es sich zwar um einen ‘Singing’, aber immer noch um einen Grünen Veltliner. Und süß sind die wohl eher nicht.
Sondern eher von der kräftigen Art. Ein intensiver Duft. Aber nicht nach Früchten, klar. Und im Geschmack, natürlich Pfeffer, etwas scharf und ein wenig Apfel. Also für die, die wissen was mit einem Grünen Veltliner auf sie zukommt, geht der Wein sehr in Ordnung. Und für knapp 8 Euro auch. Auch wenn es kein Überflieger ist.

Ach, noch ein paar Anmerkungen. Das ‘Singing’ beim Grünen Veltliner, deutet natürlich nicht auf eine neue Rebsorte hin. Es ist die Einsteigerlinie von Laurenz V. Dahinter steckt u.a. Laurenz Maria Moser V. Der Laurenz Moser der fünften Generation, darum die V.
Die anderen Grünen Veltliner sind der ‘Friendly’ und der ‘Charming’. Und Sophie ist die Tochter von Laurenz Maria Moser. Aber das konnte man sich jetzt ja schon fast denken.

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

2003 Domaine Ballicconi Faugères AC
Sonntag, 23. April 2006

Balliccioni

Ein Italiener in Frankreich? Yep! Und dann noch ein Faugères. Ein Exot. In der Nase würzig und rustikal, ‘ne Menge Holz. Auch im Geschmack. Holz, viel Holz. Aber trotzdem nicht unangenehm. Schööön trocken und… ja, ganz hinten irgendwo ein leichtes Aroma von Vanillepudding. Auf jeden Fall ein Wein mit dem man sich im positiven Sinne mal auseinandersetzen mag. Ja, ist die knapp 9 Euro schon mal wert.

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

2005 Mount Vernon Sauvignon Blanc Marlborough
Sonntag, 23. April 2006

Mount Vernon

Marlboro? Marlborough ist das größte Weinanbaugebiet Neuseelands und hat somit gar nüscht mit Glimmstengeln oder Cowboys zu tun. Nichts mit amerikanischen Cowboys.
Jedenfalls kommt dieser Sauvignon Blanc eben aus Marlborough.
Ein nach reifen Stachelbeeren, Vanille und ganz doll nach Grapefruit schnuppernder Neuseeländer. Wer jetzt denkt, das wäre ein ganz doller lekaaa Wein zum wegpicheln, der irrt. Mit einer ziemlich dominanten Säure und mit einem gewissen Zitronenaroma. Ein recht schwerer Weißwein. Der ist nichts zum einfach wegtrinken. Den ‘04 hatte ich doch etwas “runder” in Erinnerung. Für knapp 8 Euro. Hmmm…

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

2003 Tu Le Mérites [SHP Wein-Cooperation]
Sonntag, 16. April 2006

Tu Le Merites

SAP? He? SHP! Was’n das? Tu Le Mérites? Bordeaux? Nix da!
Hinter der SHP Wein-Cooperation “verbergen” sich die Herren Thomas Hensel, Karsten Peter und Markus Schneider. Die jungen Wilden aus der Pfalz. Und der ‘Tu Le Mérites’ ist ihr gemeinsames Projekt.
Ausnahmsweise verdarben hier einmal nicht viele Köche den Brei. Der ‘Tu Le Mérites’ ist ein Cuvée aus Portugieser und Cabernet Sauvignon. Riecht leicht fruchtig, mit etwas Holz. A little bit… Holz. Sehr harmonisch. Im Geschmack ebenfalls etwas fruchtig, mit einer schönen Portion Leder und Rauch.
Ein Wein für große Jungs. Für 13 Euro zwar nicht geschenkt, aber absolut sein Geld wert. Sehr schön.

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

2004 Spätburgunder “Tradition” Trocken [Franz Künstler]
Sonntag, 16. April 2006

Künstler Spätburgunder

Manche Weingüter sind echte Künstler auf ihrem Gebiet. Und eines heißt sogar so. Das Weingut Franz Künstler im Rheingau. Mit einer großen Fangemeinde, die ihm nach den etwas “dünnen” Jahrgängen 2000/2001 die Stange gehalten hat. Mit Recht, laut Gault Millau 2006 soll die aktuelle Kollektion wieder auf altem, hohem Niveau sein. Das kann sein, beurteilen kann ich das nicht.
Beurteilen kann ich aber diesen 2004 Spätburgunder “Tradition” Trocken.
In der Nase recht fruchtig. In die Richtung Kompott, Sauerkirschkompott. Geschmacksache.
Apropos, Geschmack. Den finde ich leider etwas enttäuschend. Ja, Substanz ist vorhanden. Ein Hauch von Kräutern. Dill?! Hmmm? Aber eine dominante Säure, mir etwas zu dominant. Tanzt einen förmlich auf der Zunge etwas vor. Auch der Alkohol ist mir etwas zu aufdringlich. Für 9 Euro nicht unbedingt mein Fall. Sorry.

[Gefunden bei... Karstadt.]

2003 Domaine de St. Eugène Classique [Les Trois Tomates]
Donnerstag, 6. April 2006

Le Trois Tomates

*Pieek* Diese Flasche sticht ins Auge. Sie erinnert mich an den Garçon einer Brasserie mit langer, gestreifter Schürze. Pas mal, Pascal!
Riecht aber nicht nach Kneipe, sondern sehr würzig und nach dunklen Beeren.
Ich schmecke schwarze Johannisbeeren, Lakritze… etwas Vanillie noch. Vielleicht hat mein Gehirn die Geschmacksnerven etwas an der Nase herumgeführt, aber ich glaube ganz tief in diesem Wein einen Hauch von saftigen Tomaten zu schmecken. Das gefällt mir. Jedenfalls sehr würzig und schöööön trocken.
Für knapp 11 Euro.
Und hinten drauf gibt es Infomationen. Eine Flasche mit echten Informationen. Kein “Eignet sich besonders zu Wildgerichten”. Richtige Informationen, Sorten, Herstellung, Reife, optimaler Trinkzeitpunkt usw.
Da hat sich jemand Mühe gemacht. Bei Inhalt und Verpackung. Kaufen!

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für Alle!]

2004 Semillon Sauvignon Blanc Blue Reef [Murray Darling]
Mittwoch, 5. April 2006

Blue Reef 05

Gut, ich bin mal wieder voreingenommen. Ich stehe auf schöne Weinetiketten. Wer Wert auf ein schönes Etikett legt, der legt auch Wert auf einen guten Inhalt. Allerdings haben die Australier mich bislang noch nicht sonderlich überzeugt. Wird das jetzt anders?
Ein intensiver Duft. Fruchtig, frisch. Ich würde sagen Grapefruit. Schön.
Geht geschmacklich aber eher in die Richtung Pfirsich. Sehr angenehm und ziemlich leicht. Auf keinen Fall eine Enttäuschung.
Achja. Mit Schraubverschluss. Diiiiicker Zusatzpunkt.
Kein Megahammer, aber für ca. 7 Euro ein schönes Tröpfen. Genau richtig für draußen.

[Gefunden bei... rotweiss. Wein für alle!]

2005 Riesling Kabinett Trocken [Weingut Pawis]
Dienstag, 28. März 2006

Der Kollege des Grauen Burgunders. Mit 8,50 Euro die gleiche Preisklasse. Wie ich finde, sogar noch einen Zacken besser. Rund, süß, ein Hauch von Holunder(?) in der Nase. Und im Geschmack! Prickelnd, erfrischend, (nicht ganz) reife Pfirsiche, milder Alkohol. Riesling at its best. So schmeckt ein Supersommer. Für den Preis!

[Gefunden bei... Weingut Pawis.]

2005 Grauer Burgunder Trocken [Weingut Pawis]
Mittwoch, 22. März 2006

Freyburg/Unstrut ist mehr als nur die Rotkäppchen Sektkellerei. Im Raum Freyburg gibt es mehr zu entdecken. Das Weingut Pawis zum Beispiel. Prädikatsweingut und Dreitraubenträger im Gault Millau 2006. Die können sich doch nicht irren? Oder?
Nein. Schon dieser Einsteiger, der Grauburgunder hat was. Fruchtige Aromen (Apfel, I think.) flattern leicht, aber nicht flach durch Nase und Gaumen. Für einen Grauburgunder eine ganz schön üppige Säure, die aber trotzdem ziemlich elegant. So schmeckt der Sommer. Und der darf dann auch gerne 8,50 Euro kosten.

[Gefunden bei... Weingut Pawis.]

2004 Grüner Veltliner Leopoldi [Rossmann]
Dienstag, 21. März 2006

Leopoldi

Die Drogeriekette Rossmann hat es irgendwie geschafft auch als ganz ordentlicher Weinanbieter zu gelten. Der 2004 ‘Les Trois Moulins’ Cabernet Sauvignon ist zum Beispiel gar nicht übel. Und? Wie sieht es mit dem Leopoli aus?
Das Aroma überrascht nicht. Eine leichte Pfeffernote. Das kann man erwarten. Geschmack? Frisch und mit einem ordentlichen Aroma von Zitrusfrüchten. Allerdings ist er etwas zu pelzig. Trotzdem. Ein sehr ordentlicher Alltagswein für 3,95 Euro.

[Gefunden bei... Rossmann.]

2003 Pfalz Rotwein ‘Alte Reben’ [Markus Schneider]
Montag, 20. März 2006

Rotwein Alte Reben Schneider

Was haben Vasco da Gama und der Rotwein ‘Alte Reben’ gemeinsam? Beides sind alte Portugieser. Aber dieser Rotwein ist kein alter Sack. Aber auch kein junger Hüpfer. In der Regel sollen die Portugieser ja langweilig und dünn sein.
Dieser ist weder langweilig, noch dünn! Samtig, weich und doch kraftvoll. Sehr angenehm im Geschmack. Eine Holznote so wie sie sein sollte. Apropos Holz. 13 Euro für eine Flasche Wein mag für manche eine Menge Holz sein, aber in diesem Falle ist jeder Cent gut angelegt.
Der kommt in meine persönlichen Top Ten.
Einen Haken hat die Geschichte aber doch, der Jahrgang 2003 dürfte inzwischen raus sein. Aber der 2004 ist bestimmt genauso gut.

[Gefunden bei... Rotweiss. Wein für Alle!]

2005 Sauvignon Blanc Marlborough [Mont Vernon]
Mittwoch, 15. März 2006

Marlborough Mount Vernon 05

Wie würde ein Wein riechen, der aus Grapefruits gemacht wird. Wahrscheinlich so wie dieser.
Zum Glück schmeckt er aber nicht nach Grapefruits, sondern nach Sauvignon Blanc. Naja, ordentlich fruchtig ist er schon. Typisch. Prickelt und irgendwo, ganz hinten erkenne ich auch etwas Cassis. Nur beim runterschlucken, da sind sie wieder die Grapefruits. Vielleicht etwas zu heftig. Für Freunde herber Zitrusfrüchte ein Muss, für andere eventuell nicht. Trotzdem, kein so schlechtes Tröpfchen für ganz knapp unter 8 Euro.

[Gefunden bei... Rotweiss. Wein für alle!]

2001 Paternina Crianza Rioja Banda Azul
Mittwoch, 8. März 2006

Paternina Rioja

Natürlich muss man in einem Rioja die Tempanillo-Trauben schmecken. Etwas verkochtes Johannisbeer-Kompott, dazu etwas Rauch und Leder. Würzig. Ebenso im Geschmack. Voll, rund und leicht fruchtig. Nicht zu schwer, aber auch kein Flattermann.
Und jetzt kommt das Beste. Den gibt es für unter 5 Euro an fast an jeder Ecke, in (fast) jedem Supermarkt. Der ideale “Ich brauch noch schnell einen ordentlichen…” – Wein zum mitbringen.

[Gefunden bei... Kaufland.]

2003 Burkheimer Cuvée Lazarus
Mittwoch, 8. März 2006

Burkheimer Cuvée Lazarus

Der Heilige Lazarus. Er ist Patron der Metzger, der Totengräber, Bettler, Aussätzigen und der Leprosenhäuser. Oh oh, das klingt ja vielversprechend.
Und richtig. Im positiven Sinne. Der rote Lazarus kommt im Geruch sehr voll und warm daher. Sehr sauber auch im Geschmack. Irgendwie nach Schokolade. Ist da ein Shiraz/Syrah mit drin? In Baden? Hmmm… Doch, der schmeckt. Und über allem schwebt ein Hauch von Vanille.
Da kommt etwas sehr ordentliches vom Kaiserstuhl.

[Gefunden bei... war ein Präsent.]

2003 Honigberg Riesling Trocken [Weingut Bollig Mühlenhof]
Mittwoch, 8. März 2006

Last but not least – Die Spitze der ‘Bei Anruf Wein’-Kollektion. Zumindest beim Preis, mit 9 Euro die Flasche. Und tatsächlich, der Honigberg Riesling ist wirklich der Beste. Dieser Auswahl. Leicht fruchtig und mit einer Spur Hollunder in der Nase. Im Geschmack kräftig, etwas Frucht und eine Hauch von Honig. Allerdings macht sich die Säure etwas zu derb breit. Allerdings etwas unspannend und leicht langweilig.
Da könnte man ja eigentlich… Oder?! Gäbe es da nicht andere (kleine) Winzer, die für den gleichen Preis wunderbare Weinchen zaubern. Sogar unter schwierigeren klimatischen Bedinungen. Da bleibt hier nur die Feststellung, höchstens Durchschnitt. Höchstens!

[Gefunden bei... siehe 'Bei Anruf Wein'.]

2004 Spätburgunder Rotwein Trocken [Weingut Bollig Mühlenhof]
Mittwoch, 8. März 2006

Und wieder einer von ‘Bei Anruf Wein’. Macht es der Rote besser als die Weißen?
Durch die Nase kommt er ziemlich schwer, etwas muffig daher. Ihm hat es in der Flasche offenbar nicht sonderlich gefallen. Das macht er aber mit seinem Geschmack wett?! Nein, auch nicht wirklich. Dieser Spätburgunder möchte wohl gerne eine Weinbrandbohne vom Billig-Discounter sein. Was an Geschmack fehlt, versucht er mit Alkohol auszugleichen. Das geht zwar irgendwie , macht aber keinen Spaß.

[Gefunden bei... siehe 'Bei Anruf Wein'.]

2003 Chardonnay [Weingut Bollig Mühlenhof]
Mittwoch, 8. März 2006

Der nächste von ‘Bei Anruf Wein’. Oh man, was kann ein Chardonnay alles sein. Dieser kommt sehr muffig daher. Stark erdig, wenn man es mal sehr vorsichtig ausdrücken möchte. Man hat das Gefühl, man läuft einem Pferd hinterher. Auf der Zunge ist er zwar leicht nussig, aber kratzig, scharf und unharmonisch. Korkschmecker? Auf jeden Fall grob fehlerhaft, wie der Fachmann jetzt sagen würde. Da hat man keine Lust auf einen weiteren Schluck. Nein, Danke!

[Gefunden bei... siehe 'Bei Anruf Wein'.]

2001 Laymühle Riesling Trocken [Weingut Bollig Mühlenhof]
Mittwoch, 8. März 2006

Laymühle

So, einer der ‘Telefonmarketing-Weine’. Riesling, klingt gut. Auch wenn das Weingut nicht in aller Munde ist? Warum nicht?!
Er schnuppert schon mal typisch nach Riesling. Leicht fruchtig, aber etwas scharf. Hmmm…?! 2001? Könnte es sein, dass dieser Riesling seine besten Jahre schon hinter sich hat?
Offenbar. Was in der Nase noch ganz nett war, ist im Mund ganz und gar nicht nett. Eine aufdringliche, penetrante Säure. Bissig, unharmonisch. Der musste wohl dringend weg?!
Und für 7 Euro, hart an der Schmerzgrenze. Nee, das ist schon drüber. Selbst mit “kleines Weingut, viel Arbeit”-Bonus.

[Gefunden bei... siehe 'Bei Anruf Wein'.]

2005 Talisman Ruby Cabernet-Cinsault
Montag, 6. März 2006

Talisman

Ein Wein für 3 Euro? Von Plus? Was soll’n das schon… Eine langweilige süße Plärre vielleicht.
Nein, nicht wirklich. Sagen wir mal unauffällig und rund bis auf… ein ausgeprägtes Pfefferaroma. Wie ein Pfeffersteak. Im Geruch und Geschmack. Ich frage lieber nicht, wie die das hinbekommen haben.
Also, kein Überflieger, aber zumindest interessant. Und das kann nicht jeder von sich behaupten.

[Gefunden bei... Plus.]

2003 Chateau Hauterive Le Haut Corbières
Montag, 6. März 2006

Corbieres

Vielleicht bin ich hier etwas voreingenommen. Ich bin ein Corbières-Freund. Darum hat es dieser auch leicht bei mir. Trotzdem, er braucht gar kein Gefälligkeitsgutachten. Nö. Es ist ein sehr schöner Corbières, er macht es einem leicht. Der geht einem nicht auf den Sack, ohne dabei belanglos zu sein. Ein leckeres Kirscharoma und am Gaumen selbstverständlich samtig und mild und seidig.
Da kommt man gerne wieder und findet die 8 Euro gut angelegt.

[Gefunden bei... Karstadt]

2004 Chardonnay Altkirch [Schreckbichl/Colterenzio]
Dienstag, 28. Februar 2006

Schreckbichl

Sütirol im Winter ist Ski fahren, snowboarden. Südtirol im Frühling ist nur was für alte Leute. Quatsch. Dieser Wein ist Südtirol im Frühling. Er riecht würzig, nach Honig. Nach Lorbeer und Blumen.
Und, er hält dieses Versprechen auch im Geschmack. Ein sehr guter Chardonnay. Eine milde Säure, die langsam abklingt und… Ja, er schmeckt einfach nach Blumenwiese und Frühling. Und das für unter 8 Euro.
Italien ist nicht nur Toskana, Piemont, Venetien und Co!

[Gefunden bei… Mövenpick Weinland.]

2002 Chianti Classico Piccini
Montag, 27. Februar 2006

Chianti Piccini

Dieser Wein wurde in der klassischen Zone des Chianti-Gebietes erzeugt und vinifiziert. Genießen Sie ihn bei Zimmertemperatur zu kräftigen Fleischgerichten.

…damit Sie nicht merken, dass er allein ziemlich charakterlos ist? Moment, wir haben hier einen Vertreter des Consorzio! Der muß doch…?! Tut er aber nicht. Irgendwie fruchtig in der Nase, ich tippe mal auf Johannisbeere. Bei einem Chianti? Hmmm…
Im Mund leider keine Ecken. Nein, auch nicht harmonisch und rund. Er ist flach bis belanglos. Hallo?! Wir haben hier einen ‘Gallo Nero’, einen schwarzen Hahn aus Italien. Da will ich Pfeffer sehen und kein Weichei!
Für ebenfalls 6 Euro, gab’s hier einen Chianti Classico der um Welten besser war.

[Gefunden bei… Marktkauf.]

2003 ‘Jacob’s Creek’ Shiraz Cabernet
Donnerstag, 23. Februar 2006

Jacob's Creek

Very British. Hä? Es handelt sich doch um einen Australier?! Stimmt, aber die ‘Jacob’s Creek’ Weine sind auch Marktführer im Vereinigten Königreich. Außerdem haben beide eine Vorliebe für ‘Chips’. Die Briten für ‘Fish and Chips’ und ‘Jacob’s Creek’ für Eichenchips. Letzere offenbar so sehr, dass sie sogar eine eigene Fabrik dafür haben. Das riecht nach Masse.
Zuerst einmal riecht der ‘Jacob’s Creek’ Shiraz Cabernet nach Rumtopf. Im Gaumen wird daraus ein Wein, der mit einem leichten Kirscharoma zu gefallen versucht. Sich aber eher mit Alkohol und präsenten Gerbstoffen als kleine Kratzbürste herausstellt. Für unter 5 Euro ist das nicht toll, aber ok.
Ich bin weiter auf der Suche, nach dem Australier der mich begeistern kann.

[Gefunden bei… real.]

2004 Carménère Santa Inés, Maipo Valley
Mittwoch, 22. Februar 2006

Santa Inés

Ja das erwartet man von einem Chilenen. Fruchtig, Brombeere i think, sowie ordentlich Pfeffer in Form von Alkohol. Er hat viele Ecken und Kanten, wie ein Zahnrad (Thanks, Herr K.). Aber ein Zahnrad welches den Wein ordentlich antreibt. Der wäre bestimmt nichts für Erich und Margot Honecker. Aber für viele viele andere.
Die Chilenen sollte man im Auge behalten.

[Gefunden bei… rotweiss. wein für alle!]

2002 Chateauneuf du Pape [Domaine la Crau des Papes]
Mittwoch, 22. Februar 2006

Domaine la Crau des Papes CdP 02

Jaja, der Papst. Der Vertreter Gottes auf Erden. Das lass ich mal so stehen. Mir ist aber noch nie ein Chateauneuf du Pape untergekommen, der der Vertreter Gottes unter den Weinen ist. Aber auch noch nicht das Gegenteil. Auch dieser Vertreter bleibt dieser Tradition treu.
Schnuppert schön nach Brombeere. Schmeckt holzig, sogar derb holzig. Aber nicht nach Wald. Hat ordentlich Alkohol und hinterlässt auf der Zunge ein trockenes, pelziges Feeling. Da möchte man immer ein Glas ‘Volvic’ dabei haben.
Nicht göttlich, aber auch nicht schlecht.

[Gefunden bei… War un présent. Wieder mal.]

2004 ‘Les Trois Moulins’ Cabernet Sauvignon [Rossmann]
Mittwoch, 22. Februar 2006

Les Trois Moulins

Gegen Windmühlen anzurennen ist keine leichte Sache. Davon kann Don Quijote ein Lied singen. Auch Stuart Pigott. Als er behauptete, dass die Weine von Rossmann nicht übel und dazu noch preisgünstig seien. Die Windmühle in diesem Falle hieß Bruno Bruni, der sich maßlos darüber aufregte. Nur ein teurer Wein könne gut sein, besser teuer bedeutet automatisch gut.
Und ‘Les Trois Moulins’ von der Drogeriekette Rossmann ist nicht teuer. Also auch nicht gut?
Ok, kurz nach dem öffnen schnuppert er schon etwas nach Keller. Das ist aber schnell verflogen. Dann grüßt ein französischer Cabernet Sauvignon. Doch, doch. Er stellt sich als runder, satter Rotwein dar. Mehr ist er nicht, mehr will er aber auch nicht sein. Für knapp vier Euro kann man nicht meckern.
Für Geizige. Und für alle, denen die Franzosen sonst zu eckig sind.

[Gefunden bei… Rossmann.]

2002 Sammicheli Chianti Classico
Donnerstag, 16. Februar 2006

Sammicheli

Sie fällt schon auf, diese Flasche Chianti Classico. Orange wie ein Steckenposten auf der Autostrade A1 zwischen Firenze und Siena. Nötig hat er diese Signalwirkung eigentlich nicht, trägt er doch das Zeichen des Consorzio um den Hals, den schwarzen Hahn. Ein Zeichen von Qualität.
Oder etwa doch nicht?
Nein, keine Angst. Der Sammicheli Chianti Classico ist genau das, was man von einem hochwertigen Chianti Classico erwartet.
Riecht kräftig, aber nicht auftringlich. Etwas nach Lorbeer vielleicht. Schmeckt nach Espresso, etwas scharf, würzig, frisch. Nach Italien, aber nicht nach Fiat. Kein teurer und protziger Ferrari, aber ein sehr guter Alfa Romeo. Schick, aber ohne Verarbeitungs-Mängel. Bei diesem Chianti Classico zumindest.

[Gefunden bei... War ein Geschenk, kann ich leider nicht sagen.]

[Nachtrag]
Ich habe nachfragen dürfen. Ein Weihnachtsangebot bei ‘Plus’ für unter 6 Euro! Sehr schick.

2004 Bensheimer Kalkgasse Riesling Kabinett Trocken [Domaine Bergstraße]
Mittwoch, 15. Februar 2006

2004 Bergheimer Kalkgasse

“Erbarme, die Hesse komme!”. Warum sehen deren Etiketten oft so aus, als ob sie direkt aus dem Weinkeller des Führers kommen?
Kalkgasse von Bensheim? Ist der Wein modrig, von gestern, aus und vorbei?
Nix da! Fruchtig, würzig und anana(s)sig in der Nase. Eine sehr angenehme Pfirsichnote im Geschmack. Das der Alkohol sehr präsent im Mund herumwuselt, stört nicht. Im Gegenteil. Das macht ihn nur noch interessanter.
Kein Weichei, ein sehr leckerer Charakter. Um die 7 Euro.
“Erbarme, die Hesse komme!”. Auf diese Art, immer gerne!

[Gefunden bei Karstadt]

2002 Rawson’s Retreat Semillon Chardonnay [Penfolds]
Sonntag, 12. Februar 2006

Rawsons Retreat 2002

Ob der “Grange” von Penfolds wirklich so gut ist, wie sein Preis, kann ich nicht beurteilen. Dafür müsste mir mal einer unterkommen.
So wie der “Rawson’s Retreat”. Es sieht ja ganz nett aus, schöne goldene Farbe. Drängt sich auch nicht im Geruch sonderlich auf. Er riecht von gar nicht bis etwas nach Quitte.
Aber der Geschmack. Man hat das Gefühl, er sei einige Wochen quer durch Australien gekutscht worden, meint Herr K., in einem Tanklaster bei 40 Grad. Plus.
Will sagen, sehr präsente Säure. Nur Säure und die kommt penetrant, hässlich.
Zum Kochen und wenn nichts anderes im Haus ist, ja. Aber sonst nicht! Und bei einem Preis von ca. 7 bis 8 Euro, schon gar nicht!

[Gefunden bei METRO Cash & Carry]

Podcast #2: Kunstwein? Woodbridge vs. Koonunga Hill.
Dienstag, 31. Januar 2006

Download MP3 Download Episode 2 (sorry, offline)
Wird uns der Wein versaut? Ist der “Kunstwein” das Ende der Weinkultur?
Der Kunstwein wird in seine Bestandteile zerlegt und neu ‘komponiert’. Es werden Wasser und Aromastoffe zugesetzt um dem Wein zu verbessern. Vieles ist aber heute schon gang und gebe.

Einiges von dem, was und wo heute schon erlaubt ist:
Die Zugabe von Aromen

  • USA

Die Zugabe von Wasser

  • USA, Neuseeland, Südafrika

Zugabe von Tanninen (Gerbstoffen)

  • Europa, USA; Chile, Australien, Neuseeland, Südafrika

Chaptalisation (Anreicherung des Mostes mit Zucker zur Erreichung einer höheren Alkoholausbeute)

  • Nordeuropa, USA, Neuseeland

Verwendung von Eichen-Chips (um den Eindruck zu erwecken, der Wein kommt aus einem Barrique)

  • USA, Chile, Australien, Neuseeland, Südafrika

Natürlich bedeutet es nicht, dass was erlaubt ist auch zwingend gemacht wird. Wichtig, der Wein muss schmecken. Darum im Podcast, zwei Vertreter aus Gegenden in denen schon einiges möglich ist.

Der ‘Woodbridge’ von Robert Modavi. Ein Cabernet Sauvignon von 2002.

Fazit: Kein Highlight. Möchte zu sehr gefallen, etwas charakterlos, etwas zu fruchtig. Geht aber als Alltagswein und Einsteiger in die Mondavi-Welt in Ordnung.
Bezugsquellen:
Galeria Kaufhof
Karstadt
Supermarkt u.a.

Sowie, der Koonunga Hill von Penfolds. Ein Shiraz Cabernet von 2003.

Koonunga Hill

Fazit: Ebenfalls kein Highlight. Etwas wenig Charkter, aber nicht so aufdringlich marmeladig und etwas runder als der Woodbridge. Geht ebenfalls als Alltagswein und Einsteiger gut durch.
Bezugsquellen:
Hanseatisches Wein & Sekt Kontor
Galeria Kaufhof
Karstadt
rotweiss – Wein für Alle u.a.