Lübecker Rotspon Trocken [Lass & Steffen]

HL RSPON

Rotspon ist nicht etwa der Linksaußenableger von Spiegel Online. Rotspon ist im Norden, besonders in und um Lübeck ein Begriff für Rotwein. Denn Lübeck ist nicht nur Marzipan, sondern hat auch eine alte Tradition im Weinhandel.
Allerdings ranken sich um das Wort Tradition naturgemäß auch immer eine Menge Geschichten und Geschichtchen um den Lübecker Rotspon. Nur soviel an dieser Stelle, Thomas Mann hat ihn in den ‘Buddenbrooks’ verewigt, Fritz Reuter hat ihn angeblich eher gemocht, Heide Simonis angeblich eher nicht.
Lübecker Rotspon war früher aus Frankreich eingeschleppter Bordeaux, der in Lübeck deponiert und abgefüllt worden ist. Wobei es inzwischen nicht mehr nur Bordeaux sein muss, sondern eigentlich nur noch Frankreich. In diesem Falle ein Vin de Pays des Côtes Catalanes aus Südfrankreich, Made by Lass & Steffen.
Übrigens, so wie sich Renault den Ableger Dacia fürs Grobe hält, hält sich das Weinhandelshaus H. F. von Melle für den Einzelhandel Lass & Steffen.
Und eher grob geht es auch hier los. Die Nase wird zuerst von einem ordentlichen Glühweinaroma erschrocken, welches sich aber schnell verflüchtigt und zu einem, zwar nicht zärtlichen, aber doch zarten Beerenaroma mutiert. Im Mund haben wir dann einen leichten, unspektakulären, aber gar nicht so verkehrten Südfranzosen aus Lübeck. In der Preisklasse kann einem wahrlich schlimmeres passieren und hier säuft man sogar noch etwas hanseatische Tradition.

[Gefunden im… reginonalen Lebensmitteleinzelhandel]

Song zum Wein:
Eels – ‘Tiger in My Tank’
Hier kurz reinhören (via iTunes).

3 KOMMENTARE

  1. Innauen sagt:

    da ist ja eine ordentliche Portion wikipedia in dem Beitrag :-) Aber danke für die Verkostungsnotiz. Gibt es eigentlich noch eine Tradition für qualitativ hochwertigen Rotspon?

  2. Charles B. sagt:

    @Innauen
    Huch, ich hab da einiges verwordpressed, u.a. die Links zu Wikipedia der all-seeing Trash Heap allen Wissens…
    Tradition und Qualität ist ja relativ, bzw. Geschmacksache. Es gibt aber auch Rotspon in besseren Appellationen, mit Jahrgang und Terroir. Die Qualitäten mögen nicht immer revolutionär sein, aber besser als ‘in Lübeck deponiert und abgefüllt’ vermuten lassen.
    Ex-Präsident Chirac hat sogar mal eine Kiste des Melle’schen Rotsporns, wohl der mit Jahrgang und Terroir, überreicht bekommen. Es bleibt natürlich offen ob er diese gleich im Flugzeug – ja nach Standpunkt – weggekippt hat.

  3. David sagt:

    Hallo,

    ich habe zu Weihnachten in einem namhaften lübekschen Weinhandelshaus eine Kiste Rotspons bestellt. Zwar ohne Terroir aber immerhin mit Jahrgang (2008, kann also noch ein paar Jährchen im Keller schlummern). Das Problem beim Rotspon ist, dass er sich in der Regel eher nicht einem Terroir zuordnen lässt da es sich beim Rotspon traditionellerweise um einen “Cuvée” (Verschnitt) handelt. Meine Neugier erlaubte es nicht, alle flaschen verkorkt zu lassen. So hab ich dann eines Abends mal einen Rotspon aufgemacht. Wie empfohlen ein paar stunden Atmen gelassen. Der Wein riecht unglaublich toll. Ich erspare mir hier das “Waldbeeren und Muskat-Fachchinesisch”. Der Wein ist mit etwa 10€ pro Flasche sicherlich nicht unterbezahlt, aber meiner Meinung nach ist er sie durchaus wert.
    Napoleon soll angeblich als erste Maßnahme nach der Eroberung Lübecks die Weinkontore der Händler besichtigt und verkostet haben, dabei soll er besonderen Gefallen am Rotspon gefunden haben. Was an der Story dran ist muss jeder mit sich selbst aus machen. Ich für meinen Teil finde jedenfalls dass der Lübecker Rotspon ein äußerst leckeres Tröpfchen ist, das es sich durchaus zu probieren lohnt.

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