Mosel bridge over troubled water

Ich hatte ja schon mal vor knapp einem halben Jahr, spät und auch nur kurz auf das Thema „Hochmoselübergang“ hingewiesen. Nur kurz, weil man aus Dresden heraus besser die Klappe hält, was neue Brücken in einem sensiblen Umfeld angeht. Und spät, weil auch schon damals der Zug praktisch abgefahren war.
Hinter dem Wort „Hochmoselübergang“ versteckt sich eine Brücke. Nicht besonders schön, aber dafür hoch. Hoch über der Mosel soll sie endlich jeden Menge Verkehrsprobleme lösen. Darum war das Wort Brücke allein wohl zu profan.

Dabei bin ich eigentlich ein Freund von Brücken. Gerne auch von großen, richtig großen. Aber während in anderen Ländern ein paar Euro mehr in die Hand genommen werden um eine Brücke von Könnern in die Landschaft einzupassen, wie zum Beispiel bei der Sunnibergbrücke, liegen hier die Prioritäten – wie so oft – anders. Schnell, breit, stark. Die Umgebung wird an die Brücke angepasst.
Oder in Planerdeutsch, es geht um die Verbesserung der Infrastruktur. Sollen viele Menschen nicht schneller und besser ans Ziel kommen? Nutzt das nicht auch der Wirtschaft, schafft oder sichert man damit nicht Arbeitsplätze?
Dass es immer jemanden gibt, der dagegen ist, ist auch klar. Fast jeder möchte schnell von A nach B. Nur die dazu passende Autobahn soll doch bitte durch des Nachbars Winzergarten führen, nicht durch den eigenen. Natürlich gehören zu einer solchen Brücke auch noch die entsprechenden Zugänge, also Straßen. Und wenn man dabei Weinbergslagen wie Wehlener Sonnenuhr, Zeltinger Himmelreich oder Bernkasteler Doctor tangiert, dann tangiert man sie ja nur. Außerdem haben alle Gerichte das Ding jetzt abgesegnet. Basta.

Hochmoselübergang

Doch schaut man sich die Sache mal genauer an, gibt es schon einige Zweifel, ob sie denn wirklich so unausweichlich wichtig ist. Zu viel scheint hier nach dem Prinzip Hoffnung kalkuliert worden zu sein. Und wenn das Geld vom Konjunkturprogramm schon mal da ist … kann man ja mal Fakten schaffen.
Und nun kommt der Widerstand doch noch in einer breiteren Öffentlichkeit an. Von der Bürgerinitiative gegen die „B 50 neu“ mal abgesehen, haben sich bislang nur unmittelbar betroffene Winzer wie Ernst „Ernie“ Loosen und Weingrößen wie Hugh Johnson, Jancis Robinson oder Stuart Pigott gegen das Projekt stark gemacht.
Jetzt gibt es, als letzten Hoffungsanker sozusagen, eine Onlinepetition. Diese sind gerade groß in Mode, also warum nicht auch hier. Außerdem geben sie den Unterzeichnern ein gewisses „Ich hab ja was getan“-Gefühl. Wirklich etwas bewegen können sie wohl nicht. Da reicht allein Blick auf ein paar vergangene Petitionen.
Und ein wenig scheint sich hier das Dresdner Brückendilemma zu wiederholen. Es scheint gar nicht mehr so richtig um die Brücke zu gehen, zumindest nicht allen. Hier geht es um Macht. Und die gibt die Politik ungern aus der Hand. Ministerpräsident Beck und sein Verkehrsminister Hering (beide SPD) werden sicher einen Teufel tun hier noch einmal umzufallen. Das schlimmste was einem als Politiker passieren kann. Nächstes Jahr sind schließlich Parlamentswahlen im Lande. Da heißt es die Reihen geschlossen zu halten und der Opposition keine Munition zu liefern.
Die müsste eigentlich mit den Hufen scharren. Tut sie aber nicht. Spitzenkandidatin Julia Klöckner (CDU), immerhin ehemalige Weinkönigin und Chefredakteurin des Sommelier-Magazins, hält sich auffällig, unauffällig zurück. Warum auch nicht? Mit Lobbyisten verdirbt man es sich gerade in der CDU nicht. Und sollte es mit der Wahl klappen, hat der Beck genug Tatsachen geschaffen, damit man nicht mehr zurück kann. Denn nichts ist schlimmer in Deutschland, als eine Investruine. Und für das Negative kann man mindestens über die erste Legislaturperiode die Vorgängerregierung verantwortlich machen. Da ist wohl nichts zu erwarten.
Apropos, während bei ähnlichen Themen schon mal hunderte Bauern mit ihren Traktoren die Bundesstraßen blockieren, halten sich die Kollegen Weinbauern zurück. Parallel zur zunehmenden, räumlichen Entfernung vom Ort, nimmt auch das Interesse am Thema ab. Der Hang zur Aufmüpfigkeit scheint bei der deutschen Winzerschaft, im Unterschied zu ihren französischen Kollegen, ja sowieso unterentwickelt zu sein.
Im Gegensatz zu manchen Vertretern des deutschen Weinjournalismus. Aber merkwürdigerweise herrscht , bis auf wenige Ausnahmen, Totenstille. Hier sind es allenfalls die Kollegen aus Österreich oder eben dem Vereinigten Königreich, die sich bemerkbar machen.
Sollte man doch noch etwas bewirken wollen, kann man nur noch auf die Masse setzen. Nur wie diese erreichen? Womöglich rächt sich hier das Verhalten einiger Teile der Weinbranche. Die elitäre Denke vergangener Jahre hat die Gefolgschaft viele Weintrinker gekostet oder erst gar nicht gewonnen. Und wer seinen Wein beim Discounter kauft, wird vielleicht mit dem Namen Rolex etwas anfangen können, aber kaum mit einer Wehlener Sonnenuhr. Geschweige denn dafür zu begeistern sein. Ein Riesling für 60 Euro? So what?
Möglich, dass ein Prominenter diese Stimmung ändern könnte. Ein Zugpferd? Manfred Klimek (Captain Cork) fragt zum Beispiel nach Lafer und Lichter. Es ist allerdings anzunehmen, dass diese sich lieber auf der Verpackung eines Fertiggerichtes sehen, als auf einem politischen Plakat. Und Mälzer kann ja nicht alles machen.
Wie wäre es mit dem Neuwinzer und VDP-Mitglied Günter Jauch? Wer solch eine Kuh vom Eis bringt, der kann dann auch Bundespräsident werden.

Mehr zum Thema:
Bürgerinitiative gegen B50 neu und Hochmoselübergang
Website Hochmoselübergang Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz
ZDF Frontal21: Monsterbrücke bedroht Kulturlandschaft (Youtube Video)
Dirk Würtz | Hochmoselübergang – AUFWACHEN!!!
TVINO | Stoppt die Hochmoselbrücke
Der Weinschreiber | Hochmoselübergang: Wer stoppt endlich diesen Wahnsinn?
Johner Wein Welten | B50 neu – Moselbrücke Verschandelung einer Kulturlandschaft
Captain Cork | Wie man die Moselbrücke killt
Captain Cork | Moselbrücke: Wer ist Mister X?
Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP) | Geht Infrastruktur vor Spitzenlagen?
Der Ultes | Moselweine – oder: Mosel weine! Petition gegen den Hochmoselübergang

4 KOMMENTARE

  1. J. Bückler sagt:

    Helft mit diesen Wahnsinn in letzter Sekunde zu verhindern. Unterzeichnet die Petition im Deutschen Bundestag.
    Einfach auf den Link klicken, dort auf “Petiton mitzeichnen” und dann registrieren.

  2. Tim Rbg. sagt:

    Ich habe mich leider erst jetzt mit dem Thema befasst. Was für ein Scheiss. Die werden das Ding wohl durchziehen, sehe ich auch so. Wundere mich trotzdem sehr über die Ruhe hier und überall.
    P.S Mal unter Freunden, was sagt der Scheuermann eigentlich dazu. Der ist doch sonst immer vorne dabei? Besonders wenn es um “seinen” Beck geht.

  3. @Tim Rbg.

    Naja, wie du unter “Mehr zum Thema” sehen kannst, ist es so ruhig ja nun nicht. Wer etwas zu sagen hat, der hat es ja meist schon. Und wer dafür ist, der hält sich raus. Das ist in der Weinbranche ja auch nicht unüblich.
    Den Kollegen Scheuermann kannst du ja auch selbst fragen… ;-)
    Aber durch seine Zurückhaltung bei Thema und aus ein paar Andeutungen zu schließen, dürfte er wohl nicht sonderlich dagegen sein. So wie CDU und FDP ja auch…

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