Winzer-Special: Weingut Joachim Lehmann.

LB

Herr Lehmann ist ein Roman von Sven Regener. Herr Lehmann ist auch der dazugehörige Film von Leander Hausmann.
Und Herr Lehmann wohnt im klitzekleinen Ort Diesbar-Seußlitz, etwas elbstromabwärts hinter Meißen. Eigentlich in Seußlitz, darauf legt er Wert, denn Diesbar ist noch klitzekleiner als Seußlitz und verdankt die Aufwertung nur einer mehr oder weniger freiwilligen Gebietsreform von vor ein paar Jahren.
Der Herr Lehmann aus Seußlitz hat mit den anderen beiden Lehmanns eigentlich nicht viel gemein. Das heißt gar nichts.
Denn der Joachim Lehmann ist Winzer. Das dazugehörige Weingut führt inzwischen zwar Joachim junior, aber wie bei manch südländischen Paten führt auch hier am alten Herren kein Weg vorbei. Wir befinden uns schließlich an der ‘Sächsischen Riviera’, eine Bezeichnung bei der auch Herr Lehmann etwas schmunzeln muss.
Aber die Bezeichnung ist Tradition, und Tradition ist wichtig. Da gibt es manches vorzuweisen, denn das Weingut ist inzwischen über 75 Jahre alt. Weltgeschichtlich zwar ein Klacks, aber immerhin hat man in dieser Zeit schon ein paar Systemwechsel überlebt. Selbst vor der Wende, als man die eigenen Trauben mehr oder weniger freiwillig an die volkseigene Meißner Winzergenossenschaft geliefert hat, konnte man sich mit den ‘Seußlitzer Weinstuben’ gut über Wasser halten. Das wusste auch damals schon die lokale Prominenz aus Dresden zu schätzen.
Die Weinstuben nebst kleinem Hotel gibt es auch heute noch, die Trauben gehen allerdings wieder in den eigenen Keller. Sie kommen von einer von ca. 8 ha großen Rebfläche und Weinbergslagen wie ‘Seußlitzer Heinrichsburg’, ‘Seußlitzer Schlossweinberg’ oder ‘Meißner Rosengründchen’. Dahinter verbergen sich die Weine Müller-Thurgau, Bacchus, Weißburgunder, Grauburgunder, Traminer, Riesling, Spätburgunder oder der in diesen Landen eher seltene Zweigelt. Dessen Existenz in Lehmanns Weinbergen ist seinem guten Draht zu einem Herren in Wien zu verdanken, als man eigentlich händeringend nach anderen Sorten wie dem Spätburgunder gesucht hatte. Und da die Weinbergsflächen im Gegensatz zu manchen Rebstöcken nach wie vor knapp sind, teilt man sich auch schon mal mit einem großen Nachbar wie dem Prinzen zur Lippe (Schloß Proschwitz) in die besten Lagen. Die Weine, die von dort kommen, sind allesamt recht klassisch ausgebaut, aber ehrlich, klar und versprühen jede Menge örtliches Terroir.
Wer mag, kann sich dazu in die Weinstube setzen und sich von Joachim Lehmann aufs Beste unterhalten lassen. Das macht er gut und gerne, denn wie er selbst sagt: ‘Jede Kneipe muss einen Lockvogel ham…’.
Damit man danach nicht wie Lehmann aus dem Buch und Film auf dem örtlichen Bürgersteig liegen bleibt, kann man sich der Sächsischen Dampfschifffahrt bedienen, die idealerweise genau vor dem Weingut bzw. Weinstube halt macht, um die vorwiegend älteren Touristen in Richtung Dresden einzusammeln. So könnte man auf dem Heimweg schon mal ein Fläschen öffnen, während der Dampfer gemütlich an Meißen vorbei schippert.

Adresse:
An der Weinstraße 26
01612 Diesbar-Seusslitz
Web:
www.weingut-joachim-lehmann.de (Ist zurzeit nicht wirklich informativ.)

Den Lehmann’schen Wein bekommt man natürlich im hauseigenen Weinverkauf vor Ort.
Sollte man den Weg dorthin scheuen wollen, wird es schon schwieriger. Aber bei einigen Weinhändlern mit regionalem Angebot zwischen Meißen und Dresden, sowie in gut sortierten Konsum-Filialen und in der Feinkostabteilung des Dresdner Karstadt-Kaufhauses wird man möglicherweise fündig.

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