Online und Wein 2009. Ein kleiner Rückblick.

Im Prinzip war das Jahr 2009 wie die viele anderen zuvor. Die Weinszene bleibt für viele Außenstehenden ein undurchschaubares Mysterium.
Sicher auch ein Grund, warum viele potentielle Weintrinker lieber vorher abbiegen und den Weg zu Aldi, Lidl und Co nehmen.
Statt offener Transparenz, versteckt man sich gerne hinter dem trügerischen Bild eines Hortes des ewigen Friedens und des bedingungslosen Miteinanders.
Doch dieses Bild bekommt langsam Risse.
Und daran sind die Online-Werkzeuge nicht ganz unschuldig. Es deckelt sich nicht mehr ganz so einfach. Blogs, Twitter und Facebook haben sich in der Weinszene nun endgültig breit gemacht. Auch wenn Twitter und Facebook derzeit gut dafür taugen seine Tagesfreizeit zu reduzieren, Blogs haben sie entgegen anderslautenden Prophezeiungen immer noch nicht abgelöst. Auch in Posterous sehe ich nicht mehr als einen Spoiler auf einem Golf III. Von Spinnern bei Posterous werden wir womöglich nie etwas hören.
Manchmal gelingt es zwar aus dem Topf herauszuwinken, Wein bleibt trotzdem eine Nische.
Selbst wenn man als Empfehlung auf einem Top-Blog oder gar im Radio landet, mehr als einen kurzen Hauch von zusätzlicher Aufmerksamkeit gibt es nicht.
Wem das nicht reicht, der sucht sein Heil in den üblichen Selbstverarschungstricks oder sollte das Thema wechseln.
Einen Boom haben die Video-Weinblogs erlebt. Die Krone darf sich zurzeit Tvino aufsetzen. Das ist auch kein Wunder, denn vor Tvino steht Hendrik Thoma und dahinter Hawesko. Wir werden sehen wie es mit der Vielfalt weitergeht, wenn der Reiz des Neuen endgültig verblasst ist. Nimmt man hier und da den Weg von Bottleplot?
Die größten Geschichten liefert aber doch weiterhin das echte Leben.
Auch wenn manche Print weiterhin für tot reden, die großen Knallerthemen kamen immer noch von dort.
Eine gewisse Premium-Postille gibt es zwar immer noch, doch durften wir uns von einigen Druckerzeugnissen verabschieden. Die Vinum hat schweres Wasser hinter sich und ob tatsächlich Land in Sicht ist, wird sich zeigen. Die WeinGourmet hat es nicht geschafft. Ebenso das Gault Millau… Magazin. Dafür hat der Gault Millau Weinguide eine Menge Aufregung und Ärger produziert.
Auch hier werden wir sehen, ob man sich tatsächlich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen hat. Die aktuellste Ausgabe in meinem Bücherregal stammt jedenfalls aus dem Jahr 2004 und ich sehe auch weiterhin keinen Grund daran etwas zu ändern.
Sabine Bätzing, Ex-Drogenbeauftragte der Ex-Bundesregierung und Ex-Lieblingsgegnerin 2008/09 vieler Weinblogger musste den schweren Weg des Platz Freimachens gehen. Nun ist wieder alles im Lot und der Blick frei auf ein Schlachtfeld voll kalter Rauch um rein gar nix.
An einem leeren Schlachtfeld arbeitet sicher auch der Weinreporter „Mr. Winecontest“ aus Hamburg. Ob nun mit einer „brutalstmöglichen“ Aufklärung oder doch lieber mit dem „brutalstmöglichen“ Aussitzen der Situation sei mal dahingestellt. Im Moment sieht es allerdings stark nach letzterem aus.
Dass der Anstoß zu dieser Geschichte ausgerechnet von einer Weinfachzeitschrift gekommen ist, sollte uns Onlinern mal zu denken geben. Vieles war auch hier hinter den Fensterläden bekannt und etwas Offenheit zur rechten Zeit hätte sicher manchen Ärger erspart.
Das ist vielleicht eine gute Idee für 2010, das Jahr in dem Weincasting sein 5-jähriges Bestehen feiert.
Und Anlässe um den Finger auf die Wunde zu legen wird es sicher auch hier wieder genügend geben…

3 KOMMENTARE

  1. [...] Online und Wein 2009. Ein kleiner Rückblick. http://www.weincasting.com/?p=656 – view page – cached Im Prinzip war das Jahr 2009 wie die viele anderen zuvor. Die Weinszene bleibt für viele Außenstehenden ein undurchschaubares Mysterium. [...]

  2. Dirk Würtz sagt:

    Sehr gelungener und unaufgeregter Rückblick. Ich freue mich auf viele weitere “WC-Lektüren”.

    Gruss nach DD und guten Rutsch!

    Dirk

  3. Arnd Schulz sagt:

    Vielen Dank für den kurzweiligen Rückblick. Tut gut mal etwas Unaufgeregtes zu lesen

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