19. Jungweinprobe Sachsen und Saale-Unstrut

Am 17. April fand  im Zentralgasthof Weinböhla die 19. Große Gemeinsame Jungweinprobe statt, die eigentlich noch durch ‘Mitteldeutschlands’ ergänzt wird. Da aber Mitteldeutschland, in Mittel- und Ostdeutschland immer sehr dehnbar dargestellt wird, müsste man eigentlich Hessen und NRW dazu zählen. Und die waren nicht dabei, also lasse ich das weg.

Jungweinprobe

Aber, die Veranstaltung ist auf jeden Fall eine schöne Geschichte, denn hier bekommt man alles vor die Flinte, was in Saale-Unstrut und Sachsen Rang und Namen hat. Außer Klaus Zimmerling natürlich, der erwartungsgemäß nicht dabei war. Dafür aber der unvermeidliche ‘Weinbotschafter’ Gunther Emmerlich. Dieser wurde von Offiziellen und Medienvertretern so dermaßen devot umkreist, dass ich froh bin, das er sich nicht auch noch als Weinkritiker versucht.

Jungweinprobe

Außerdem waren so viele (Wein-)Königinnen und Prinzessinen präsent, dass ich den Eindruck habe, jede Winzertochter muss in ihren Leben mindestens einmal solch ein Amt begleitet haben.
Über den Weinbau an Saale, Unstrut und Elbe an sich gibt es hingegen nichts (mehr) zu meckern. Und das trifft nicht nur auf die VDP-Güter Schloss Proschwitz (Zadel), Lützkendorf (Bad Kösen) und Pawis (Zscheiplitz) zu. Stimmen, die immer noch etwas abschätzig und von oben herab kommentieren, haben entweder ein Problem mit dem Osten oder keine Ahnung. Vermutlich sogar beides.
Ach so, die Weine. Da ich nicht mit ellenlangen Einzelbewertungen oder gar Punkten langweilen möchte, picke ich mir mal ein paar Sachen raus, besonders von kleineren Weingütern. So sie mir denn aufgefallen sind.
Vielversprechend fand ich, gegen manchen Trend, ein paar Müller-Thurgau. Zum Beispiel vom Berliner Haus- und Hofwinzer Dr. Lindicke (Werder/Havel) und – für mich Neuland – vom Obst- und Weingut Goldschmidt (Balgstädt).
Die Weißburgunder waren, bis auf wenige Ausnahmen, eine sichere Bank, auch der vom Weingut Drei Herren (Radebeul). Welches gelegentlich sehr gelobt wird, was ich aber nicht immer wirklich nachvollziehen kann. Auf gleicher Linie liegen, im Gegensatz zum Weingut Hoflössnitz (Radebeul), auch Thürkind (Gröst), Klaus Böhme (Kirchscheidungen), Schloss Proschwitz (Zadel) und Lützkendorf (Bad Kösen).
Aufgefallen sind mir hier übrigens die Etiketten von Florian Deckert (Freyburg/Unstrut), welche nicht nur auf den ersten Blick sehr denen von Pawis ähneln, die auch nicht gerade ein gestalterisches Highlight sind. Besser sah es wieder beim Wein, beim Grauburgunder aus. Zumindest bei dem von Pawis (Zscheiplitz) und Gussek (Naumburg/Saale). Letzterer war für mich übrigens der Gewinner des Tages. André Gussek habe ich ja schon länger auf der Karte, aber zumindest bei dem was hier präsentiert wurde, habe ich keine Enttäuschung gefunden. Im Gegenteil, seine Weine sind ein feiner Stoff, welcher immer eine eigene Hausnummer besitzt.
Bei den Rieslingen gab es auch keine Probleme. Alles wie erwartet. Außer vielleicht beim Weingut Hey (Naumburg/Saale), der zwar noch etwas Luft nach oben hat, aber sonst ein schönes nicht zu fruchtiges Weinchen ist.
Traminer gab es wenige, die von Frédéric Fourré (Radebeul), dem Franzosen in Sachsen und Lützgendorf (Bad Kösen) haben mir am besten gefallen.
Zum ersten Mal hatte ich übrigens einen Saphira im Glas. Der kam von Dr. Lindicke (Werder/Havel) und… eignet sich sehr gut für Cola-Schorle.

Jungweinprobe

Apropos Glas, der Spruch des Tages was: ‘Das ist der, dahinten, mit dem Glas in der Hand.’
Das Kapitel Rotling/Rosé/Weißherbst habe ich ebenso wie den Goldriesling mal ausgelassen.
Die Rotweine haben den Weißweinen ziemlich das Feld überlassen. Das lag einerseits daran, dass diese oft noch da sind wo sie hingehören. Nämlich in Fass und Keller. Anderseits konnten es weder Regent, noch Dorn- und Dunkelfelder reißen. Allerdings ging letzterer von Walter Schuh (Sörnewitz) so stark in die Richtung Dill, dass er sich hervorragend zu Fisch eignen würde. Sonne trugen allerdings die Spätburgunder von Karl Friedrich Aust (Radebeul) und (mal wieder) Gussek (Bad Kösen), sowie dessen Blauer Zweigelt bei. Wobei es sich hier teilweise um Fassproben und immer um 2007er Jahrgänge gehandelt hat.
Schmunzeln konnte ich zum Abschluss noch über den einzigen Cabernet Mitos (dessen Erzeuger ich besser verschweige). Sowie über das aufmerksame Personal, welches Kunsthistoriker Prof. Dr. Rainer Beck  (Weingut Drei Herren) gleich drei Mal das Probenglas (mit Recht?) entwendete.

Die komplette Probenliste (incl. Säureanteil, Restzucker etc.) kann man zurzeit noch hier beim Weinbauverband Sachsen herunterladen.

4 KOMMENTARE

  1. Tim Rbg. sagt:

    War aber nicht viel los. Oder?
    Trotzdem eine Frage: Ich krieg die Weine sicher auch in Berlin. Aber wo?

  2. Zur 1. Frage: Mal so, mal so. Trotzdem war es zum ‘Fachveranstaltung für Presse, Weingutinhaber, Vertreter aus Wirtschaft und Politik’-Part immer noch recht entspannt. Aber besser als unter zig drängelnden Senioren zu späterer Stunde.

    Zur 2. Frage: Ich bin da nicht so up to date, aber Klaus Böhme und Klaus Zimmerling gibt’s bei Wein & Glas. Die Weinbar Rutz hatte zumindest Karl Friedrich Aust und das KaDeWe sollte wenigstens die VDP-Güter zu teuren Preisen haben. Und den Lindicke kannst du ja Werder selbst abholen…

  3. Tim Rbg. sagt:

    Och, det hilft schonma. Dankeschön.

  4. Silvan sagt:

    Also wenn echt so viele Weinköniginnen und -prinzessinen dort präsent waren, könnte man ja fast annnehmen man wäre auf einem Heiratsmarkt gelandet.

    Aber schön zu wissen, mit welchem Tropfen man seinem Gaumen einen kulinarischen Oragsmus bereiten kann.
    Ich werde jetzt jedenfalls mal nach der einen oder anderen Flasche Ausschau halten.

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