Bottle Shock

BS

Bottle Shock ‘is a temporary condition of wine characterized by muted or disjointed fruit flavors’ und der Titel des Films von Randall Grahm Miller. Er basiert auf der Story der Weinjury von Paris. Jener Blindprobe, welche von Steven Spurrier 1976 organisiert wurde. Und bei der zum ersten Mal, die bis dato vorbehaltlos geachteten französischen Weine geschlagen wurden. Durch die bis dahin nicht ganz so beachteten Weine aus dem Napa Valley in Kalifornien.
Soweit die Vorlage. Und das waren bis auf einige Kleinigkeiten auch alle Gemeinsamkeiten mit dem Film.
Steven Spurrier (Alan Rickman) macht sich ins Valley auf, um dort Weine für seine Probe einzusammeln. Schließlich will er es den stocksteifen, arroganten Weinspiessern einmal zeigen. Ein guter Vorsatz, denn an deren Häufigkeit hat sich in der Weinszene auch nach 1976 nicht viel geändert. Leider verpufft dieser Effekt darin, dass die Spiesser eben nur die Franzosen an sich zu sein scheinen. Nun ja, man ist ja auch in einem amerikanischen Film und die Bösen sind ja schließlich das alte Europa. Auch sonst scheint man über Frankreich nicht viel zu wissen. Außer dass man dort in den 70ern (so wie heute?) praktisch ausschließlich La Déesse oder Döschewo gefahren ist und die Landschaft um Paris so ungefähr wie in Süditalien aussehen müsste. Zum Glück wird nicht ständig der Eifelturm durchs Bild getragen.
Im Prinzip spielen auch ca. 95% der Handlung in Kalifornien und um die Chateau Montelena Winery. Um dessen Eigentümer Jim Barret (Bill Pullman) und seinen Sohn Bo (Chris Pine), die es auch in echt gibt, wird alles gegeben. Lovestory, Vater-und-Sohn-Drama, Verkannter-Underdog-findet-endlich-Anerkennung. Und natürlich ein Happy End. Neben dem wunderbar poshy Alan Rickman erfreut auch die Kamera, so sie denn nicht gerade allzu kitschige Bilder liefert.
Wer also einen easy looking watching Film erwartet und wem schon Sideways gefallen hat, wird auch hier seine Freude haben. Wer auf eine authentische Darstellung der Weinjury von Paris und ein paar weniger Klischees erwartet, der wird wohl enttäuscht werden.
So man ihn überhaupt  zu sehen zu bekommt. Denn seit Sommer 2008 läuft er in ausgewählten Kinos, was für Deutschland Fehlanzeige bedeutet. Vielleicht auch gut so, denn die grassierende Kurzinfo ‘Komödie über die Anfänge des Weinbaus in Kalifornien im Jahr 1976′ zeugt von einer überaus hohen Sachkenntnis über Film und Wein an sich. Wie dem auch sei, für die Mainstreamkinos ist er unsynchronisiert wohl zu special und für die Programmkinos offenbar zu mainstreamig.
So kann man heutzutage zwar Unterwäsche in Australien ordern, aber in Zeiten von Video on Demand und superschnellem Internet bekommt man diesen Film nicht mal für Geld und gute Worte zu sehen.
Da bleibt einem nur, irgendwo auf der Welt das passende Kino zu finden oder auf die DVD zu warten. Und die lässt sich ab Anfang Februar auch in aller Welt ordern. Sofern dann die Regionalcodes mitspielen…

EIN KOMMENTAR

  1. Jens sagt:

    Schade. Ich bin zwar kein Liebhaber von Filmen, in denen die Amerikaner Klischees rauskramen, aber soviele Weinfilme gibt es ja leider auch nicht. Deshalb schaue ich mir die, die es mal in die Kinos geschafft haben doch sehr gerne an. Bei uns in der Gegend habe ich den Film leider nicht in den Kinos gefunden.

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