Guter Rotwein für unter fünf Euro?

HT

Hendrik Thoma, bekannt als ehemalige Chef-Sommelier eines Hamburger Hotels, ehemaliger Bereichsleiter bei einer Cash & Carry Gruppe, ehemaliger Werbepartner einer bayerischen Weißbierbrauerei und ehemalige (und bemitleidenswerte) Randfigur bei Kerners kochenden Selbstdarstellern, hat sich in einem Selbstgespräch ‘Leserfragen’ beantwortet und zur oben genannten Frage geäußert:

Für diesen Preis gibt es kein Erlebnis, sondern nur Wirkung. Sicher, Geschmack ist eine subjektive Angelegenheit. Doch einen wirklich guten Wein zu diesem Preis zu bekommen ist Utopie.

Und damit hat Thoma die Lieblingspandora der Weinszene geöffnet. Jene Geschmacksfrage, die immer wieder gestellt wird, aber nie wirklich rational beantwortet werden kann. Trotzdem wird immer wieder versucht Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Natürlich gibt es rote Zechweine unter fünf Euro, z.B. den Zweigelt Landwein vom Weingut Hahn aus dem Weinviertel, die zu einer Party wie der Hintern auf den Topf passen. Und natürlich kann man diese dann auch als ein ‘Erlebnis’ bezeichnen.
Aber niemand, der sich nur halbwegs mit Wein beschäftigt hat, würde ernsthaft erwägen, einen Saufwein in der gleichen Liga wie einen Monte Bello von Ridge oder einen Barabaresco von Angelo Gaja spielen zu lassen.
Und ebenso darf gefragt werden ob ein Château Haut-Brion, welcher in einem Moskauer Edellokal über den Tisch geht, ein Erlebnis für die Gäste ist oder doch nur eine gewisse, wie auch immer, Wirkung erzielen soll.
Es bleibt wie es ist. Ob die Flasche nun fünf oder fünfzig Euro gekostet hat, niemand sollte sich von niemandem den Spaß am Wein verderben lassen.
Auch wenn bei die fünfzig Euro die Spaßdichte tendenziell doch höher ist.

11 KOMMENTARE

  1. Oliver sagt:

    Absolut! Würde ich so unterschreiben.
    Btw, kriege ich den Zweigelt von Hahn irgendwo?

  2. Dirk Würtz sagt:

    Eben, es geht um den Spaß. Und Spaß heißt nicht per se, teuer! Was aber gar nicht geht, ist den weintrinkenden Normalos zu unterstellen sie wären Geschmacksidioten und Wirkungstrinker. Da hört der Spaß auf und deswegen muss man dann auch mal in der Pandorrabüchse kräftig rumrühren.

  3. Stimmt. Allerdings geht die Diskussion am Auslöser des Disputs, wie immer bei Welt online, offenbar anstandslos vorbei. So ist zu befürchten, dass die Geschichte (Weinblog)intern zwar Wellen schlägt, aber außerhalb mal wieder niemand mitbekommt.

  4. [...] , drink tank (jetzt mit sogar einer kleinen Serie dazu), schreiberswein , Nikos Weinwelten und weincasting . Michael Pleitgen von der Weinakademie Berlin hat mal ausgerechnet, was für den Winzer bei [...]

  5. [...] betitelt. Ausgehend von einem Weltonline-Artikel hatte sich ausser beim Drinktank auch beim Weincasting und Niko Rechenberg eine Diskussion darüber entspannt, ob es gute Rotweine für unter fünf Euro [...]

  6. alex sagt:

    das thema ist viel zu komplex um ja oder nein zu sagen. es zählen doch erstens, rein subjektive vorstellungen eine rolle die desweiteren immer zur grundlage haben das ein biodynamisches grundprodukt zu grunde liegt und kein designtes. und in diesem punkt würden die meisten wohl eher nicht die hand ins feuer legen.
    btw danke c.b.

  7. Scai sagt:

    Man sollte solche Snob-Medien wie Welt oder Welt-online einfach ignorieren. Die gibts nur, weil sie querfinanziert werden über die Bild-Zeitung und andere Springer-Blättchen, sie sind also kein Ausdruck gesellschaftlicher Interessen (wie andere, sich selbst tragende Medien) sondern Instrumente der Einflussnahme auf die öffentliche Meinung von Leuten/Firmen, die sichs leisten können.

  8. Also ich denke auch das man auf jeden Fall auch für unter 5 EUR schöne und leckere Weine bekommt. Zum Glück ist nicht jeder so eitel und braucht einen Wein für 100 EUR und mehr pro Flasche um sich sagen zu können das das ein Wein ist.

  9. [...] den Blogs von Dirk Würtz, Mario Scheuermann, Charles M. Bugnowski und Niko Rechenberg entbrannten sich nach einem Artikel in der Welt Online heiße Diskussionen [...]

  10. [...] den Blogs von Dirk Würtz, Mario Scheuermann, Charles M. Bugnowski und Niko Rechenberg entbrannten sich nach einem Artikel in der Welt Online heiße Diskussionen [...]

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