Sachsen kompakt. Reloaded.

Nein, ich kann es nicht lassen. Ich gehe gerne auf Weinfeste. Den Herrn K. untergehakt, bieten solche Veranstaltungen immer wieder volkstümliche Einblicke in die Töpfe der Winzer, jenseits von Presseveranstaltungen. Auch wenn es manchmal schwierig ist die Contenance zu waren, wenn die Biertischnachbarbaren immer wieder nach halbtrocknen oder lieblichen Schoppen verlangen.
Ort der, mal mehr und mal weniger, erfreulichen Veranstaltung war der ‘Tag des offenen Weingutes’, der wie immer an zwei Tagen stattfand. Die Verkostungsnotizen, diesmal von Winzern aus dem Raum Radebeul:

Weingut Karl Friedrich Aust
(www.weingut-aust.de)
Es geht voran. Das Weingut dürfte eines der schönsten in Sachsen sein. Die Sanierung der Gebäude macht ordentliche Fortschritte und auch die Weine sind weiter auf einem guten Weg.

2004 Kerner Trocken
Der dürfte in einem Bärenzwinger für Aufregung sorgen. Ein sehr ordentliches Aroma nach Honig und einem Strauß frischer Blumen. Auch im Mund Blümchen, Blümchen, Blümchen. Sehr schön.

2005 Kerner Trocken
Im Prinzip ein würdiger Nachfolger des 2004er, allerdings etwas weicher in der Nase und im Mund mit mehr Zucker. Vielleicht noch etwas jung, geht aber in die richtige Richtung.

Weinbau Frédéric Fourré
Der Franzose in Sachsen. Im Hauptberuf Sommelier im Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden, arbeitet er eng mit dem befreundeten Karl Friedrich Aust zusammen, der auch seine Weine ausbaut. Das merkt man den Weinen gelegentlich auch an, ohne dass man das Gefühl vom gleichen Wein in fremden Schläuchen haben könnte.

2005 Grauburgunder Trocken
Zitrusfrüchte der herberen Art, mit einem Touch Muskat in der Nase. Auch im Mund die herbe Frische. Allerdings noch etwas jung, würde ich noch liegen lassen.

2005 Kerner Trocken
In der Nase ein sehr typischer Kerner. Pfirsich und Ananas. Im Mund etwas herb und traubig. Auch ein wenig flach. Der braucht wohl noch etwas, wie der Grauburgunder noch ein wenig zu jung.

Weingut DREI HERREN
(www.weingutdreiherren.de)
Es kann durchaus interessant sein, wenn sich ein Professor für Kunstgeschichte, ein Radebeuler Winzer, der fränkische Winzerfreund und eine ehemalige sächsische Weinkönigin zum gemeinsamen Winzern zusammenfinden.
‘DREI HERREN sucht den Dialog zwischen Tradition und Moderne’. Das klingt gut, doch erste Zweifel ob des Gelingens kommen schon bei der Corporate Schrift des Weingutes. Die Comic Sans ist in der Typografie das, was die Reiswaffel unter Genießern ist. Kochen hier etwa zu viele Köche den Brei, liegt hier die selbstgesteckte Meßlatte (wie schon beim Corporate Design) zu hoch?

2005 Rotwein Trocken
Im Gegensatz zu den Weißweinen, mit einem netten Etikett und wie diese mit Schraubverschluß. Aber was man im Keller aus 80% Dornfelder und 20% Spätburgunder gemacht hat, ist mir ein Rätsel.
In der Nase ein Hauch von Cassis und Geschmacklosigkeit, im Mund die absolute Enttäuschung. Eine mäßige Fruchsaftschorle, seifig, grün, nur Säure…
Wenn man dafür vor Ort auch noch 15 Euro pro Flasche auf den Tisch legen soll, sucht man zwangsläufig nach der versteckten Kamera.

2005 Grauburgunder
Besser als der indiskutable ‘Rotwein’, was an sich auch keine Kunst sein dürfte. Etwas Pfirsicharoma in der Nase und im Mund grüne Birnen und ein paar Äpfel. Wirkt etwas unreif, könnte also im Laufe der Zeit besser werden. Toll ist der aber auch nicht.

Weingut Gerhardt
(www.weinbau-gerhardt.de)
Nur ein Herr und nur Doktor, zeigt es sich, dass weniger doch manchmal mehr ist. Was einem in familiärer Atmosphäre im Dreiseitenhof geboten wird, kann mehr als überzeugen.

2004 Spätburgunder, im Holzfass gereift (That means Barrique?)
Ein sehr typisches Spätburgunderaroma in der Nase, mit Veilchen wo sie hingehören. Auch im Mund sehr rund und reif, mit einer Prise Schokolade und ordentlich Alkohol, der einem aber nicht auf den Sack geht. Schön.

2005 Grauburgunder
In der Nase, wir ahnen es, Ananas. Im Mund dafür etwas überraschender. Würzig, blumig mit etwas Muskat. Würde ich sagen… Auf jeden Fall mit eigenem Charakter. Auch schön.

2 KOMMENTARE

  1. Angela Röhl sagt:

    Sehr geehrter Schreiber der Notizen,
    Erstens würde mich interessieren, wer die Degustationsnotizen verfasst hat und zweitens ist es schon peinlich, wenn man den weinrechtlich festgelegten Unterschied zwischen Holzfass und Barrique nicht weiß???
    Es gibt Weinfehler und ´Weine, die uns persönlich nicht zusagen, aber ein Verriss ist keine Weinbeschreibung, das kann man mit Theaterstücken machen. Etwas mehr Proffessionalität würde der Sache denn doch gut tun.
    Mit allerbesten Grüßen und zum Glück ist die weinwelt vielfältig und komplex, aber doch mit einigen verbindlichen Vokabeln belegt….
    Immer einen wunderbaren Tropfen im Glas
    wünscht Angela Röhl – die ihre frühe Lust am Wein mit dem sächsischen oft belächeltem Müller Thurgau begann!

  2. Charles sagt:

    Liebe Frau Röhl,

    Erstens habe ich (mit freundlicher Unterstützung des Herrn K.) die Degustationsnotizen verfasst und zweitens kenne ich natürlich den weinrechtlich festgelegten Unterschied zwischen Holzfass und Barrique. Er ist mir aber, um ehrlich zu sein, an dieser Stelle schnurz egal.
    Hier geht es eben nicht um Weinbeschreibungen mit ‚einigen verbindlichen Vokabeln’ und Wiederkäuen von Presse- und Werbetexten.
    So was überlasse ich doch gerne den Weinverbänden, Weinberatern und Absolventen von „Wie fasele ich vor anderen mit möglichst vielen hohlen Fachbegriffen über Wein“-Kursen und schließe mich Ullrich Fichtner (http://www.weincasting.com/?p=266) an.
    Natürlich gibt es Weinfehler und Weine die uns persönlich nicht zusagen. Aber es gibt auch ziemlich beschissene Weine. Ein ‚2004er Dornfelder Qualitätswein Lieblich’ für 0,99 Euro ist z.B. ein beschissener Rotwein. Daran ändert auch seine exorbitante Beliebtheit bei vielen Konsumenten oder einige ‚verbindliche Vokabeln’ nichts. Auch so mancher Winzerwein ist schlicht und einfach ein schlechter Witz.
    Wenn eine bissige Bemerkung darüber ein Verriss ist, dann ist das wohl so. Ich bin sogar etwas erleichtert, dass Sie dies so sehen. Mir wurde auch schon vorgeworfen, zu oft mit ‚Wattebällchen um mich zu werfen’.
    Aber, Sie haben Recht, die Weinwelt ist zum Glück so groß und vielfältig, da haben wir alle Platz.

    Mit den allerfreundlichsten Grüßen
    Ihr
    Charles M. Bugnowski

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