The WC Rothschild Race: 1992 Château Mouton Rothschild vs. 2008 Bordeaux Rouge

Mouton vs Bordeaux

Auf der einen Seite, ein 1992er Château Mouton Rothschild, der Erstwein vom gleichnamigen Weingut. Ohne sich zu weit aus dem Fenster lehnen zu müssen, sicher einer der berühmtesten Weine der Welt. Bekannt auch in weinferneren Kreisen, nicht zuletzt durch seine legendären Künstleretiketten. Dazu kommt noch der Titel Premier Cru, eine der imaginären Spitzen der Weinwelt.
Auf der anderen Seite ein 2008er, welcher zwar ebenfalls unter Baron Philippe de Rothschild gelabelt ist, aber diesmal schlicht und einfach auf den Namen Bordeaux hört und das Château höchstens als vorbeifahrende Traube vom Lastwagen aus gesehen hat.
Unter dem Namen Philippe de Rothschild ist der Mouton so etwas wie das Luxus Penthouseappartment mit Blick über die Stadt und der Bordeaux die Einzimmerstudentenbude im Souterrain.
Das macht sich selbstverständlich im Preis bemerkbar. Für den Obolus eines Mouton könnte man durchaus 50 Flaschen des Bordeaux aus dem Laden tragen. So man beide denn im Laden kauft.
Damit dürfte das Rennen eigentlich gegessen sein. Oder vielleicht doch nicht?
Fangen wir mit dem Château Mouton Rothschild an.
Natürlich die typischen Bordeaux-Tugenden. Brombeere, etwas abgestandener Tabak, mürbes Gehölz und eine kleine Schaufel Humus. Erstmal gar nicht so übel für einen 92er Jahrgang, der in der Gegend eher durchwachsen oder besser durchwässert war. Wäre da nicht auch hier das Gefühl einer gewissen Dünne, als wären die Fässer kräftig mit Wasser aus der Garonne aufgefüllt worden.
Easy to drink? Ja. Aber Komplexität? Dichte? Nada! Dazu kommt, dass er sein Alter inzwischen auch durch seinen schicken Klamotten nicht mehr ganz kaschieren kann. (Anmk.: Ja, auch ich hatte auch schon bessere Moutonjahrgänge im Glas. Viel, viel bessere. Aber auch die waren nie so gut, dass ich jubelnd um den Block gelaufen wäre.)
Da hat es der Bordeaux einfacher. Man erwartet nicht viel bis gar nix. Und diese Latte reißt er dann auch nicht. Mürbes Gehölz, etwas Cassis, eine Schaufel Alkohol, alles zusammengepresst auf die Größe einer Euromünze, umgeben mit einem zarten Nichts und fertig ist das Ganze.
Damit ist er auch in seiner Preisklasse um die fünf Euro kein Schnäppchen. Aber man braucht auch nicht vor lauter Ärger mit dem Kopf vor die Wand rennen.
Mit dem 1992er Château Mouton Rothschild und seiner Aura könnte man trotzdem leben. Wäre da nicht sein Preis. Hat man für ihn mehr als einen moderat höheren zweistelligen Betrag gezahlt, sollte man sich schon mal der nächsten Wand zuwenden.
Trotz Glamour, Marketing und Künstleretikett.

Song zu den Weinen:
Yello – ‘The Race’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

3 KOMMENTARE

  1. Dirk Würtz sagt:

    Tausch beim 92er einfach mal die Zahlen. Dann wird 29 daraus und dann stellst Du Dich freiwillig an die Klagemauer und weinst vor Wonne :-)

  2. @Dirk Würtz
    Na, dann werde ich mal meine Lebensversicherung kündigen und mich ordentlich mit Tempotaschentüchern eindecken :-)

  3. Dirk Würtz sagt:

    Ja, ich glaube das ist annähernd ruinös und taugt nur für Miliardäre…

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