2004 ‘Marbacher Neckarhäldle’ Schillerwein [WG Marbach]

SchiWi

Schillerwein. Aha, alles klar. Da hat sich wohl ein findiger Winzer irgendwann gedacht, er könne prima mitreiten auf der Popularitätswelle des guten alten Johann Christoph Friedrich von. Mitnichten.
Das ist eine Mär, just wie jene, dass die Gebeine des Friedrich in der Fürstengruft zu Weimar gebettet sind.
Schillerwein ist nichts anderes als ein Rotling. Und ein Rotling, ist das, was viele sich unter einem Rosé vorstellen. Comprende? Nein? Ok:

Der Begriff ‘Rotling’ darf nur verwendet werden für einen inländischen Wein von blass- bis hellroter Farbe, der durch das Verschneiden von Weißweintrauben, auch gemaischt, mit Rotweintrauben, auch gemaischt, hergestellt worden ist.
Schillerwein ist ein Rotling, für ihn gelten deshalb die gleichen Herstellungsvorschriften wie für Rotling. Der Begriff kann jedoch nur für Qualitätswein b.A. oder Qualitätswein mit Prädikat aus dem b.A. Württemberg verwendet werden.

Das Zitat habe ich mir vom Winzerblog ausgeborgt.
Der Begriff wurde schon im Mittelalter gefunden, also weit vor der Weimarer Klassik und kommt von der schillernden Farbe des Weines. Sagt man.
Was natürlich die ‘Weingärtnergenossenschaft Marbach und Umgebung EG’ nicht daran hindert, Geburtsort, Name, Wein und Konterfei auf einer Flasche werbewirksam zusammenzuführen. Und genau jenen Zusammenhang herzustellen, der ja eigentlich nicht vorhanden ist.
Ob dies zu einen befriedigenden Ergebnis geführt hat, kann aber nur eine Degustation klären.
Und jetzt kommt das Problem: Mag es an der etwas schlampigen Lagerung meinerseits, der offenherzigen Verglasung oder sonstigen widrigen Voraussetzungen liegen, der Schillerwein hat sich der Oxidation hingegeben. Laien würden sagen, er ist umgekippt.
Somit entzieht er sich meinem subjektiven Urteil und bleibt leider erst einmal ein Mysterium. So wie Schillers Gebeine.

[Gefunden… irgendwo in Marbach und nicht von mir]

Song zum Wein:
Gary Glitter- ‘Rock and Roll’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

2 KOMMENTARE

  1. Weil wir in Sachsen bzw. Mitteldeutschland ja nicht auf der Wurschtsuppe daher geschwommen sind, noch eine sprachlich regionale Einordnung des Schillerweins.

    Gern zitiertes Zitat von wein-plus.de

    “Schieler: Alte sächsische Bezeichnung für einen aus roten und weißen Trauben gekelterten Wein aus einem Weingarten mit gemischtem Satz. Dies entspricht sinngemäß dem Schiller. Das Weingut Vincenz Richter in Meißen (Sachsen) hatte sich diese Bezeichnung als Markennamen schützen lassen. In der Zwischenzeit kann sie aber frei verwendet werden.”

    Neue Varianten sind also möglich, unter Beteiligung von Fielmann oder Rodenstock – “Schieler-Wein: Ich seh’ wohin, wo Du nichts siehst”

    Augen geradeaus, Prosit und schöne Grüße von
    Friedrich von Schieler

  2. @FvS
    Ja, gut. Es gibt sicher auch noch irgendwo einen Ableger à la ‘Piesporter Engelspipi Altrosa’.
    Der Schieler ist in der Nische gut aufgehoben.
    Die Geschmack ist nämlich näher an Fielman als an Rodenstock und von einem guten Rosé, mit dem er nur die Farbe gemein hat, ein paar Meter entfernt.
    Mir schon verständlich, dass jeder (in Sachsen) den Namen gerne haben kann…

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