2003 Château de Tigné Vieilles Vignes

Gérard Depardieu

Nein, leicht macht er es einem nicht, der Dicke mit der Knollennase. Erst beendet(?) er seine Karriere mit Rollen, die ihn in unserem kollektiven Gedächtnis als korpulente Comicfigur in gestreiften Unterhosen zurücklassen.
Und dann führt ihn seine Leidenschaft zum Wein dazu, sich zum Winzer berufen zu fühlen. Dafür erntet er von etlichen Weinkritikern Spott und seine Weine den Ruf von überteuerten Durchschnittstropfen auf Landwein-Niveau.
Obwohl mir schon Landweine begegnet sind, die es locker mit ‘Prädikaten’ aufnehmen konnten.
Also, was ist dran, am Wein von Gérard Depardieu. Zum Probieren gibt es einen seiner Einsteiger für knapp 15 Euro, bei einer Flasche für 60 Euro auf die Nase zu fallen war mir dann doch zu riskant. Ja, auch ich bin nicht ganz resistent gegenüber (Vor)Urteilen von Weinkritikern.
Zuerst fällt die aufgeklebte Marke ‘Gérard Depardieu’ ins Auge. Natürlich verkaufsfördernd gedacht, rückt sie das Produkt doch gefährlich in die Nähe von Fensterbildflaschen und Fußballweinen.
Gut, der Inhalt soll ja die Musik machen. Ein fruchtiger Hauch von Pflaumen mit einem etwas übermäßigen Hang zum Rumtopf in der Nase. Im Mund ein frisch-fruchtiges Tröpfchen, welches zwar den Franzosen nicht verbergen möchte, wenig holzig, dafür aber umso cremiger daher kommt. Das schmeckt schon sehr nach Michel Rolland (irgendwo habe ich gelesen, er hätte seine Hände im Spiel).
Alles in allem ein nettes Weinchen, mit dem wohl Depardieu-Fans am glücklichsten werden dürften. Alle anderem bekommen keinen Zaubertrank, aber ein solides Tröpfchen mit ziemlich (üb)erhöhtem (und in einigen Euro zu entrichtendem) Star-Bonus.

[Gefunden bei… Galeria Kaufhof, Berlin/Alexanderplatz.]

Song zum Wein:
Carla Bruni – ‘Le plus beau du quartier’
Reinhören (und wie?) bei:
Carla Bruni - Quelqu'un m'a dit - Le plus beau du quartier

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