Gault Millau. Es nervt womöglich schon, aber…

Ja, da isser nun, der Gault Millau 2010. Und immer noch eine Story wert.
Nachdem es vor einiger Zeit einen kleinen Winzeraufstand gab, von dem ich gar nicht weiß was eigentlich daraus wurde, ist die aktuelle Ausgabe nun offiziell auf dem Markt. Offiziell bedeutet, dass einige Exemplare schon zum letzten Wochenende in den Handel sickerten. Möglicherweise ein Versehen des Zwischenhändlers Koch, Neff & Volckmar, den wir ja von Denis Scheck kennen.
Wenn man der Abteilung Wein in der Verlagswelt etwas mehr Cleverness unterstellen würde, könnte man dabei sogar Absicht vermuten. Aber vermutlich hält man Guerilla Marketing für irgendwas mit Affen.
Auf jeden Fall bekam der Gault Millau im Vorfeld ordentlich Publicity. Einige Blogger sind losgerannt und haben sich ein Exemplar gekauft (sic!) und dann heftigst über die vergeigte Sperrfrist gestritten.
In der Zwischenzeit hat der Blogger… Journalist… Herausgeber… Inhaber eines Onlinewerbedings… ich weiß das bei ihm immer nie so genau… Niko Rechenberg, der übrigens auch für das Gault Millau Magazin (†) schrieb, einfach mal den Sack zugemacht und alle wichtigen Dinge ausgepetzt.
Nun gut. Ich habe mir weder ein Rezensionsexemplar schicken lassen, noch habe mir eines gekauft. Trotzdem hatte ich die Gelegenheit ordentlich darin zu blättern.
Die Ausgabe 2010 ist jetzt komplett in Farbe und das Papier hat nicht mehr die haptische Wahrnehmung eines Fachbuchs für Medizin. Die Aufmachung ist etwas zeitgemäßer geworden, aber einen Designpreis wird der Gault Millau auch weiterhin nicht einheimsen.
Die Weinbewertungen gehen, soweit ich mir ein Urteil darüber erlauben darf, im Großen und Ganzen schon ok. Die Meinungen dazu werden im einzelnen aber sicher auseinander gehen. Allerdings würde ich mir nach wie vor nicht anmaßen die ‘besten Winzer Deutschlands’ festzulegen, so wie es der Gault Millau suggeriert. Das soll dazu genügen.
Wer sich dann doch für Auf- und Absteiger, Best of…, Trauben und Träubchen etc. interessiert, der wird in der restlichen Weinbloggerwelt ausführlich fündig werden.
Alles in allem ist das Ding kein großer Wurf. Aber es gibt ein paar Veränderungen, die vielleicht in der Fachwelt diskutiert werden, dem Rest aber sicher am Po vorbeiziehen dürften.
Fazit: Für wen dürfte der Gault Millau interessant sein? Natürlich für die Winzer, die darin etwas abgefasst haben. Dazu vielleicht Laien, die nicht wissen, welchen Wein sie kaufen sollen, ohne dabei mörderisch auf die Schnauze zu fallen. Selbstverständlich die Punkte- oder in diesem Falle Traubentrinker. Und zu guter letzt, für alle die sich drüber aufregen wollen.
Der Rest, so wie ich, legt das Geld besser in einer guten Flasche Wein an. That’s it.

7 KOMMENTARE

  1. Karl Keule sagt:

    psst, ganz ehrlich mir geht der GM am Ar… orbei, aber sowas von. Meine Empfehlungen bekomme ich von Freunden und von Winzern meines Vertrauens und das ist auch gut so…

    Hausmeisterlichen Gruß
    Karl Keule

  2. Sonja sagt:

    genau.

  3. [...] Winzerblog: Der Gault Millau Wein Guide 2010 … Nikos-Weinwelten: Gault Millau Wein Guide 2010 Weincasting: Guide Millau – Es nervt womöglich schon, aber… Weinverkostungen.de: Auszeichnungen Weine und Trauben im Gault-Millau 2010 Tags: Bücher, WeinGuide [...]

  4. Claus sagt:

    Dat Ding is überflüssig wie´n Kropf, jawoll, so isses…

  5. felix sagt:

    Also ich bin dankbar für jeden Weinführer! Soviele Weinkenner und Blogger kenne ich garnicht, dass sie mir diese Vielfalt präsentieren könnten.
    Es ist und bleibt ein schönes, großes Adressbuch mit Klatsch und Tratsch und einem am Preis angemessenen Unterhaltungswert!

  6. @felix
    Ein ordentliches Adressbuch ist es auf jeden Fall. Und natürlich kann dir ein Blogger das niemals so aufbereiten.
    Aber dafür muss man es sich ja nicht jedes Jahr neu kaufen. Der Knackpunkt sind die Bewertungen und der… ich sag mal… Anspruch auf deren Unfehlbarkeit, die übrigens den meisten Weinführern aus dem Gesicht springt.

  7. felix sagt:

    Ja, das stimmt. Aber man stelle sich mal vor die Weinkritiker würden Dinge von sich geben wie “Ja, so manche Bewertung ist vielleicht umstritten!” Oder “Da waren wir uns nicht ganz sicher.” Dann würden doch viele Leute sagen: Oh die wissen ja garnicht was sie machen. In der “heutigen Zeit” ist es wohl leider so, dass jeder das beste hat und nur jeder das “richtigste” macht. Da darf man Fehler kaum zugeben. Da muss man dem GM immerhin noch zugute halten, dass sie es offen zugeben, dass sie offen und durchaus auch subjektiv verkosten. Ich (persönlich) finde das fast besser als Blindverkostungen. Aber es stimmt, man braucht sich das Teil nicht jedes Jahr zu kaufen und die Bewertungen muss man (wie eigentlich alle Bewertungen von allem auf der ganzen Welt was es so an “Zeugs” gibt) mit einem Augenzwinkern sehen und für sich selbst ausmachen ob man dann dieses “Zeugs” – seien es nun Kinderwagen, Leberwurst, Computerspiele oder Kopierpapier (oder eben Wein) – eben will oder nicht. Schachtelsatz Ende!
    Aber ich mag Weinführer. Jeden Tag auf dem Klo so zwei, drei Weingüter – da wirds nicht langweilig!

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