WC Lektüre vom 8. März 2010

  • Dass Günter Jauch, nach eigenen Angaben “eine Art Gesichtsvermieter” oder auch als der “beliebteste Deutsche” bekannt, hier auftaucht ist schon verwunderlich. Ich finde, was er der Nation beispielsweise mit einem Format wie SternTV zumutet, ist… unzumutbar. Auch hatte er bislang nichts mit Wein zu tun. Jedenfalls nichts Nennenswertes.
    Das hat sich gerade geändert. Günter Jauch ist jetzt VDP-Mitglied. Und in seinem Falle auch keine nachgeworfene Ehrenmitgliedschaft oder gar eine Verwechslung. Jauch wird Winzer. Und das ist nicht nur mir, sondern sogar der britischen Weinpresse eine Meldung wert.
  • Dass die, nun ehemalige, Bischöfin Margot Käßmann hier auftaucht ist allerdings ebenso verwunderlich. Na gut, inzwischen wird man sich denken können, warum. Richtig, Margot Käßmann hat etwas zuviel Wein… oder wie es der Volksmusikdarsteller Stefan Mross ausdrücken würde: “Mal etwas über den Durst getrunken”. Mit unschönen Konsequenzen, aus denen sie, ohne Alice Schwarzer zu konsultieren, selbige gezogen hat. So werden wir also nie erfahren: Was war es denn eigentlich für ein Wein?
  • Das toskanische Weingut Tenuta dell’Ornellaia will seine Spitzenweine mit einem Radio Frequency Identification System (RFID) aussatten. Offenbar ist der Ornellaia Bolgheri Rosso Superiore DOC nicht nur ein etwas überhochpreisiger Kalifornier aus der Toskana, sondern offenbar manchmal so falsch wie die Lippen vieler Schauspielerinnen aus Hollywood. Will sagen, Tenuta dell’Ornellaia will es Fälschern mit dem RFID-Chip schwerer machen. Das solche Mistteile nicht ganz unumstritten sind und auch für andere Dinge taugen, sei mal nur am Rande erwähnt. Aber gut, wer kauft sich schon einen Ornellaia.
  • Ich mag Bio. Als Fleisch, als Gemüse, als Obst… und gelegentlich auch als Wein. Auch wenn ich von extrem mit Bio-Logos zugelabelten Bioweinen lieber die Finger lasse.
    Jedenfalls ist das mit den Bio-Logos so eine Sache. Als ob die Welt nicht darauf gewartet hätte, jetzt gibt es auch ein Bio-Logo für… Biomineralwasser. Dann wird man dann nach einem ordentlichen Schluck Biomineralwasser endlich wieder ohne Scham kräftig aufstoßen dürfen. Mit einem Biobäuerchen, sozusagen…
  • Die Wiener Weine möchten das Schunkelimage loswerden. Erfreulich. Die “Weltstadtweine, die wie die Metropole selbst für Weltoffenheit, Vielfalt und Gegensätze stehen, [...] sind Botschafter der soziodemographischen Pluralität Wiens und sie kommen alle aus dem Epizentrum von Philosophie und Kulinarik, der Hauptstadt Wien.”
    Aha, aus soviel Bedeutungsschwere hat man folgenden Slogan geboren: “Kultiviert für Kultivierte”. Kultivierte? Auf den Punkt gebracht klingt es doch eher nach “Snobs und Spießer”. Beruhigt aber dann doch, dass bescheuerte Weinslogans nicht ausschließlich nur aus Deutschland kommen.
  • Heute ist Weltfrauentag. Darum: Die FAZ und die Frauen. Und Alice Schwartzer gegen den Weltfrauentag. Henryk M. Broder hat sich (noch) nicht geäußert. Darauf einen Rosé! Oder doch lieber einen Rotwein von Johnny?

EIN KOMMENTAR

  1. Jauch als Gesichtsvermieter, dieser Vergleich ist mir zwar neu, aber er läßt andererseits doch auch tief blicken. Jauch als beliebtesteter Deutscher? Hat er doch so erfolgreich sein Gutmensch Image aufbauen können? ich habe ihn eher als Getränke-Promoter und Regenwaldretter im Sinn. Aber es steht ja jedem frei, sich so zu blamieren wie er es möchte. Hauptsache die Gage stimmt.

    Bio-Mineralwasser im Schnapsglas erinnert mich an den Aufkleber für Autos den es einmal gab mit dem Slogan “Alles Frisch”. Hier fragt man sich ernsthaft, was denn frisch sein soll, das Wasser oder doch die wohl nicht mehr vorhandene gesunde Urteilskraft.

    Das Alice Schwartzer trotz so großer Lebenserfahrung immer noch nicht ihrer biblischen Bestimmung gerecht werden kann und etwas darunter zu leiden scheint ist schade, aber aus einer etwas höheren Sicht der Dinge auch nicht mehr verwunderlich.

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