Die neue Vinum. Bonum et malum? [Update]

Die neue Vinum ist seit einigen Tagen endlich da. Nun, ganz neu ist sie nicht, sondern gefacelifted. Laut Roland Köhler, seit einem Jahr Verleger, hat man „die Zeitschrift nicht neu erfunden, aber neu inszeniert“. Dazu gibt es von ihm eine Menge starke Worte „Glaubwürdigkeit“, „Authentizität“ und „Kompetenz“. Das Ergebnis soll eine „Mischung aus Innovation und Tradition“ sein. Da neben der Printausgabe, auch gleich der neue Webauftritt diesem Anspruch genügen soll, ist es an der Zeit sich beide neuen Geschwister einmal anzusehen.

Print

Schon die Headline ist anders. Der Name wurde glatt gezogen und präsentiert sich weniger in rot, als in blau-grau. Das brachte schon Assoziationen mit einer lilafarbenen Schokoladenmarke. Offenbar keimten auch im Verlag solcherlei Befürchtungen, also hat man sich nicht auf die Ergänzung „Europas Weinmagazin“ verlassen, sondern dem Ding noch schnell einen stilisierten Rotweinkelch angehängt.
Der Hinweis auf die einverleibte „Alles über Wein“ ist dabei auch gleich mit verschwunden.

Dergleichen umlackiert ist die VINUM auch auf dem ersten Blick bei Zeitschriftenhändler als neu zu erkennen. So man sie denn überhaupt entdeckt, denn der Signaleffekt der „alten“ Vinum hat optisch deutlich Federn lassen müssen. Finde ich.
Na gut, vielleicht macht es ja der Inhalt.
Hier lautet die Devise: Mehr Weißraum, also mehr unbedruckte Fläche. Das wirkt edler und sagt: Wir können uns was leisten, zum Beispiel unsere Seiten nicht bis in die letzte Ecke voll zu drucken. Kann aber auch den Eindruck erwecken, man hat nicht genug Material um es abzudrucken. Und genau dieser Eindruck kommt manchmal doch stark durch. Beispiel? Die Texte der Doppelseitigen Rubrik „Schöne Dinge“ hätten locker auf eine einzige DIN A5 Seite gepasst. Und warum ein Bang&Olufson Wecker eine ganze Seite in einem Weinmagazin einnimmt sei mal dahin gestellt. Möglich, dass sich ja mit solchen Teilen die ganze Redaktion wecken lässt? Oder man hat den Hinweis „Anzeige“ vergessen.
Auch die News Deutschland lassen manche Frage offen. Gut, dass Jauch jetzt Winzer und VDP-Mitglied ist zwar seit Wochen bekannt, mehr weiß aber auch die VINUM nicht zu berichten. Und dass Silvio Nitzsche in Dresden seine „WeinKulturBar“ aufgemacht hat, ist auch seit Ende 2007 nicht mehr so neu. Dass sie Weinbar des Jahres geworden ist allerdings schon, noch. Aber diesen Hinweis hat sich die VINUM eventuell für eine der nächsten Ausgaben aufgespart.
Und sonst? Es gibt einen Artikelmix à la „Wein-Kaderschmiede“ in Geisenheim über Rebsorten aus Griechenland, einem Interview mit Jancis Robinson oder einem Bericht über Claus Preisinger. Dazu kommt obligatorisches wie Weinwissen, Fragen an Johann Lafer oder ein Luxusweingut. Diesmal Château Petrus. Und sogar die Aktion WeinZwoNull.
Teilweise ganz nette Artikel. Für mich aber alles keine „Must Haves“. Und ob dies genügt  um Kunden zu halten oder gar zurück zu gewinnen? Das ist zu bezweifeln.
Dazu bekomme ich viele der angebotenen Infos früher und nicht immer unbedingt schlechter recherchiert. Aber, vielleicht überzeugt mich ja die Onlineversion? Schau’n mer mal.

Online

Um es vorweg zu sagen, die Website von vinum.de gehört zu den besten, was es als Weinmagazin im Internet gibt. Dies ist allerdings auch keine so große Leistung, da die Konkurrenz entweder nicht vorhanden oder nicht selten ohne wirklichen Informationsgehalt ist.

Vinum online

Hier hat man sich etwas mehr Mühe gegeben. Das Design orientiert sich an der Prinausgabe. Keine Innovation, aber immerhin besser als der Vorgänger und für eine Profiseite schon ganz ok.
Allerdings geht einem die flackernde Bannerwerbung ziemlich auf den Sack. Man hat die eigene Facebookseite eingebunden und auch ein Blog. Hinter diesem steckt Carsten Henn, welcher bislang sogar regelmäßig dort schreibt. Und auch nicht nur seine Artikel die sowieso schon in der Printausgabe stehen. Ob man am Anfang Dirk Würtz interviewt hat, um die Blogger „ruhig zu stellen“ kann ich allerdings nicht sagen. Bei mir hat es jedenfalls nicht gefruchtet. Denn, um Kommentieren zu können, muss man sich registrieren. Ein absolutes No-go-Area. So stellt man sich in Verlagen offenbar immer noch ein Blog vor.
Aber es gibt ja auch hier die Infos zu „WeinZwoNull – Der interaktive Wein“. Immerhin. Und sogar ein WeinZwoNull-Blog. Ach so, da hinter firmiert das schon abgehakte Blog von Carsten Henn. Dazu kann man sich aber alle(?) Artikel der Printausgabe als Vinum eMag ansehen. Wie das aussieht kann ich mir leider nur vorstellen, denn das eMag ist natürlich kostenpflichtig. Zu beziehen über den Abo Service:
„Als Vinum Abonnent profitieren Sie exklusiv vom Weinwissen führender Experten – in Magazin und Internet. Und von den neuesten technischen Möglichkeiten des Web 2.0. ” Aha.
Aber es gibt ja auch noch Videos. Und die sind sogar frei verfügbar. Weinwissen, mit einer animierten Reblaus im Pixarstil 1.0. Und so witzig wie Mario Barth.
Für die Onlineversion gilt trotz ein paar Web 2.0 Gimmicks das gleiche, wie für die Printausgabe. Nur, dass ich hier ständig das Gefühl habe, zum Abo gedrängt zu werden. Aber ohne mich vorher wirklich neugierig zu machen. Selbst der Joker WeinZwoNull kann da nicht wirklich punkten. Das Aha-Erlebnis fehlt einfach auch hier.
Für „Europas Weinmagazin“ ist das – für mich – zu wenig.

[Update]
Wie Carsten Henn in den Kommentaren richtig angemerkt hat, man kann nun auch ohne Registrierung im Vinum Blog kommentieren.

10 KOMMENTARE

  1. Iris sagt:

    Den Webauftritt habe ich mir noch nicht angesehen, dafür aber das unverlangt zugestellte Exemplar studiert. Wie einen Wein, der sich nicht gleich beim ersten Mal erschließt (erster Eindruck beim Schnüffeln – langweilig, nichts neues), gleich zweimal, um ihm noch eine Chance zu geben.

    Beim zweiten Mal wirklich Alles gelesen – meine Lektürenotizen decken sich da fast wörtlich mit der Verkostung oben in Deinem Artikel:-) – auch im Rückblick keinen langen Nachhall entdeckt…

  2. [...] This post was mentioned on Twitter by Wuertz, Charles M. Bugnowski, topsy_top20k, Iris Rutz-Rudel, Peter Jakob and others. Peter Jakob said: RT @Weinpunk Blog post: Die neue Vinum. Bonum et malum? http://bit.ly/aDPu4B [...]

  3. Iris sagt:

    übrigens: schön übersichtlich Deine Seite nach dem Umbau – sehr angenehm zu lesen:-), Kompliment!

  4. Winzerblog sagt:

    Das neue Vinum Weinmagazin…

    Im Blog weincasting! gibt es eine sehr lesenswerte und ausführliche Analyse zum neuen Weinmagazin Vinum. Print wie Online werden von Charles unter die Lupe genommen, zumindest was den Online Auftritt angeht kann ich ihm zu 100% zustimmen, die Pri….

  5. Carsten Henn sagt:

    Hallo, zusammen,

    gebt uns a bisserl Zeit. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Jetzt kann man zum Beispiel schon ohne Einloggen kommentieren (das hat mich nämlich auch gestört), wir haben Videos am Start & bald soll eine riesige Weindatenbank folgen.

    Beste Grüße!
    Carsten
    VINUM Blog

  6. @Carsten Henn
    Danke für den Hinweis!
    Natürlich hat man Rom nicht in einem Tag erbaut, aber in der Onlinewelt wartet man heute nicht mehr auf Jahrhundertbauwerke. Man zieht eine schnelle, windschiefe Bretterbude jedem Marmorpalast vor, so lange etwas früher am Start ist.
    Das ist zwar manchmal sehr Schade, aber leider oft Realität…

  7. Zwiebelfisch sagt:

    Carsten Henn hat vollkommen recht. Ich kann dieses ewige Printbashing im Internet nicht mehr hören. Einen Printtitel inclusive Webseite aufzubauen kostet seine Zeit, welche die sogenannten Social Media Experten wohl kaum aufbringen. Von guter Recherche wollen wir gar nicht reden.
    Hier geht schnell hingerotzt immer noch vor Qualität.

    Zwiebelfisch

  8. @Zwiebelfisch
    Netter Versuch! Wollen wir mal über den Suchbegriff reden, über den Sie hierher gekommen sind? Und den Namen des Verlagshauses (Anmerkung: Hat nichts mit Wein zu tun) in dem Ihr Rechner steht? So, wegen gründlicher Recherche…

  9. Tim Rbg. sagt:

    “Namen des Verlagshauses”
    Einzelheiten? Büttöh!

  10. @Tim Rbg.
    Ich glaube, das was ich oben gesagt habe, sollte dazu reichen. Ist keine neue Jamby-Story. Echt nicht.

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