We, Myself and Wine and Online. [3.Update]

Man mag es nicht glauben, weincasting! geht nun irgendwie in das sechste Jahr und keiner hat was gemerkt.
Aber nun,  nachdem ich im letzten Jahr schon keinen Blick zurück geworfen habe, versuche ich es doch mal mit einem Auge auf das Jetzt und das Morgen.
Ja, die Onlineweinwelt ist bunter geworden. Blogs und Co. bemühen sich kräftig und man nimmt sie war. Mehr als früher jedenfalls. So dürfen Blogger zum Beispiel auch schon mal als solche auf Weinfachmessen.
Auch Presse und Verlage haben sich zaghaft dem Web 2.0 bzw. Wein 2.0 angenommen. (Jaja, inzwischen Begriffe mit einem Bart von hier bis zum Kaiserstuhl. Ich werde versuchen, sie nicht noch einmal zu bemühen.)
Allerdings holt man sich nicht etwa Blogger ins Boot. Man schickt hier und da seine Späher aus, ist natürlich gerne dort mit dabei wo es vermeintlich was zu holen gibt. Ansonsten macht man es selbst. Wer in der Redaktion den Unterscheid zwischen Facebook und Twitter halbwegs kennt, darf sich Onlineexperte nennen und vielleicht sogar in seinem Blog Redaktionsthemen recyceln. Apropos, natürlich arbeitet man fieberhaft an Apps für iPhone und Co. Damit soll ja richtig Geld zu verdienen sein. Da aber hier auch keiner so richtig Ahnung hat, gibt es auch höchstens ein paar digitalisierte Druckfahnen. Man muss ja erstmal abwarten. Vor lauter nachdenken um “Wie können wir schnell, mit wenig Aufwand, möglichst viel Geld verdienen?” bleibt die Kreativität auf der Strecke. Es reicht dann höchstens zum kopieren von vermeintlich erfolgreichen Formaten. Wir erinnern uns an den vergangenen Hype um die Videoblogs.
Hin und wieder steigt ein Journalist herab und erklärt der Onlinegemeinde – mehr oder weniger deutlich – wie doof man doch ist und wie man es richtig macht.
An Inhalten ändert sich nicht viel. Das Internet ist nach wie vor der Wurmfortsatz der Printinhalte. Konkurrenz hat man eh schon genug, die macht man sich nicht auch noch selber.
Alles in allem, eine prima Steilvorlage für Blogs und Co. Und was machen die? Nichts. Na, gut. Nicht viel. Bis auf einige wenige duckt man sich gerne weg und wartet bis das CO2 aus dem Glas raus ist. Nach wie vor gelingt es dem Onlineweindorf am besten Content aus sich selbst heraus zu produzieren. Wenn man sich streitet, dann oft darüber ob oder wie man sich streiten darf und am Ende siegt die Harmonie, will heißen: Wenn Ruhe im Puff ist, dann gibt’s kein Sorgen. Man sucht sich ständig und findet sich selten. Darüber vergisst man oft echte und vor allem interessante Inhalte auch für Außenstehende zu produzieren. Nur ein wenig lockerer und bunter reicht da nicht. Da muss mehr Klartext geredet werden. Und nicht nur im eigentlichen Sinne, sondern auch was ein ordentliches Maß an Transparenz angeht.
Und weincasting? Ich fasse mir bei aller Kritik natürlich auch gehörig selbst an die Nase. Nicht nur die lange Pause hat mir da noch den letzten Rest Staub von den Augen geblasen. Ich habe dieses Blog im letzten Jahr zwar schön aufgehübscht, hier und da sicher noch ein paar Pfeile im Karton, aber das genügt nicht. Die Luft ist raus und es geht auch nicht mehr einfach so nebenher.
Mehr klotzen statt kleckern, mehr ran an das Thema, weniger vor der eigene Tür kehren und mehr hinter die anderen Türen schauen. Das geht natürlich nur mit mehr Aufwand, einer gewissen oder besser, ordentlichen Professionalisierung. Keine Ahnung ob das nach meinen Vorstellungen funktionieren würde, aber einen Versuch wäre es sicher wert.
Ideen hätte ich da schon einige, aber die müssen überdacht… durchdacht werden. Aber ergebnisoffen. Und ein Umsetzen bräuchte Zeit, die ich im Moment und auch noch mittelfristig nicht haben werde. So kann ich mir auch gut vorstellen, bei aller Liebe zum Thema, meine Weinweisheiten in Zukunft für mich zu behalten. Wie dem auch sei, ob es weitergeht oder auch nicht, weincasting! muss, würde anders aussehen. Und das nicht nur in der Form.
Darum kann es zum jetzigen Zeitpunkt nur eine Entscheidung geben, damit es nicht peinlich wird,  um nicht wie manch anderes Blog in der endgültigen Belanglosigkeit zu enden: Dieser Blogbeitrag ist nicht nur der erste, im inzwischen nicht mehr ganz so neuen Jahr. Er ist auch der letzte, ever. Ende, Fin.
Das fällt mir nicht unbedingt leicht, man hat ja auch eine Menge Schweiß rein gesteckt. Aber, man soll bekanntlich aufhören, wenn… Na, Sie wissen schon.
Darum: Muchas gracias, an alle Leser! So Long, and Thanks For All the Fish.

PS. So ganz bin ich ja nicht verschwunden. Wer will, findest mich ja immer noch auf Facebook und Twitter. Und im richtigen Leben, natürlich.
PPS: Die Kommentare lasse ich noch eine gewisse Zeit „offen“. Zumindest so lange, bis kein Interesse mehr besteht.

[Update 10.02.2011]
So, langsam kann ich hier wohl Feierabend machen. Die Anbindung an Facebook ist schon gekappt. Demnächst kann ich wohl auch die Kommentare dicht machen.

[Update 12.02.2011]
Da sich der Bedarf mittlerweile in Grenzen hält, werden die Kommentare nun sukzessive geschlossen.

[Main Update 16.02.2011]
Weil es irgendwie doch noch zum Thema passt, aus aktuellem Anlass, ein kleines Update. Eine neue Generation von selbsternannten “Onlineweinleitmedien” schickt sich an, die alte ablösen. Wenn man aber genau hinschaut, bedeutet “neu” in diesem Falle aber mitnichten “besser”.
Aber vielleicht sind es auch nur Grabenkämpfe unter Weinjournalisten um einen Kuchen, der offensichtlich nur noch für einige wenige reicht.
Es scheint, als ob ich mit meiner Einschätzung nicht so daneben gelegen haben kann.
Eigentlich eine gute Steilvorlage für Weinblogger. Eigentlich.
Zur Erklärung hier zumindest zwei Links, aber nicht direkt. Warum, können Sie sich ja schon denken…
Link 1: http://drinktank.blogg.de/eintrag.php?id=3107
Link 2: http://www.captaincork.com/Weinleute/Weinblogs-das-Schiff-unter-Attacke
Das war’s dann aber wirklich. Danke.

24 KOMMENTARE

  1. Dirk Würtz sagt:

    Jetzt habe ich mich gerade so auf eine neue WC-Lektüre gefreut und dann dieser Abgesang. Das stimmt mich ein wenig traurig, aber Deine Konsequenz verdient allerhöchsten Respekt. Ganz einverstanden bin ich mit Deiner obigen Bestandsaufnahme in Sachen Blogs etc naturgemäß nicht, aber das wird Dich sicherlich nicht überraschen. Ich finde schon, dass einige sehr guten und auch neuen content produzieren. Dass das bei unserem Thema naturgemäß nicht immer einfach ist, ist doch aber klar. Also ich versuche mir schon ein wenig Mühe zu geben…das muss ich jetzt mal so sagen, auch wenn das komisch klingen mag.
    However… ich hoffe doch sehr, dass Du trotz Blogger-Ende, zum Vinocamp kommst…

  2. Pasta sagt:

    Wenn ich jetzt schreibe, dass ich es sehr schade finde, dann ist das so banal wie wahr! Es gab und gibt wenige Blogs die gerne gelesen habe, deiner hat dazu gehört!

  3. [...] This post was mentioned on Twitter by Wuertz, Charles M. Bugnowski. Charles M. Bugnowski said: Endlich, irgendwie: Neuer Blogartikel auf weincasting! Und was für einer: http://bit.ly/ehigdX [...]

  4. Joerg Utecht sagt:

    Erst kürzlich entdeckt – und schon vorbei. Schade. Aber ob der Erklärung nachvollziehbar.

    Obwohl der Text zu Widerspruch reizt:
    Ich kann den Antagonismus “althergebrachter Journalismus” vs. “Bloggerei” nicht erkennen. Zwei paar Schuh, in denen mindesten vier ziemlich verschiedene Füße stecken. Die dann alle auch noch in unterschiedliche Richtungen laufen, um bei diesem schrägen Bild zu bleiben.

    Was ich sagen will:
    Blogs werden in erster Linie von Bloggern gelesen. Oder weiter gefasst: Von Menschen mit einer Affinität zu “neuen” Medien. Die mit sozialen Netzwerken spielen, samt Profilneurosenlatenz. Meist tun sie dies in Ihrer Freizeit, während sie ihre Brötchen als Teil des Medienprekariats verdienen.

    Zumindest im Food- und Wein-Bereich lässt sich in Deutschland kein Geld mit “Contentproduktion” für soziale Medien verdienen. Schlussendlich ist das auch gut so, denn der Reiz am Bloglesen ist doch nicht zuletzt die Schlüssellochperspektive. Und am Bloggen selbst das Ausleben exhibitionistischer Tendenzen. Ich habe noch keine Kollegen getroffen, bei denen es anders wäre.

    Blogs sind dann gut und haben dauerhaft Erfolg, wenn sie aus strikt subjektiver Perspektive geschrieben sind, sich also der im Journalismus behaupteten Objektivität verweigern. Das “ich” ist die schärfste Waffe eines Bloggers.
    Multimediale Kompetenz und das Wissen um das wichtigste Online-Prinzip – die Vernetzung – kommen hinzu.

    Der Rest funktioniert, wenn eine gewisse Suchttendenz vorhanden ist. “Professionalisierung” scheint mir kein guter Ansatz. Wenn aber schlicht die Zeit fehlt, lässt sich das nicht wegargumentieren.
    Schade.

  5. Alex sagt:

    Schade! Hab immer gerne reingeschaut. Und man soll doch niemals nie sagen! Ausserdem: Ein Blog muss ja nicht unbedingt regelmässig updatet werden, find ich. Grüße und alles Gute! Alex.

  6. Bernhard sagt:

    Gute, wie immer sehr pointiert formulierte Analyse.

    Leider mit wenig erfreulichen Konsequenzen, speziell für Twitter- und Facebook-Verweigerer.

    Trotzdem herzliche Grüße

    Bernhard

  7. Thomas sagt:

    Ich konnte mich bisher nicht daran gewöhnen das du hier im Blog nicht mehr schreibst. Der Entzug ist hart und tut weh!
    Gut das du uns an anderer Stelle, wenn auch limtiert, erhalten bleibst. Sei es auf Twitter, Facebook oder am allerliebsten als Kommentierender unter einem Blogartikel!
    Ich würde mich freuen einen Versuch der “ordentlichen Professionalisierung” bei dir zu sehen, würde mir diesbezüglich gerne einiges bei dir abschauen weil ich sicher bin es würde mir gefallen.

    … und natürlich drücke ich nicht den “gefällt mir” Knopf, denn es gefällt mir ja nicht das du hier aufhörst …

    Charles vielen Dank für 6 Jahre Weincasting! – Ein immer lesenswertes, kritisches, kurzweiliges und stets ehrliches Weinblog im Onlineweindorf.
    Wir lesen uns und ein Glas Wein trinken wir auch noch zusammen, ganz bestimmt :-)

  8. Silvan Liebsch sagt:

    Auch wenn man sich nicht von Angesicht zu Angesicht kennt…die Beiträge des Herren hab ich trotzdem immer gern gelesen. Und irgendwie hatte ich immer noch die leise Hoffnung, das es nach der “kreativen Pause” mit Weincasting weiter gehen würde. Schade zu lesen, dass dem doch nicht so ist. Aber mit Sicherheit, allen Tränen zum Trotz, wird es die richtige Entscheidung gewesen sein.

    Facebook und Twitter…dafür hab ich im wahren Leben leider keine Zeit. Ist mir auch irgendwie zu unssympathisch. Aber ja vielleicht kommt man ja in Dresden irgendwann mal zu einem “kulinarischen Orgasmus” in Form eines Glases Wein ins Gespräch…so von Weinfreund zu Weinfreund.

  9. Freunde verliert man sehr ungern. Feinde waren wir aus meiner Sicht eigentlich – trotz anderer Sichtweisen – nie. Ich hoffe, dass dieses Nachwort tatsächlich eigentlich ein Vorwort zu etwas Neuem ist.

    In der Fragestellung mit dem nebenher trifft dein Text einen ziemlich akuten Gedanken von mir, den ich nur noch nicht so radikal mir oder anderen klar gemacht habe.

  10. Iris sagt:

    na dann: schade drum, aber tschüss, und dann guck ich mal genauer, wo weincasting auf facebook und twitter zu finden ist:-).

  11. Tim Tbg. sagt:

    Es war zwar nicht abrupt, trotzdem: Schade, Schade, Schade.
    Danke für den Spaß!

  12. @Alle
    Erstmal vielen Dank! Wenn ich gewusst hätte, dass ich euch so wichtig bin, dann… Ok, im Ernst. Ich trage die Entscheidung schon einige Wochen mit mir herum und sie ist mir wirklich nicht leicht gefallen. Aber, ich finde wenn die Pause irgendwann ein Jahr angedauert hätte – und das ist nicht auszuschließen – wäre das schon ziemlich peinlich geworden. Ein brach liegendes Blog kann auch ganz schön nerven, Ballast sein.
    Wie ihr wisst bin ich nun nicht direkt aus der Branche, d.h. mir fallen die Themen nicht einfach vor die Füße, ich muss sie mir suchen. Und das erfordert Zeit. Selbige habe ich auf absehbare Zeit nicht, bzw. ich müsste sie von anderen Projekten abziehen die mir gerade etwas wichtiger sind. Vor allem, wenn ich das hier nur just 4 fun mache.
    Ich möchte ausdrücklich nichts versprechen, aber auch nichts ausschließen. Ich mir durchaus eine Zukunft in der (Online)Weinszene vorstellen. In welcher Art und Weise auch immer. Das Ende bezieht sich erstmal nur auf DIESES Blog und besonders in DIESER Form. Alles andere werden wir sehen. Für Hinweise, Anregungen und Angebote *räusper* bin ich natürlich immer dankbar.

    @Vinocamper
    Wenn ich es einrichten kann und nicht in einem Zelt schlafen muss, bin ich gern dabei. Schau’n mer mo!

  13. Tim Tbg. sagt:

    Hä? Wo kommen die vielen Kommentare auf einmal her?
    Hey, dann mach ich ein Blog auf und du darfst dann als Gastschreiber für Content bei mir sorgen. ;-)

  14. @Tim Tbg.
    Die waren alle in der Warteschleife.
    Natürlich, sach’ bescheid wenn du soweit bist… 8-)

  15. Dirk Würtz sagt:

    Du musst ganz sicher in keinem Zelt schlafen, Du kannst hier bei mir schlafen und dann reden wir die Nacht über noch einmal über Deinen Rückzug und potenzielle “Zurückkommmöglichkeiten”

  16. Charles,

    überleg’s dir doch noch mal!
    Du kannst dich doch nicht einfach so vom Acker machen!

  17. Michael Liebert sagt:

    Schade, da Du immer ein pointierte, kritische Stimme warst…

  18. @Dirk
    Sounds good. Ich werde auf jeden Fall versuchen den Termin zu blocken und wenn es irgendwie geht, dann komme ich. Aber ganz bestimmt werde ich mit dem Rücken zur Wand schlafen… *hehe*

    @Werner
    Ein Zurück gibt es nicht. Bin doch kein Politiker Ich habe mir das wirklich sehr reiflich überlegt. Es gibt halt zurzeit andere Prioritäten. Ansonsten:

    @Alle
    Ihr werdet mich schon nicht so schnell los. Ich wollte einfach eine Art Klotz am Bein los werden. Auch um so den Kopf frei zu bekommen, um nach vorne schauen zu können. Alles andere wird sich zeigen… Gell?!

  19. Tim Tbg. sagt:

    Deine Einschätzung scheint zu stimmen. Unter den Kommentare ist tatsächlich kein Journalist dabei. :-)

  20. @Tim Tbg. & Tim Rbg. :-)
    Entweder das oder ich bin… war einfach viel zu unwichtig.

  21. Dr. Gast sagt:

    Ein sehr treffliche Einschätzung.

    Der deutsche Weinjournalismus hat seit langer Zeit den Kontakt zum Leser verloren und feiert ausschließlich seinen eigenen Egoismus.

    Wein-Blogger schaffen es praktisch nie über den Status besserer Amateure hinaus feiern ebenso oft eigenen Egoismus.

    Trotz Internet- und Weinaffinität fühle mich von beiden Gruppen nicht angesprochen.

  22. TheoH sagt:

    Komm, Charles!
    Schreib’ weiter!
    Schreib’ doch einen Beitrag im Monat, aber schreib’, bitte!

    Theo
    Nicht-Weinblogger
    Nicht-Wein-Journalist
    sondern Genussmensch und -blogger

  23. @TheoH
    Danke für die Blümchen. Aber ich habe ja weiter oben schon ausführlich ge- und beschrieben worum es mir geht.
    Dazu etwas Weinjournalisten Watching macht zwar ab und zu Laune, aber sind wir mal ehrlich: Die wirklich wichtigen deutschsprachigen Weinjournalisten sind Online entweder sparsam oder gar nicht unterwegs.

    Dazu, und da bin ich ganz ehrlich, fehlt mir gerade auch ein wenig die Lust.
    Alles andere werden wir sehen. Oder auch nicht…

  24. Silvan Liebsch sagt:

    Irgendwie werde ich es schon vermissen, den passenden Song zum Wein serviert zu bekommen. Aber vermutlich sollte man ja auch langsam erwachsen werden und sich selbst eine Meinung bilden!? ;D
    Aus diesem Grund hier aus guter Tradition, und irgendwie auch ein klein wenig aus Hochachtung vorm Schreiberling, mein Tip zum frühen Abend:

    Einen 09er Müller-Thurgau vom Weingut Stöckel-Hoos aus der Pfalz musikalisch untermalt von Marko Haavisto & Poutahaukat mit dem Titel “Heinamiehet”.

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