Sachsen kompakt.

Wer sich auf ein Weinfest begibt, sollte schon wissen was er tut. Im schlechtesten Falle gerät man in die Fänge einer Tingeltangelgruppe von Winzern, die ihre Erzeugnisse der Kategorie ‚Halbtrocken bis lieblich’ zu miesem Schlager-Schunkel-Getöse unter das Volk bringen wollen. Im besten Falle hat man die Möglichkeit eines gewissen Überblickes über eine größere Gruppe regionaler Winzer, an einem Ort und dazu noch möglichst incognitooooo.
Wie zum sächsischen Weinfest am Wochenende in Dresden. Ja gut, auch hier musste man die mediale Folter von der Bühne eines privaten regionalen Radiosenders ertragen. Vor allem die Modenschau von Mandy’s Österreichischer Landhausmode war nur mit strenger meditativer Selbstkontrolle und einer Menge Galgenhumor zu ertragen.
Aber als Winzer hat man es offenbar nicht leicht an zufriedene Kunden zu kommen. Vor allem wenn das Aushilfspersonal in der Annahme, dass ‚weiß’ gleich ‚weiß’ ist, einfach Herrn K. nachschenken möchte und somit die monatelange Arbeit des Winzers in Sekundenbruchteilen zur Sau gemacht wird. Sollte man just in dieser Situation an eine boshafte Person oder schlimmer, an einen boshaften Kritiker geraten sein.
Da Herr K. aber nicht immer boshaft ist, schafft er die Geschichte mit einem freundlichen Hinweis aus der Welt. Und der Autor schließt sich dem an und verschweigt genüsslich den Namen des Winzers mit der unglücklichen Hand, was die Wahl seines Hilfspersonals angeht.
Ok, aber hier jetzt eine unrepräsentative, aber kleine Auswahl des Verkostungs-Marathons unter einigen, der hier vertretenen sächsischen Winzer.

Weingut Karl Friedrich Aust, Radebeul

2005 Goldriesling
Vom Geruch her ein recht typischer Riesling (obwohl er ja gar keiner ist), ziemlich fruchtig, in Richtung Pfirsich.
Im Geschmack frisch und etwas herber, eher Limette. Zum „so trinken“ etwas schwierig, macht sich aber sicher gut als… ähh… zum Fisch.

2005 Bacchus
Ähnlich dem Riesling, aber etwas würziger. Mit einer ganz leichten Kräuternote. Hier kommt der Pfirsich auch im Geschmack mehr durch. Würde ich aber trotzdem auch eher zum Essen sehen.

Weinbau Steffen Loose, Niederau

2005 Weißburgunder ‚Weinböhlaer Gellertberg’
Frisch und solide in der Nase. Im Mund recht fruchtig, aber unspektakulär. Könnte ein schöner Sommerwein sein.

Weingut Joachim Lehmann, Diesbar-Seußlitz

2004 Weißburgunder
Sehr schön fruchtig in der Nase. Auch im Mund ein fruchtiger Apfel, Wiesenblume und Holunder. Sehr schöner Stoff von einem ‘kleinen’ Winzer. Da können sich manche Profis noch eine Scheibe abschneiden…

Weinbau Dr. Gerhardt, Radebeul

2005 Traminer Trocken
Recht würzig, fein und fruchtig in der Nase. Auch im Mund ein fruchtiges Aroma, sehr typisch mit dem Geschmack nach frischen Trauben. Not bad, not bad.

Weingut Hoflößnitz, Radebeul

2005 Rotling
Sieht aus wie ein Rosé, ist aber eine Mischung aus Müller Thurgau und Regent.
In der Nase etwas wie Erdbeerbowle, was sich im Mund leider fortsetzt. Verdünnt mit einem Schuss Alkohol. Vielen Dank.
A worst case of red and white wine oder auch die „Teewurst des Weines“ (Zitat Herr K.).

Weingut ‚Drei Herren’, Radebeul

2004 Traminer Halbtrocken
Würzig und intensiv. Fruchtig im Geschmack mit einem Hauch von Rosen. Nicht ganz schlecht, aber als halbtrockener „Dosenöffner“ nicht ganz mein Geschmack.

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