42 – oder vom Blödsinn mit den Wein-Punkten

In Douglas Adams’ Roman ‘Per Anhalter durch die Galaxis‘ kommt der Computer ‘Deep Thought’ auf die Antwort auf die Frage aller Fragen, nämlich die ‘nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, am Ende einer Rechenzeit von 7,5 Millionen Jahren auf das Ergebnis 42. Auf den Einwurf, dass dies eine etwas unbefriedigende Antwort sei, weist ‘Deep Thought’ darauf hin, dass die Frage nicht präzise gestellt wurde.
Ähnlich sieht es mit der Punktevergabe als Qualitätskriterium für Weine aus. Im Prinzip auch eine Antwort auf eine Frage, die gar nicht wirklich gestellt wurde. Hinzu kommt, dass hier ein Ergebnis nicht einfach 42, sondern beispielsweise 92/100 Parker Punkte, 95/100 Wine Spectator Punkte oder 18/20 Weinwisser Punkte lautet.
Wein-Punkte sind der verzweifelte Versuch einen Wein allgemeingültig, auf kurze Art und Weise einer Hausnummer zuzuordnen. In etwa so aussagekräftig wie der Versuch, Gerhard Richters malerisches Werk mit Zahlen zu beurteilen. ‘Tante Marianne’ würde dann vielleicht 98/100 Gombrich-Punkte bekommen oder möglicherweise nur 15/20 art-Punkte. Alles – fast alles – eine Geschmacksfrage.
Wohl gemerkt, ein wirklich mieser Wein bleibt ein wirklich mieser Wein. Einsneunzig ist immer schlechter als Neunzehnneuzig, das liegt schon in der Natur der Sache. Es bleibt nur die Frage wie groß der Abstand am Ende wirklich ist.
Haben die Wein-Punkte nicht, analog zu Kunstmarkteinschätzungen, ihren wirklichen Sinn im magische Einfluss auf die Preise? Wenn Robert Parker einem Wein seines Geschmacks heute 99/100 Punkte gibt, klebt diese Angabe oft morgen auf der Flasche. Nicht selten im Zusammenhang mit einer Preiserhöhung um 100 Prozent.
Eine hohe Punktzahl ist eben nur eine verkürzte Aussage, dass dieser Wein einer bestimmten Person, an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit sehr zugesagt hat und zu einem Ergebnis gekommen ist, zu dem eine andere Person im Idealfall auch kommen würde.
Aber möglicherweise gibt es ja irgendwann einen Computer, den man mit den eigenen Vorlieben füttern kann und der einem dann immer das passende Ergebnis in Form eines Wein-Tipps dazu liefert. Und der hoffentlich nicht jedes mal 7,5 Millionen Jahre dafür braucht.
Bis es vielleicht einmal soweit ist, bleibt einem nur der Kampf durch allgemeinübliche weinrechtliche Beschreibungsphrasen oder immer wieder zu probieren und seinem eigenen Geschmack zu vertrauen.
Und letzteres ist möglicherweise die einzig wahre Antwort auf die Frage aller Fragen.

3 KOMMENTARE

  1. pivu sagt:

    Wie wahr, das Thema “Punktewahnsinn” ist schon ein mittlerer Fortsetzungsroman bei mir, und auch Mario Scheuermann widmet sich in seinem neuesten Buch “Wein und Zeit” diesem Thema, soll ich sagen Missstand, mehrfach.

  2. Charles B. sagt:

    Ich würde es gar nicht als Missstand bezeichnen. Die Idee, die hinter der Punktevergabe ursprünglich einmal gestanden haben mag, nämlich kurz und knapp einen Wein zu beurteilen, kann ich vielleicht sogar verstehen. Auf einem ähnlichen System beruht ja auch der Erfolg der Stiftung Warentest.
    Das Problem ist die Undurchsichtigkeit und die Pervertierung dieses Systems. Parker oder sonst wer vergibt eine hohe Punktzahl und keiner weiß eigentlich noch was dahinter steckt, aber alle hüpfen wie kleine Kinder um den Christbaum freudig drum herum.
    Die Zahl ist nicht (mehr) der Ausdruck des Ergebnisses, sondern das Ergebnis selbst. Und das ist Bullshit.

  3. Kreta sagt:

    Interessanter Artikel, aber wie zu jeder Sache, man kann sich über alles streiten.

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