WeinSalon SuperDeluxe Reloaded

WeinSaon

Doc Müller hat mal wieder eingeladen und Tino Schmidt seinen Keller aufgemacht. Und es war zum heulen. Vor Freude! Genug der (Vor-)Worte. Die Kandidaten:

1995er Taittinger “Comtes de Champagne” Prestige Cuvée Blanc de Blancs, Champagne
Unglaublich. Schmeckt frischer als jedes Rotkäppchen. Besser sowieso. Dazu nehmen wie einen Mund voll Äpfel, etwas Akazienhonig und etwas Holz. Kann gerne noch ein paar Jahre liegen bleiben.

1969er Lanson Red – Gold Label Grand Cru, Brut Millésimé, Champagne
Aus der Zeit, als Lanson noch nicht die überteuerte, belanglose Schickimicki-Brühe war. Wer denkt, dass ein Schampus, der schon etwas drüber ist und fast alle Kohlensäure hat davon fleuchen lassen, versaut ist, der hat sich getäuscht. Nussig und wie ein cremiger Sherry. Nur noch ganz leicht moussierend (prickelnd). Vermisst man aber nicht.

1990er Corton-Charlemagne Grand Cru AOC Domaine Nudant, Burgund
Ein, reifer… Nein, ein matschiger Pfirsich. Dazu ein paar Nüsse. Etwas Parfüm. Hat 24h gebraucht um ausgeschlafen zu sein. So viel zu Weißweine muss man nicht dekantieren…

2007er Sauvignon blanc “Kirchleiten” Große STK-Lage, Weingut Winkler-Hermaden, Steiermark
Sehr schöne, frische Kiste Äpfel von der Streuobstwiese. Dazu mit der Parmesanreibe etwas Granit drüber. Frischer als der Corton-Charlemagne. Klar. Aber bestimmt nicht schlechter. Dafür viel billiger. Die Trophäe für das bessere Preis-Leistungsverhältnis geht in die Steiermark.

2004er Riesling “Uhlen, Roth Lay”, Erste Lage, Weingut Heymann-Löwenstein, Terassenmosel
Der Montrachet von der Mosel? Eisbonbon, geriebene Kiesel und gehäuteter Pfirsich. Und ein Fass, welches sich nicht vordrängelt.

2004er Riesling “Oestricher Doosberg”, Erstes Gewächs, Weingut Querbach, Rheingau
Hat es einfacher, als der Moselaner, der ja erst von der Steillage runter muss. Wirkt auch frischer. Auch Eisbonbon, ordentlich geriebener Kiesel, geht aber mehr in die Apfelecke.

1990er Château Musar, Serge Hochar, Libanon
Aus der Zeit, als es im Libanon mehr blaue Bohnen, als rote Trauben gab. Château Musar war das einzige Weingut, welches damals die Fahne hoch halten konnte. Die Qualität ist sehr, sehr schwankend. Hui und Pfui können praktisch von Flasche zu Flasche wechseln. Aber wenn, dann! Schwarze Johannisbeere. Kräuter. Sehr eigen. Respekt!

1982er Schloss Vaux “Assmannshäuser Höllenberg” Spätburgunder Brut, Rheingau
Ein Sekt aus Spätburg… Pinot Noir, meine Damen und Herren! Ein kleiner Stinker, der aber nach Leder, Minze und getrockneten Tomaten schmeckt. Unglaublich! Und gut.

1998er “Clos de Vougeot” Grand Cru AOC, Domaine du Clos Fratin, Burgund
Angeblich hat Napoleon seine Truppen vor ihm paradieren lassen. So weit würde ich dann nicht gehen. Aber schon nicht schlecht. Hatte ich ja schon mal mit „Schoko und im Mund auch wieder Karamell, dazu Kaffee, Haselnüsse“ beschrieben. Hätte ich nichts hinzuzufügen.

1987er Barolo DOCG “Bussia”, Prunotto, Piemont
Veilchen, Pflaumen und olles Obst. Ein Barolo den man auf einem Samtkissen servieren sollte.

1989er Barbaresco DOCG, Angelo Gaja, Piemont
Auch wenn die Piermontkirsche sich als Mon Cherie prostituiert, hier ist sie drin. Und besser als bei Ferrero hübsch eingepackt in Samt und Seide. Serviert in einer gereiften Holzkiste. Gaja at the best.

2003er “Grange”, Penfolds, Barossa Valley, Australien
Schmeckt so, wie viele Überseeweine schmecken wollen. Cassis, Beeren, Leder und frisch geteerte Straße. Ziemlich gut, kann aber noch etwas liegen bleiben. Bei einer Legende erwartet man allerdings auch legendäres, das hab ich allerdings nicht gefunden…

1998er Château Latour, Premier Grand Cru Classé, Pauillac AOC, Bordeaux
Sehr noble Samt und Seide-Kutsche. Klassisch. Schokoladenmanufaktur mit perfekten Marmeladenspritzern. Ich ziehe meine Mütze. Is eben doch nich alles schlecht aus Bordeaux. Trotzdem, liegen lassen.

1944er Cueta Port, Real Companhia Velha, Portugal
Oh my God! Grissini, milder Honig, Kräuter. Unglaublich! Udo J. hatte recht: Mit 66 Jahren , da fängt das Leben an… Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran… Mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss… Mit 66 Jahren, ist noch lang noch nicht Schluss… Genau!

1993er Tokaji Aszú 6 Puttonyos “Crus Select”, Baron Bornemisza, Ungarn
Ok, nach dem Vorgänger etwas unfair… Aber getrocknete Feigen und Aprikosen, Orangenschalen, Karamell… Schon ziemlich gut, dieser kleine Botrytis-Schlawiner…

3 KOMMENTARE

  1. Thomas sagt:

    Jetzt muß ich doch tatsächlich meine Assoziationen zum Wort Weinsalon ändern :-)

    Das eine oder andere hätte ich da auch gerne probiert!

  2. Christoph sagt:

    Ich bewundere, wie immer, deine, in einen Satz auf den Punkt gebrachten, lockeren und doch präzisen Beschreibungen.

  3. @Thomas
    Ja, nicht wahr… :-)

    @Christoph
    Freut mich. Vielen Dank, ich tu’ was ich kann…

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