Der rastende Reporter oder eine Weinweihnachtsgeschichte [Update: Der Geschichte zweiter und letzter Teil?]

Es war einmal vor gar nicht langer Zeit, da wurde mir immer wieder heimlich eine Geschichte vorgetragen, wie sie sonst nur in 1001 Nacht geschehen sein kann.
Es begab sich vor vielen Monaten, da hatte ein alter, bärtiger Mann aus einer Hansestadt am Meer, der sich selbst der Weinreporter nannte, eine Idee. Er, als von viel Ruhm und Ehr’ verwöhnter, weiser, geliebter Mann, der sich selbst an der Spitze der Weinszene sah, wollte dies mit anderen teilen.
So rief er die Winzer aus dem ganzen Land, sie mögen doch ihre Weine zu ihm schicken, um diese in einem Wettbewerb bewerten zu lassen. Natürlich nicht umsonst, denn umsonst ist nur der Tod. 40 Sesterzen pro Flasche Wein sollte ihnen die Sache schon wert sein.
So schickten die Winzer eifrig ihre Weine in die Hansestadt, in freudiger Erwartung des möglichen, baldigen Ruhmes. Und der Weinreporter sammelte die Sesterzen in seine Schatulle bis zu einer hohen vierstelligen Summe.
Das war es dann auch schon. Denn weder stieg der Winzer Ruhm, noch ihre Ehre. Sie hörten schlicht und einfach gar nichts mehr. Weder vom Mann aus der Hansestadt, noch von ihrem Wein, noch von ihrem Geld. Tage, Wochen, Monatelang.
Vielleicht hatten sie auch das Kleingedruckte nicht gelesen. Möglich, dass der Weinreporter ihre Weine zwar bewerten, aber nie anderen davon erzählen wollte. Vielleicht hat er die Weine als zu schlecht befunden und aus großem Anstand lieber geschwiegen.
Jedenfalls lebte er weiter in ihrer Mitte, gab ihnen viele weise Ratschläge, aber keinen über diesen Wettbewerb.
Natürlich hätten die Winzer einmal laut nachfragen können, ob es denn mit seiner Weisheit denn so weit her sei. Aber da der Weinreporter sehr, sehr zornig werden kann, hat man dies wohl lieber unterlassen.
In der Zwischenzeit hatte man die Sache wohl vergessen oder glaubte selber nicht mehr, dass sie jemals geschehen sein sollte. Bis heute.
Nun meint eine Zeitschrift mit dem Namen ‘Weinwirtschaft’ , dass diese Geschichte gar kein Märchen, sondern wirklich passiert sein soll.
Jetzt wundern sich viele, viele Menschen im ganzen Land und sind vollkommen sprachlos vor lauter Überraschung. Von den Bergen bis an das Meer. Und ganz besonders der Weinreporter in der Hansestadt…
Und wenn sie nicht gestorben sind, so sind sie wohl auch heute noch sprachlos.

Wer mehr davon hören will, der schaut hier und hier herein.

[Update: Der Geschichte zweiter und letzter Teil?]

Und so begab es sich, dass einem großen, weisen Mann mit einer Mütze und Zauberkräften das gelang, was andere nicht vermochten: Eine Erklärung aus dem Weinreporter hervorzuzaubern.
Dieser habe sehr wohl die Weine probiert und alles feinsäuberlich aufgeschrieben. Nur sind viele seiner Pergamente, auf denen seine Notizen standen, von seinem feuerspeienden Drachen unrettbar gefressen oder verbrannt worden. Bedauerlich, aber in der Hansestadt sind Wasser und Drachenunheilbeseitigungssdienste ja knapp. Das sei zwar doof, kann aber jedem mutigen Drachenreiter passieren. Die verbliebenen Pergamente konnte sich übrigens jeder in seinem Turm, 41.Etage rechts, den Gang lang, im dritten blauen Zimmer, in der kleinen bunten Kommode liegend, schon immer ansehen.
Und jetzt wird sich mancher fragen, wie sich der Weinreporter des Skalp der Antidrogenhexe Bätzing jemals an seinen Gürtel heften wollte, wenn er noch nicht mal seinem eigenen feuerspeienden Drachen klar kommt.

18 KOMMENTARE

  1. frank sagt:

    super geschichte hahaha :)

  2. [...] Der rastende Reporter oder eine Weinweihnachtsgeschichte http://www.weincasting.com/?p=648 – view page – cached Es war einmal vor gar nicht langer Zeit, da wurde mir immer wieder heimlich eine Geschichte vorgetragen, wie sie sonst nur in 1001 Nacht geschehen sein [...]

  3. Tim Rbg. sagt:

    LOL! Klasse geschrieben. Scheuermann und die Weinbranche. Die Geschichte werde ich wohl nie verstehen.

  4. Tim Rbg. sagt:

    2. LOL! Jaja, die Katz hat sie gefressen. Für sowas würde jeder Praktikant bei einer Schülerzeitung sofort gefeuert. Aber wie ich schon sagte, Scheuerman und die Weinbranche.

  5. Hübsch geschrieben. Aber in Geografie hast Du in der Schule gefehlt, oder ;-)? Hamburg eine Hansestadt am Meer???

  6. Pasta sagt:

    @Schnutentunker Die meisten Leute glauben, Hamburg läge am Meer. Liegt wohl am zweitgrößten Hafen Europas.

    Zu der Sache selber: Wenn man die Erklärung des Wettbewerbmachers ließt (und glaubt) kann man lernen wie wichtig es ist, bedeutende Dinge erst mal auf Papier zu schreiben, und dann erst in den PC einzugeben (und das Papier aufheben!)

  7. @Schnutentunker
    Von hier unten aus gesehen liegt Hamburg tatsächlich am Meer. Die paar Kilometer elbabwärts sind da wirklich nur Peanuts.
    Im übrigen handelt es sich um ein Märchen. Da sind solche dramatischen Mittel erlaubt. Oder glaubst du etwa, dass es Drachen wirklich gibt oder Winzer die Leuten Geld dafür bezahlen, damit sie ihre Weine trinken und ggf. runtermachen?

    @Pasta
    Stimmt, bei Überseehafen oder Sturmflut denkt man schon etwas an Meer. So wie Amsterdam von Hamburg aus gesehen sicher auch irgendwie am Meer liegt.

  8. Dirk Würtz sagt:

    Der große, weise Mann mit der Mütze hat gar nix gezaubert, sondern einfach nur die Postille die auch noch 200 andere bekommen haben, angeschlagen. Vielleicht war das ja gar nicht sooo weise, man wird sehen…

  9. @Dirk Würtz
    Offenbar sind es ja die ganz einfachen Dinge, die in der Weinszene so selten funktionieren. Darum finde ich, dass wenigstens ein gewisses “magisches Händchen” schon passend ist.
    Allerdings klingt der zweite Satz schon wieder nach aufziehenden neuen Ärger?
    Wie dem auch sei, mich wundert hier schon lange nix mehr…

  10. TheoH sagt:

    Mich wundert auch nix mehr, Charles.

    PS: Halt mal deine Uhr für eine Stiunde hie rim Blog an (SZ->WZ).

  11. @TheoH
    Oh?! Danke. Da war ich wohl unbeabsichtigt meiner Zeit voraus.

  12. TheoH sagt:

    @Charles:
    das ist ja auch an sich keine schlechte Eigenschaft.

    So läßt sich auch Vieles klären, wenn man kommuniziert. ;-)

  13. Dirk Würtz sagt:

    @ Charles
    Ne, das hast Du falsch verstanden, besser gesagt habe ich mich nicht richtig ausgedrückt.

    Ich wollte damit eigentlich nur meine Selbstzweifel zum Ausdruck bringen. Ich bin mir nie wirklich sicher, wo man – in diesem Fall ich – sich einmischen sollte und wo eben nicht. In diesem ganz konkreten Fall mußte ich mich ersteinmal ausgiebig mit der “causa” beschäftigen, um mir eine Meinung zu bilden. Die ganze Geschichte ist einfach nur dumm. Egal wie man sie dreht und wendet. Ich habe aber schnell realisiert, dass einige von mir eine Reaktion erwarten, obwohl ich mit der Sache so überhaupt gar nix zu tun habe. Ich wußte gar nicht, dass es so einen Preis gibt. Das liegt aber auch nicht zuletzt daran, dass ich mich eigentlich grundsätzlich für derartige Dinge nur selten interessiere.

    Woher diese Erwrtungshaltung kommt ist mir in den vergangenen Tagn auch klar geworden. Für einige hat es den Anschein, als ob der Scheuermann und der Wääärtz verheiratet sind. Sind wir nicht. Ebensowenig wurde ich adoptiert. Scheuermann hat mich zum blogen und twittern animiert. Das ist ein Fakt. Wir tauschen uns auch regelmäßig über diese Themen aus. Auch das ist ein Fakt. Ich unterhalte mich sehr gerne mit ihm, weniger über Wein, denn das Kerlchen ist ein intelligenter und gebildeter Gesprächspartner (insbesondere in Sachen Musik). So what, wie man auf Neudeutsch sagt. Inhaltlich unterscheiden sich unsere Blogs doch deutlich, einer Meinung sind wir auch nicht immer, im Übrigen ist er Journalist. Nur mal so grundsätzlich meinerseits zur Erklärung.

    Ich habe ja mittlerweile diese “causa” einigermaßen gründlich recherchiert und vielleicht mache ich ja noch einen Blogbeitrag darüber. Mal sehen.

    Eines habe ich jedoch ganz deutlich wieder einmal realisiert: Kommunikation ist sooooo wichtig. Man muss es halt nur machen und nicht einfach nur darüber “reden” …

  14. @Dirk Würtz

    Ok, da habe ich dich dann doch etwas missverstanden. Aber, anders als du gedacht hast.
    Da laut „Weinwirtschaft“ gerichtliche Schritte in der Sache gegangen werden sollten(?), vermutete ich trouble eher aus dieser Ecke. Dass der offene Brief dann doch nicht so offen sein sollte oder was auch immer. Da dachte ich auch nicht unbedingt an Mario Scheuermann.
    Ich glaube auch nicht, dass dich jemand für so was wie seinen Zauberlehrling hält. Viele haben sicher mitbekommen, dass du ganz gut mit ihm kannst. Und dank deiner ausführlichen Worte, weiß jetzt auch der letzte warum, wieso und weshalb. Man hält dich wohl für den einzigen, der nicht ständig in die Richtung „Hauptsache, ich habe nix damit zu tun“ denkt und auch noch einen gewissen Einfluss auf Scheuermann hat, wenn er mal wieder austickt. Und das ist ja wohl auch das größte Problem an ihm. Dass er oft wie ein ganz Großer austeilt, aber noch nicht einmal wie ein Kleiner einstecken kann. Siehe eben diese Geschichte.
    Einen Blogeintrag in der Sache würde ich gut finden. Wie auch immer der aussieht. Denn wie ich schon immer sage, in der Online-Weinszene wird zu wenig und zu oft über Unwichtigkeiten diskutiert. Oder wie du sagst “Kommunikation ist sooooo wichtig”

  15. Weinstein sagt:

    endlich gibt mal jemand scheuermann öffentlich contra! warum hat das nur 5 jahre gedauert bei den weinblogs? andere konnte das schon längst. siehe: http://alturl.com/fyrh

  16. stephan sagt:

    oh mann,

    wenn man diese geschichten so liest fragt man sich schon, wie ein kerl, der in der printwelt so seine problemchen hat – in der 0-1 Welt so den könig spielen darf… wird zeit, dass auch in der blog-welt deren protagonisten kritisch hinterfragt werden. weiter so!

  17. Weinstein sagt:

    wrum wurde meine anmerkung kommentarlos gelöscht? was war daran so falsch?

  18. @Weinstein
    Auch wenn der Link mir durchaus bekannt ist, gelöscht wurde nichts. Der Kommentar landete nur im Spamordner. Vermutlich wegen der Short-URL. Ist aber korrigiert.
    Im übrigen haben einige andere und auch ich MS schon immer Contra gegeben.

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