Beef! oder Bifi?

BEEF!

Zugegeben, die neue Zeitschrift Beef!, eine Neon für kochende Männer, liegt schon ein paar Tage am Kiosk. Da wollte ich sie eigentlich auch liegen lassen. Ich bin einfach nicht der Kunde für Zeitschriften, in denen es um Essen & Trinken geht. Und sollte ich doch einmal schwach werden, handelt es sich wahrscheinlich um eine Weinzeitschrift. Trotzdem bereue ich es auch hier eigentlich immer.
Da sich Beef! nicht nur mit Fleisch, sondern auch ein wenig mit Wein beschäftigt, ist nun doch ein Exemplar auf meinem Tisch gelandet.
Und um Wein geht es mehr als wenig. In ganzen sieben Kapiteln, was 17 Seiten bedeutet, werden elementar die elementarsten Wein-Basics vermittelt. Flaschengrößen, Lagerung, Verschlüsse, Etiketten usw.
Solcherlei ist zwar weder originell, noch neu, trifft aber nach meinen Erfahrungen immer wieder auf dankbare Kundschaft.
Dazu berichtet in der vielfältig einsetzbaren Rubrik „Die Flasche meines Lebens. Große Männer, große Momente“, der Hamburger Pianist Joja Wendt über seine Begegnung mit einer Flasche 1947er Chateau Cheval Blanc in Kiew.
Am Rande sei erwähnt, dass TVINO Medienpartner ist. Demzufolge bekommt man die empfohlenen Weine natürlich auch dort. Den Cheval Blanc mal ausgenommen, nehme ich an. Dass dann unser Hendrik Thoma ein Glühwein-Rezept beisteuern darf, versteht sich ja beinahe schon von selbst.
Natürlich geht es auch ums Essen. Und um Fleisch. Selbstverständlich auch um das beste oder besser teuerste Steak(fleisch) der Welt. Überraschender Weise hat man sich nicht für Kobe-Rind entschieden.
Man(n) bekommt erklärt wie man einen Hasen das Fell abzieht und richtig zerlegt. Ein paar Seiten weiter werden die passenden, “zum sterben schönen” und entsprechend teuren Messer empfohlen.
Da der harte Kerl auch einen weichen Kern hat, kann er sich diesen in Form eines „feinsten Mozzarellas“, zum angeben und unter Anleitung nachbauen.
Theoretisch hätte es eine ganz nette Zeitschrift werden können. Wären da nicht das ständige Abreiten von „Männer sind so“-Klischees. Da man offenbar davon ausgeht, dass auch kochende Männer nur ans ficken denken, gibt’s noch „Kann man eine Frau ins Bett kochen, Prof. Drouard?“ Natürlich nicht, ohne die obligatorischen Bilder mit einer nackten Tante zu vergessen. Zum Glück nicht Sarah Wiener, die gibt’s nur in einer Anzeige.
Dazu so was wie das „Kochen mit Eiern. Alles Wissenswerte zur Gründung von Männerkochclubs.“ Hä?!
Und Premium für den kochenden Mann. Japanischer Whisky für 96 Euro, ein „Kultherd“ für 11200 Euro, ein Kilo Fisch für 760 Euro, einen Stuhl für 640 Euro, eine Lampe für 1000 Euro, usw.
Und wenn es mal ohne Beef! gehen muss, Rezepte für Toast Hawaii, Senfeier und Bratkartoffeln zum auswendig lernen.
Der Untertitel von Beef! lautet „Für Männer mit Geschmack“. Besser wäre „Für Männer ohne Geschmack, aber mit genug Geld, um alles nachzumachen was man ihnen sagt“.
Das wäre zwar ehrlicher, aber wohl etwas zu lang….

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