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Winzer Spezial: Frédéric Fourré
Mittwoch, 9. Juni 2010

Wenn man aus der Mitte von Paris kommt, gibt es eigentlich nicht viele Gründe diesen Ort, zumindest für längere Zeit, zu verlassen. Das war auch bei Frédéric Fourré so. Erst im zarten Alter von 27 Jahren ging er im Rahmen seiner Sommelier-Ausbildung für sechs Monate nach Ammerschwihr ins Elsass.
Um Paris dann wirklich zu verlassen, brauchte es schon einen wichtigen Grund. Eine Frau zum Beispiel. Seine Frau zum Beispiel.
Diese verschlug es 1993 nach einem Engagement in Oldenburg nach Dresden an die Sächsische Staatsoper. Diese ist auch als Semperoper bekannt und wird manchmal mit einer Brauerei verwechselt.
Diese Konstellation brachte aber zwei Probleme mit sich.
Erstens, Frédéric Fourré war mit seiner Sommelier-Ausbildung noch nicht fertig. So mussten die beiden über fünf Jahre eine Fernbeziehung führen.
Zweitens, die Sprache. Fourré hatte an der Schule Spanisch gelernt, aber kein Deutsch. Als er 1998 endgültig nach Dresden kam, hatte sich dies zwar schon geändert, für den Beruf des Sommeliers reichte das aber noch nicht.
Trotzdem war man im Hotel Taschenbergpalais so angetan von ihm, dass er zunächst einen Job als Chef de Rang bekam. Also ging er in den ersten sechs Monaten morgens in die Sprachschule und abends ins Restaurant.
Inzwischen auch als Sommelier dort angekommen, konnte er sich vorstellen selbst ein paar Reben zu bewirtschaften.

Da traf es sich gut, dass er in der Zwischenzeit Karl-Friedrich Aust kennen gelernt hatte. „Alles was ich vom Winzern und vom Weinberg kenne, habe ich von ihm gelernt“, denn inzwischen hatte es tatsächlich mit seiner eigenen Weinbergsfläche geklappt. Und zwar so gut, dass er vor fünf Jahren, von der Dresdner Neustadt in die Nähe seiner Reben, in die Radebeuler Bennostraße zog.
Das eigentliche Weingut befindet sich aber bei Karl-Friedrich Aust, mit dem er auch persönlich befreundet ist. Nicht unbedingt selbstverständlich unter Winzern, auch in Sachsen nicht. Trotz dieser räumlichen und persönliche Nähe ist der Wein von Fourré auch wirklich der Wein von Fourré.
Das schmeckt man. Die Weine von Fourré sind einen Tick schlanker und herber als die Aust’schen. Mal durchaus französisch und dann wieder sehr deutsch.
Deutsch oder besser Ostdeutsch ist auch das Erbe, welches er übernommen hat. Die Artenvielfalt aus DDR-Zeiten. So kamen am Anfang auf zehn Stöcke auch schon mal zehn verschiedene Sorten. Wie zum Beispiel Müller-Thurgau, Riesling, Grauburgunder, Gutedel, Weißburgunder und Traminer. Dazu kommt noch die Scheurebe. „Ich mag diese Traubensorte“ und Morio Muskat. Der ist zwar „sehr schwierig im Weinberg, hat eine dünne Haut und sobald er reif ist, fault er“, meint Fourré. Aber als Wein ist er wunderbar und geht bei Weinfesten immer sehr gut.
Alle Weine gibt es übrigens ausschließlich als sächsischen Landwein. Damit ist er aber in Sachsen nicht ganz allein und „man hat einfach mehr Freiheiten.“
Absatzprobleme gibt es also keine und Frédéric Fourré könnte durchaus mehr verkaufen.
Allerdings hat er nur knapp 0,5 ha auf der Steillage „Radebeuler Goldenen Wagen“. Insgesamt hätte er schon gerne die magischen vier Hektar um vom Weinbau allein leben zu können. Keine einfache Aufgabe. Steilhänge gibt es zwar noch, aber Fläche, um auf Menge zu kommen ist sehr knapp.
Da muss man den Wein mit dem Barockengel auf dem Etikett selbst in der Gegend schon suchen.
Am besten bekommt man die sächsischen Franzosen also direkt ab Weingut. Oder im Weinhaus Aust, wo man auch immer wieder Frédéric Fourré antrifft.

Kontakt:
Weingut Frédéric Fourré
Bennostrasse 41
D-01445 Radebeul

Telefon: +49 (0)351 80 11 345
E-Mail: fourre.fred(at)t-online(punkt)de
Web: …

Weinhaus Aust
Weinbergstrasse 10
D-01445 Radebeul
Web: www.weingut-aust.de

Anfahrt:
Auto
Straßenbahn Linie 4, Haltestelle Haltestelle ‘Wasastraße’
S-Bahn S1, Haltestelle ‘Radebeul-Weintraube’

Winzer Spezial: Karl Friedrich Aust
Sonntag, 8. November 2009

Karl Friedrich Aust

Googelt man nach dem Namen Aust liegt Stefan weit vorne. Spätestens aber nach seinem Abgang beim Spiegel könnte sich das langsam ändern. Denn Karl Friedrich ist ihm, zumindest bei Google, dicht auf den Fersen.
Was durchaus erfreulich ist, denn Karl Friedrich Aust ist schließlich Winzer aus dem Elbtal. Und auch kein ganz unbekannter mehr. Inzwischen durchaus auf Augenhöhe mit Zimmerling, Schwarz, Proschwitz… natürlich anders, aber auf Augenhöhe.
Nun könnte man mit seiner Steinmetzlehre in der Dombauhütte in Köln oder mit der Geschichte von Alfred Biolek weiter machen. Aber die Sachen stehen inzwischen schon überall und man soll ja nach vorne schauen. Das ist Karl Friedrich Aust nicht ganz unrecht.
Wein als Bookmark trägt er schon immer mit sich herum. Sein Vater war zwar Zwingerbaumeister in Dresden, aber seine Eltern waren vor der Wende auch Kleinwinzer, sozusagen im Nebenerwerb. Und so etwas färbt irgendwie auch auf die Kinder ab. Spätestens ab 2001 war er sich seiner Sache endgültig sicher und wurde ‘richtiger’ Winzer.
Da passte es doch sehr gut, dass die Familie schon länger im Meinholdschen Turmhaus in Radebeul wohnte. Das klingt zwar mehr nach einem Turm als nach einem Haus. Ist aber ein Gut, mit einem Haus und einem Turm.
Das Weingut auch gleich nach dem Gut zu benennen lag zwar nahe, da Karl Friedrich aber nicht Niewodniczanski hieß, war es nicht zwingend notwendig. Es mache es ihn jeder Hinsicht unabhängiger, auch in der Zukunft.
Aber noch ist hier Platz, selbst wenn es inzwischen mehr als die anfänglichen 0,6 Hektar Weinberge gibt. Auch die zwölf Rebsorten aus der Anfangszeit gibt es noch. Übrigens ein typisches Ost-Ding, denn die Trauben gingen damals zur Genossenschaft. Selber keltern ging praktisch nicht. Und wer Müller-Thurgau als Wein haben wollte, musste Müller-Thurgau in Trauben abliefern. Und wer Vielfalt im Keller wollte, musste für Vielfalt in den Weinbergen sorgen. Inzwischen sind es rund 4,5 Hektar, hauptsächlich Riesling, Müller-Thurgau, Weiß- und Spätburgunder. Ein großer Teil kommt von den Lößböden des Goldenen Wagens, welche die Weine schön mineralisch und knackig machen.
Die 4,5 Hektar sind aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Zwei bis drei könnten es schon noch mehr werden. ‘Aber ganz behutsam’, meint Aust. Auch wenn ihm seine, im Vergleich geringe Menge Wein, praktisch von der Palette gerissen wird.
Am besten holt man sich sein eigenes Kontingent direkt ab Hof. Denn dieser bietet einiges an Mehrwert. Wie die Weltmeisterschaft im Weinkorkenweitwurf und dem Weinhaus Aust. 
Und jenes besucht man am besten im Sommer. Da kann man im Gutshof draußen sitzen und hat gratis dazu noch einen Hauch französisches oder burgenländisches Weinfeeling.
Natürlich bekommt man dort neben lecker Essen (Zwiebelkuchen 4 example) und den Aust’schen Weinen auch noch ein paar Highlights von Winzer-Kollegen wie Klaus Zimmerling oder Frederic Fourré.
Die haben übrigens ebenso wie Aust keine Lust auf Blabla-Angaben wie Qualitätswein b.A. und darum alle Weine unter dem Label ‘Sächsischer Landwein’ verkaufen.
Wer jetzt noch einen Weintipp von mir braucht, der sollte mal die Grau- und Weißburgunder, den Kerner und den Blanc de Noir probieren.

Kontakt:
Weingut Karl Friedrich Aust
Weinbergstrasse 10
D-01445 Radebeul

Telefon: +49 351 893 90 100
E-Mail: winzer@weingut-aust.de
Web: www.weingut-aust.de

Anfahrt:
Auto
Straßenbahn Linie 4, Haltestelle Haltestelle ‘Wasastraße’
S-Bahn S1, Haltestelle ‘Radebeul-Weintraube’

Winzer-Special: Weingut Joachim Lehmann.
Montag, 24. September 2007

LB

Herr Lehmann ist ein Roman von Sven Regener. Herr Lehmann ist auch der dazugehörige Film von Leander Hausmann.
Und Herr Lehmann wohnt im klitzekleinen Ort Diesbar-Seußlitz, etwas elbstromabwärts hinter Meißen. Eigentlich in Seußlitz, darauf legt er Wert, denn Diesbar ist noch klitzekleiner als Seußlitz und verdankt die Aufwertung nur einer mehr oder weniger freiwilligen Gebietsreform von vor ein paar Jahren.
Der Herr Lehmann aus Seußlitz hat mit den anderen beiden Lehmanns eigentlich nicht viel gemein. Das heißt gar nichts.
Denn der Joachim Lehmann ist Winzer. Das dazugehörige Weingut führt inzwischen zwar Joachim junior, aber wie bei manch südländischen Paten führt auch hier am alten Herren kein Weg vorbei. Wir befinden uns schließlich an der ‘Sächsischen Riviera’, eine Bezeichnung bei der auch Herr Lehmann etwas schmunzeln muss.
Aber die Bezeichnung ist Tradition, und Tradition ist wichtig. Da gibt es manches vorzuweisen, denn das Weingut ist inzwischen über 75 Jahre alt. Weltgeschichtlich zwar ein Klacks, aber immerhin hat man in dieser Zeit schon ein paar Systemwechsel überlebt. Selbst vor der Wende, als man die eigenen Trauben mehr oder weniger freiwillig an die volkseigene Meißner Winzergenossenschaft geliefert hat, konnte man sich mit den ‘Seußlitzer Weinstuben’ gut über Wasser halten. Das wusste auch damals schon die lokale Prominenz aus Dresden zu schätzen.
Die Weinstuben nebst kleinem Hotel gibt es auch heute noch, die Trauben gehen allerdings wieder in den eigenen Keller. Sie kommen von einer von ca. 8 ha großen Rebfläche und Weinbergslagen wie ‘Seußlitzer Heinrichsburg’, ‘Seußlitzer Schlossweinberg’ oder ‘Meißner Rosengründchen’. Dahinter verbergen sich die Weine Müller-Thurgau, Bacchus, Weißburgunder, Grauburgunder, Traminer, Riesling, Spätburgunder oder der in diesen Landen eher seltene Zweigelt. Dessen Existenz in Lehmanns Weinbergen ist seinem guten Draht zu einem Herren in Wien zu verdanken, als man eigentlich händeringend nach anderen Sorten wie dem Spätburgunder gesucht hatte. Und da die Weinbergsflächen im Gegensatz zu manchen Rebstöcken nach wie vor knapp sind, teilt man sich auch schon mal mit einem großen Nachbar wie dem Prinzen zur Lippe (Schloß Proschwitz) in die besten Lagen. Die Weine, die von dort kommen, sind allesamt recht klassisch ausgebaut, aber ehrlich, klar und versprühen jede Menge örtliches Terroir.
Wer mag, kann sich dazu in die Weinstube setzen und sich von Joachim Lehmann aufs Beste unterhalten lassen. Das macht er gut und gerne, denn wie er selbst sagt: ‘Jede Kneipe muss einen Lockvogel ham…’.
Damit man danach nicht wie Lehmann aus dem Buch und Film auf dem örtlichen Bürgersteig liegen bleibt, kann man sich der Sächsischen Dampfschifffahrt bedienen, die idealerweise genau vor dem Weingut bzw. Weinstube halt macht, um die vorwiegend älteren Touristen in Richtung Dresden einzusammeln. So könnte man auf dem Heimweg schon mal ein Fläschen öffnen, während der Dampfer gemütlich an Meißen vorbei schippert.

Adresse:
An der Weinstraße 26
01612 Diesbar-Seusslitz
Web:
www.weingut-joachim-lehmann.de (Ist zurzeit nicht wirklich informativ.)

Den Lehmann’schen Wein bekommt man natürlich im hauseigenen Weinverkauf vor Ort.
Sollte man den Weg dorthin scheuen wollen, wird es schon schwieriger. Aber bei einigen Weinhändlern mit regionalem Angebot zwischen Meißen und Dresden, sowie in gut sortierten Konsum-Filialen und in der Feinkostabteilung des Dresdner Karstadt-Kaufhauses wird man möglicherweise fündig.