Weinblogs. Das war 2008.

Das Jahr 2008 nähert sich nun intensiv seinem Finale. Für viele ist die Zeit einmal zurückzuschauen.
So auch für mich, mit meinem Blick auf die Szene.
Vor einiger Zeit habe ich mich von meiner Blogroll getrennt und über Bord geworfen. Es war eine sehr gute Entscheidung. Ich habe dieses Ding nie wirklich gebraucht und gemocht. Und, die Erfahrung gab mir recht. Weder meine Gewohnheiten, noch irgendetwas anderes haben sich geändert. Nur E-Mails mit Inhalten à la

Kompliment für das Design und die lesenswerten Beiträge. Nun geht mein Blog auch schon in den … Monat. Einen Link zu ihrem Blog habe ich sofort nach dem Einrichten gelegt. Über einen Gegenlink würde ich mich sehr freuen.

bekomme ich jetzt gar nicht mehr.
Aber unter den Weinbloggern hat sich etwas geändert. Nachdem sich lange Zeit eine Art Mehltau breitgemacht hatte, ging ein Ruck durch die Szene. Eine der Ursachen war auch, dass beim Urgestein der Weinblogs ein Fass übergelaufen ist. Aber erst nachdem es von einem selbsternannten ‘Leitmedium’ immer wieder und gegen seinen Willen mit schalem Wasser gefüllt wurde. Und jetzt hat es den Anschein, dass es nach diesem reinigendem Gewitter, unter den Weinbloggern (zurzeit?) eine gefühlte Trennlinie gibt. Wirklich exakt mag ich diese nicht festlegen, aber irgendwie, hängt sie von der Intensität der kommerziellen Ausrichtung ab.
Nun mag man dies bedauern. Aber ich finde, so was gab es schon immer, nur dass es jetzt offen zu Tage getreten ist. Und wirklich exklusiv ist das auch nicht, denn mit manchen Leuten kann man was anfangen und mit anderen nicht. So wie im richtigen Leben.
Besonders oft wurde 2008 festgestellt, dass nun Print endgültig tot sei und die Weinblogs das Ruder übernommen hätten. Ich kenne die ‘Print ist tot!’-Rufe zwar schon mindestens solange wie es Blogs gibt, aber etwas ist schon dran. Das mag auch an der oft gähnenden Langeweile in den deutschsprachigen Weinzeitschriften und deren miesen bis nicht vorhanden Onlineauftritten liegen.
Daran sollte sich etwas ändern. Sonst könnte es, bestimmt bald mit einer deutschen Premiumweinpostille und womöglich mit einigen anderen auch, vorbei sein.
Wie es richtig geht, zeigt wieder mal eine englischsprachige Publikation, deren Internetauftritt oft und gerne als Quelle für die ja so viel aktuelleren Blogs dient.
Der Buhmann oder besser die Buhfrau kam in Form einer deutschen Politikerin. Nicht ganz zu unrecht, aber leider lief die Argumentation zu oft auf ‘BILD’-Niveau. Was Blogs nun nicht unbedingt glaubwürdiger macht, wie wir auch aus einigen Studien wissen.
Wirklich witzig war in diesem Zusammenhang die Fokussierung auf einen wahren Feind der Wein- und Genussszene, die ‘Gesundheitslobby’. Ich befürchte, wenn sich diese noch mit der ’sozialen Gerechtigkeitslobby’ zusammen tut, wird es wirklich eng für die Weinfreunde in Deutschland.
Das Ding des Jahres war Twitter. Eine sogenanntes Microblogingwerkzeug mit max. 140 Zeichen. Unverzichtbar für alle, die der Welt zeitnah mitteilen müssen was gerade essen, trinken, pupsen, im TV sehen oder gerade in ihrem Blog geschrieben haben.  Für mich liefert das Internet allerdings schon ohne Twitter genügend irrelevanten Informationen. Dass jetzt auch solche Herrschaften wie die von Spiegel Online twittern, dürfte ein Zeichen für den bald kommenden ‘Out’-Status sein.
So wie kleine Kinder nie genug von Schokolade bekommen können, geht es für die meisten Online-Redaktionen und manche Weinblogger nicht ohne Besucherzahlen Page Impressions.  Auch wenn nun fast jedes Kind um die Manipulationsmöglichkeiten und damit deren Unsinn weiß, sie sind als Aphrodisiaka für wiederkehrende Rankingorgien einfach nicht tot zu kriegen. So kam es dann auch, dass sich das ‘besucherstärkste’ Weinblog vor lauter Appetit an der Schokolade verschluckt hat. Und wie es sich für trotzige Kinder gehört, sind an den folgenden Bauchschmerzen natürlich immer nur die Anderen und die böse Welt schuld.
Und zu guter letzt die Blog-Vorsätze für 2009? Keine. Ich werde hier weiterhin bloggen, so wie immer. Über was ich will. Wann ich will. So oft ich will. Und so lange ich noch will.
Ach ja, der Beitrag kommt bewusst ohne Links aus. Ich denke, die meisten Leser werden wissen worum es geht und den anderen dürfte es egal sein.

3 KOMMENTARE

  1. Florian sagt:

    Macht Spaß zu lesen, freu mich, dass es weiter geht, besten Dank!

  2. Tim_Rbg sagt:

    Wo gerade gelobt wird: Es lohnt sich immer wieder hier vorbeizusehen. Ehrlich, witzig und gut geschrieben, wie immer. Diese Kombination findet man leider nicht oft unter den Weinbloggs.

  3. @Florian & Tim
    Um es mit einem Wort zu sagen: Merci!

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