Nach dem Hype oder Weinblogger’s Blues

Es wird allgemein ruhiger um die Blogs. Den Top 100 laufen die Links und damit ihr selbst gewähltes Bedeutungskriterium davon. Diejenigen wenigen, die vom bloggen zumindest mittelbar leben wollen und dies halbwegs auch können, sind inzwischen handzahm und belanglos in ihrer Schreibe geworden. Offenbar wollen sie es sich nicht mehr leisten, jemanden auf die Füße zu treten. Der Rest übt sich im ständigen wiederkäuen seiner Lieblingsthemen.
Ganz so krass sieht es in der Nische Weinblogs zwar nicht aus, dennoch gibt es ähnliche Tendenzen.
Auch hier wird – zumindest gefühlt – weniger geschrieben. Nicht nur die Winzer unter den Bloggern melden sich nur noch wenn sie Zeit und Lust dazu haben. Es scheint als wäre der Druck weg, ständig und überall seinen Senf dazugeben zu müssen, immer mit seiner Meinung vorn dabei zu sein.
So bringt allenfalls die monatliche Weinrallye etwas flächendeckende Bewegung in die Sache, bleibt aber trotzdem nur ein Sturm im Wasserglas.
Ziemlich windstill ist es auch bei denen geworden, die ihr Blog primär als sprudelnde Geldeinnahmequelle gesehen haben. Die, die meinten, es würde genügen die Leserschaft regelmäßig mit abgeschriebenen Pressemitteilungen oder ähnlich Flachgründigem zuzumüllen. Diese ‘Kollegen’ schleichen inzwischen auf anderen Spielplätzen rum oder man lässt sie einfach links liegen.
Erinnern wir uns noch an die unzähligen und oft an den Statistik-Haaren herbeigezogenen Rankings und Toplisten? Nix. Keine Rankingsau wird mehr durchs Weinbloggerdorf getrieben. Und wenn, dann ist es höchstens ein einsames Ein-Tages-Ferkel.
Offenbar hat es inzwischen auch der Letzte gemerkt, dass Blogs einfach ‘nur’, mehr oder weniger interessante Tage- und Notizbücher im Netz sind.
Bliebe zusammenfassend eigentlich nur noch eine Frage: Was ist eigentlich so schlecht daran?

18 KOMMENTARE

  1. Iris sagt:

    “Nicht nur die Winzer unter den Bloggern melden sich nur noch wenn sie Zeit und Lust dazu haben…” – oder wenn’s regnet – aber das ist wohl im Moment in deutschen Landen eher weniger der Fall… – also hier schnell noch ein bischen “Senf”, bevor mich der nächste Donnerschlag wieder vom Computer vertreibt:-).

    In Frankreich wird es bei mit Wein befassten Blogs, die das auch als Geldeinnahmequelle betreiben wollten, wohl auch eher windstill werden, nachdem Microsoft in vorwegnehmender Autozensur die adds für Wein und Weingüter aus dem Netzt genommen hat, um nicht mit unserem berühmt-berüchtigten Loi Evin in Konflikt zu kommen, in dem 1991 leider ve aufzunehmen, auf denen noch (natürlich mit entsprechendem Warnhinweis) für Wein (vorsicht: Alkohol!!!) geworben werden darf.

    Und da hier eins der wichtigsten Rechtprinzipien ist: was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist verboten (gilt ja auch z.B. für den Anbau von Rebsorten außerhalb ihrer “angestammten” Region), geht den gerade gegründeten Wein-Websides in F jetzt “die Buchs mit Grundeis” – à suivre…

  2. Iris sagt:

    Pardon: da fehlt ein Stück, also Paragraph 2 noch mal:

    In Frankreich wird es bei mit Wein befassten Blogs, die das auch als Geldeinnahmequelle betreiben wollten, wohl auch eher windstill werden, nachdem Microsoft in vorwegnehmender Autozensur die adds für Wein und Weingüter aus dem Netzt genommen hat, um nicht mit unserem berühmt-berüchtigten Loi Evin in Konflikt zu kommen, in dem 1991 leider vergessen wurde, das Internet unter die Medien aufzunehmen, auf denen noch (natürlich mit entsprechendem Warnhinweis) für Wein (vorsicht: Alkohol!!!) geworben werden darf.

  3. Gerade sehe ich, dass [Nachtrag: einer] der Werbeblogger in seiner (etwas größeren) Blog-Nische just heute ähnliches feststellt. Allerdings mit einer anderen Konsequenz: Er macht zu hört auf.

  4. Thomas sagt:

    Ja, und just heute habe ich auch beschlossen genau zu diesem Thema ebenfalls noch meinen Senf absondern zu müssen!! Damit lasse ich mir nun Zeit, denn der Weinpunk hat bereits das wichtigste gesagt :-)
    Aber das Winzerblog macht vorerst nicht zu!! Ich erhole mich noch um dann wieder mit Vollgas loslegen zu können!!

  5. Ich stimme Dir zu, dass es positiv ist, keine Rankings zu haben. Man hat sich ja bei gar keinem Wettbewerb angemeldet, wenn man einen Weinblog schreibt. Und auch sich mit anderen – die zufällig etwas ähnliches machen (ist das sich immer ähnlich?) – messen zu müssen, ist ja auch irgendwie seltsam.

    Zu dem Punkt mit den “nur Tagebüchern” habe ich eine andere Position. Man darf sich da mal die Besucherzahlen von manchen Weinblogs anschauen. Das ist etwas anderes als eine “Kommunikation im nahen sozialen Umfeld” (wie dies Medienwissenschaftler nennen). Zudem ist ein Blog nicht nur eine persönliche Sache (einige Themen lässt man ja bewusst aus um seine Privatssphäre zu schützen), sondern ein Tagebuch ist auch eine literarische Form sich Themen zu nähern. Und das kann man unterteilen in fiktive Literatur und reale Tagebücher, die bei ihrer Veröffentlichung zu Bestsellern wurden.

    Und da hat man dann auch das Thema Verkauf: So zahm wie viele Wein-Print-Medien sind viele Weinblogs noch lange nicht. Jedoch bemerke ich auch, dass es doch häufig hinderlich ist Leuten auf die Füße zu treten. Es gibt immerhin schon Winzer, die mich auf Veranstaltungen nicht mehr grüßen, weil ich negativ über einen ihrer Weine geschrieben habe. Aber das ist mir schnurtz.

    Der Anpassungsdruck ist bei Blogs aber nicht so hoch wie bei Print. Nur mal drei Gründe dafür: Keine Verantwortung für Mitarbeiter, geringe Produktionskosten und andere Aufmerksamkeitsökonomie im Netz.

  6. @Thomas
    :-)

    @Thomas Günther
    Wenn sie sooo wichtig wären, könnte es sich doch kein Winzer leisten einen Blogger nicht zu grüßen…
    Aber mal im Ernst und zurück zum Ursprung. Blogs sind per se nicht schlechter, aber auch nicht besser als andere Medien. Aber genau das haben viele, anderen und manchmal auch sich selbst versprochen.
    Interessanter, besser, erfolgreicher, wichtiger, einflussreicher… reicher, hat nicht wirklich funktioniert. Bloggen kann jeder und bringt schnellen Erfolg. Auch das haben ja viele immer behauptet oder zumindest geglaubt.
    Die Realität sieht so aus, dass sich z.B. am letzten Wochenende –gefühlt- 90% aller deutschen Blogger über den Eurovision Song Contest schreiben. Wo da der Vorsprung gegenüber Printmedien ist, kann man sich durchaus fragen.
    Das ‚nur Tagebücher’ bedeutet, die Blogs sind im Alltag angekommen. Das ist überhaupt nichts Schlechtes, genügt aber manchen offenbar nicht.
    Und die suchen ihr Heil jetzt bei Twitter oder bald bei FriendFeed oder was auch immer…

  7. [...] zum nächsten Beitrag dauert, liegt das nicht am “Weinbloggers Blues” (den Weincasting hier sehr treffend beschreibt), sondern an der Messe und der vielen Arbeit im [...]

  8. Also ich blogge ja auch schon nen büschen. Und jedes Jahr gibt es so eine Phase, meist im Frühjahr, wenn das Wetter besser wird, in dem der Schwanengesang angestimmt wird. Und irgendwann beruhigt sich das auch wieder.

  9. @ Thomas Knüwer: Ich gebe dir da vollkommen recht. (in Hinweins aus Wiglaw Droste “Wieso heißen alle plötzlich Thomas”). Doch das Wachstum ist – bei mir zumindest – ungebremst.

    @Chales: Ich fordere ja unabdingt Aufklärung. Jene dargestellten Winzer handeln ja gar nicht rational im Sinne von neuen Medien. Vielmehr ist da jahrhundertealter Staub über dem, was im Print immer noch teilweise funktioniert.

    Immerhin fahre ich nächste Woche zu einer Veranstaltung ohne WLAN, da diese laut Veranstalter in einem Kloster stattfindet. Als wenn WLAN in Klostern nicht funktioniert. Da merkt man aber mit welcher Macht der Tradition man es zu tun hat. Trotzdem weden die Geschichten – nur etwas zeitversetzt – auf weinverkostungen.de zu lesen sein.

  10. @Thomas Knüwer
    Das Problem ist auch nicht der Gesang, sondern dass aus vielen Entlein keine stolzen Schwäne geworden sind, sondern fette, lahme Gänse. Und ob sich das mal wieder beruhigt… ?

  11. WLAN? Ich nehme für so was immer einen Stift und ein leicht staubiges Notizbuch. Es war nicht alles schlecht, früher.

  12. @ Carles:
    Ich glaube Du musst mir mal beibringen, wie man mit einem Stift und einem staubigen Notizbuch bloggt. Das ist ja gerade der Sinn. Und solche Berichte sind in meinem Blog nun mal am meisten gelesen. Zudem macht Live-bloggen ziemlich viel Spaß.

  13. Ehrlich gesagt ist es schwer das Bloggen genau einzuschätzen. Viele Kunden und Bekannte wissen immer noch nicht was ein Blog ist…. Ich muß zugeben, ich brauchte auch etwas Zeit um die Komplexidität von Blogs zu durchschauen. Selbstverständlich rein programmiertechnisch…
    Für mich ist es die einfachste Möglichkeit eine Homepage aktuell zu halten. Ich muß nur noch lernen da eine Struktur hineinzubringen…
    Vor allem muß es Spaß machen. Mit einem Weinblog Geld zu verdienen gönne ich selbstverständlich viele von euch… Man braucht eben nur genügend Besucher… Nur wie vermittelt man den Stellenwert eines Blogs dem deutschen Weintrinker ??? Durch eine Zeitungsannonce ???

  14. Lars B. sagt:

    Tja, der Stellenwert der Weinblogs. Es ist auch meine Erfahrung, das einer breiten Öffentlichkeit der Zugang zu den Blogs trotz potentiellen Interesses noch nicht gelungen ist. Vielleicht braucht es einfach auch Durchhaltevermögen und Zeit – neben dem Spass zum Schreiben, Fotografieren und Mantelöffnen. Die etablierten Medien spielen da natürlich auch eine Rolle – die VINUM hat ja jetzt mal einen Anfang gemacht, das bringt die Verbreitung der Blogs sicher nach vorne.

  15. @Patrick Johner
    Das einzige Mittel ist Geduld, da hat Lars recht. Wenn man Freude an der Sache hat, kommt die Öffentlichkeit von alleine. Aber das braucht halt Zeit. Wenn man sich etablierte Blogs ansieht wird man sehen, dass die meisten schon viele Jahre aktiv sind. Als Winzer kann es natürlich nicht schaden, hier und da zu erwähnen das man bloggt.
    Man sollte sich im klaren sein, dass Leser einen Weinblog oft gar nicht als solchen wahrnehmen („Komplexität“) und irgendwelche Blogeigenheiten gar nicht kapieren.
    Und man sollte sich vor zu großen Erwartungen hüten. Weinblogs sind eine Nische, man wird nie die Reichweite wie z.B. Medienblogs erreichen können. Dafür ist die kleinere Lesergemeinde aber um einiges nachhaltiger und fluktuiert weniger.

  16. El Fermentation sagt:

    Ich glaube auch nicht das Links ihre Bedeutung verlieren. Sie sind ja schliesslich nicht zu manipulieren und somit schon sehr aussagefähig.

  17. Nicht zu manipulieren?
    Man legte mehre Blogs zu ähnliche Themen an und verlinkt immer schön zu sich selbst. Das gleiche macht man noch bei Twitter, Xing usw. Dazu wird noch etwas mit Kommentarspam und Trackbacks gewürzt.
    Und schon hat man mehr Links als Leser. Notfalls zählt man noch die Google-Bots mit.
    Also immer langsam, kleiner Padawan.

KOMMENTAR HINTERLASSEN

Sie müssen einglogged sein um einen Kommentar abgeben zu können.